Spekulationen um Anthrax-Kontakt

Die US-Regierung untersucht einen Expertenbericht, wonach einer der Attentäter des 11. September möglicherweise Kontakt mit Anthrax-Erregern hatte.

Ein Sprecher der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore erklärte am Samstag, der mutmaßliche Flugzeugentführer Ahmed Ibrahim Al Haznawi habe sich drei Monate vor den Anschlägen von einem Arzt in Florida wegen einer Wunde am Bein behandeln lassen. Experten des Zentrums für Zivile Bioverteidigungsstrategien der Universität seien zu dem Schluss gekommen, dass eine Infektion mit Milzbranderregern die wahrscheinlichste Diagnose dafür sei.

Al Haznawi war nach Erkenntnissen der US-Ermittler einer der Entführer an Bord des Flugzeugs, das in Pennsylvania abstürzte. Die „New York Times“ schrieb am Samstag, der Mann sei im Juni wegen der Verletzung am Bein mit Antibiotika behandelt worden. Er habe angegeben, sich die Verletzung zugezogen zu haben, als er gegen einen Koffer geprallt sei. Nach dem 11. September und der anschließenden Serie von Milzbrandanschlägen schloss der behandelnde Arzt laut „Times“, dass die Symptome bei dem Mann denen einer Anthrax-Infektion glichen. Dies vermuteten auch die Ärzte des Universitätszentrums, erklärte Sprecher Tim Parsons.

Ein ranghoher Beamter des Geheimdienstes erklärte dazu, CIA-Direktor George Tenet habe ein entsprechendes Memorandum der Experten erhalten, das die Regierung nun prüfe. Ausgeschlossen werde nichts. Der stellvertretende Direktor der Bundespolizei FBI, John Collingwood, äußerte sich jedoch zurückhaltender. Diese Frage sei bereits vor Monaten eingehend überprüft worden, Hinweise darauf hätten sich nicht ergeben. Neue Entwicklungen gebe es nicht.

FBI-Direktor Robert Mueller sagte kürzlich, die Quelle der Anthrax-Erreger sei weiterhin nicht bekannt. Auch habe die Polizei noch keinen Kreis von Verdächtigen ausgemacht. Im vergangenen Herbst waren mehrere Briefe mit den Erregern an Adressaten in Florida, New York und Washington verschickt worden. Sie trugen Poststempel vom 18. September und vom 09. Oktober. Fünf Menschen starben an Lungenmilzbrand, Dutzende weitere erkrankten an der harmloseren Form von Hautmilzbrand.

US-Truppen in Afghanistan haben nach Angaben der US-Armee Hinweise darauf gefunden, dass Islamistenführer Osama bin Laden in den Besitz von Anthrax oder anderen biologischen Kampfstoffen gelangen wollte. Der US-Befehlshaber in Afghanistan, General Tommy Franks, erklärte am Samstag weiter, es deute nichts darauf hin, dass Bin Ladens Terrornetzwerk El Kaida damit erfolgreich gewesen sei.

Hinweise auf Versuche, in den Besitz von Massenvernichtungswaffen zu gelangen, hätten US-Soldaten kürzlich in einer Anlage der El Kaida bei Kandahar entdeckt. Dabei habe es sich offenbar um ein im Bau befindliches Biowaffenlabor gehandelt, erklärte Franks in einem am Samstag aufgezeichneten Interview mit dem Fernsehsender NBC. Die Anlage sei eine von 50 bis 60 weiteren gewesen, die von US-Truppen untersucht worden sei. „Wir haben keinen Hinweis darauf gefunden, dass jemals etwas auf die richtige Art gemischt wurde, damit Massenvernichtungswaffen entstanden“, sagte Franks.

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