Spitals-Wartezeiten: Kein Alarm

Der Wiener Pflege- und Patientenanwalt Konrad Brustbauer sieht in den aktuellen Wartezeiten auf Operationen keinen besonderen Anlass, Alarm zu schlagen.

Das Problem sei für die Betroffenen nichts Neues, sagte er am Mittwoch im Interview mit der APA. Seine Einrichtung könne stets zufriedenstellende Lösungen vermitteln: „Aus der Sicht der betroffenen Patienten ist das alles lösbar.“

Natürlich würden Wartezeiten auf Hüft- und Knieoperationen in den Wiener Spitälern persönlich oft als zu lange empfunden, und auch drei Wochen bis zum Bypass seien „subjektiv ein Wahnsinn“. Allerdings, so der Patientenanwalt, der seit 1. Juli im Amt ist: „Zwischen subjektivem Empfinden und dem tatsächlichen Zustand, das deckt sich nicht immer.“ Und: „Der Patient sieht sich selbst als schwersten Fall.“

Auf die grundsätzliche Problemlage habe die Patientenanwaltschaft bereits in der Vergangenheit hingewiesen, etwa im letzten Jahresbericht. „Meine Ressourcen vergeude ich nicht, dass ich etwas wiederhole, das ohnehin bekannt ist“, meint er daher. Teilweise handle es sich um ein saisonales Problem, etwa in der Urlaubszeit: „Man kann halt nicht so viele Ärzte und Schwestern beim Selbstbedienungsmarkt kaufen und wieder zurückgeben.“ Man vermittle den Patienten dann einen Platz in einem anderen Spital.

Brustbauer zeigte wenig Interesse daran, sich politisch in den Mittelpunkt zu stellen: „Es geht darum, konkreten Menschen, die Patienten oder Angehörige sind, halbwegs zufriedenzustellen. Ich kann nicht große politische Dinge machen. Die Probleme sind eh bekannt, da will ich nicht hineinblasen.“ Politiker müssten da natürlich ganz anders agieren, so der Patientenanwalt in Anspielung auf die aktuelle ÖVP-Kampagne.

Die von den Grünen an ihm geäußerte Kritik der mangelnden Erfahrung im Gesundheitsbereich ließ Brustbauer nicht gelten: „Ich muss ja nicht der Oberpfleger oder der Oberarzt sein.“ Viele Beschwerdeführer seien sogar froh, keinem Arzt gegenüber zu stehen, denn dann würden sie sich eher trauen, offen zu reden. Im Übrigen stehe im ein Expertenteam zur Seite. Er habe jedenfalls mit allen Wiener Parteien bereits das Gespräch gesucht, so Brustbauer.

In den wenigen Tagen im Amt habe er bereits intensiven Kontakt mit Patienten gehabt. „Die Schwierigsten bekommt man direkt serviert“, sagte er: „Manche bestehen darauf, dass sie nicht mit dem Referenten, sondern mit dem Leiter sprechen.“ Meist gehe es nicht um Kunstfehler, sondern um unvermeidliche Komplikationen, über die die Patienten auch aufgeklärt worden seien. In diesen Fällen würden Gelder aus dem verschuldensunabhängigen Patientenentschädigungsfonds ausgezahlt.

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