Spektakulärer Marsmeteorit im Naturhistorischen Museum ausgestellt

NHM-Generaldirektor Christian Köberl (l.) und der Kurator der Meteoritensammlung, Franz Brandstädter, mit dem Mars-Meteoriten
NHM-Generaldirektor Christian Köberl (l.) und der Kurator der Meteoritensammlung, Franz Brandstädter, mit dem Mars-Meteoriten ©APA/ROLAND SCHLAGER
Das Wiener Naturhistorische Museum verzeichnet den bedeutendsten, teuersten und sicher auch einen der spektakulärsten Ankäufe seit Jahrzehnten: Ein im Vorjahr in Marokko entdeckter Marsmeteorit ist ab sofort im NHM zu bewundern.
Der Marsmeteorit im NHM

Ein solches Exponat sieht man nicht alle Tage – der Marsmeteorit ist im Naturhistorischen Museum sozusagen “eingeschlagen”. Am 18. Juli 2011 landete dieser im Süden Marokkos. Nomaden fanden wenige Monate später die Überreste, die sich als extrem seltene Marsmeteoriten entpuppten. Dem Naturhistorische Museum (NHM) Wien, das über eine der bedeutendsten Meteoritensammlung der Welt verfügt, ist es nun gelungen, den Marsmeteoriten zu erwerben.

Bedeutender Ankauf für das NHM

Laut NHM-Direktor Christian Köberl handelt es sich um einen der bedeutendsten und teuersten Ankäufe seines Hauses in den vergangenen Jahrzehnten. Vorgestellt wurde der wissenschaftliche Schatz am Montag, für das Publikum ist der Marsmeteorit ab sofort bis 6. Oktober in Saal V und dann dauerhaft ab der für 13. November geplanten Neueröffnung des Meteoritensaals zu sehen.Mehrere zehntausend Meteoriten sind bisher dokumentiert.

Erst in den 1980er Jahren wurde aufgrund chemischer Analysen erkannt, dass nicht alle – wie bis dahin angenommen – von Asteroiden stammen, sondern einige auch vom Mars. Bisher gibt es weniger als hundert Marsmeteoriten. Sie wurden vor einigen Millionen Jahren bei großen Einschlägen auf dem Mars ins All geschleudert, ehe sie vom Schwerfeld der Erde eingefangen wurden und bis zum Boden gelangten. “Das ist eine Freihaus-Lieferung von Mars-Material”, sagte Köberl bei einer Pressekonferenz mit Kulturministerin Claudia Schmied (S).

Ein Marsmeteorit namens “Tissint”

Der nun erworbene Meteorit “Tissint” – benannt nach einem kleinen Ort in der Nähe der Fundstätte – ist erst der fünfte durch Augenzeugen belegte Fall eines Marsmeteoriten und der zweitgrößte, was die gesammelte Gesamtmasse anbelangt. Der knapp ein Kilo schwere, mehr als faustgroße schwarze Stein ist das größte bekannte Einzelstück dieses Falls und wurde dem Museum Ende vergangenen Jahres zum Kauf angeboten.

Der Kaufpreis von 400.000 Euro – Meteoriten werden laut Köberl international gehandelt, zu einem Preis von bis zu 1.000 Euro pro Gramm – wäre aus dem normalen Ankaufsbudget nicht aufzubringen gewesen, sagte Köberl, der sich fühlt, “als wäre im Kunsthistorischen Museum ein neuer Rembrandt angekommen”. Möglich sei dies durch die im Vorjahr dem Museum zugesprochene Erbschaft nach Oskar Ermann (1924-2011) geworden. Der ehemalige Direktor einer Chemiefabrik war leidenschaftlicher Hobby-Vulkanologe und lange als freier Mitarbeiter im NHM tätig. Mit seinem Erbe wollte er die Forschung am NHM und geowissenschaftliche Projekte unterstützen.

Teure Projekte des Naturhistorischen Museums

Schmied betonte, dass solche privaten Initiativen wichtig für solche Sonderprojekte seien, bekannte sich aber zur Finanzierung von Kunst und Kultur durch die öffentliche Hand. Bei einem großen Wunschprojekt, welches das NHM gemeinsam mit seinem Nachbarn, dem Kunsthistorischen Museum (KHM) seit Jahren hegt, stößt diese allerdings an ihre Grenzen: die Unterkellerung des Maria-Theresien-Platzes zur Schaffung von Depot-Raum. “Das Projekt sprengt derzeit alle vorhandenen Budgets, es ist dennoch wichtig, daran zu arbeiten und die Planungen vorzubereiten, um für die nächsten Regierungsverhandlungen vorbereitet zu sein”, sagte Schmied.

An einigen kleineren Bruchstücken, die mit angekauft wurden, hätten bereits geochemische Untersuchungen begonnen. Sie sollen u.a. darüber Auskunft geben, welche Geschichte der Stein auf dem Mars hatte, etwa sein vulkanischer Ursprung. Enthaltene Radionuklide könnten auch Informationen über den Zeitpunkt des Meteoriteneinschlags am “Roten Planeten” und damit die Dauer der Reise des Brockens durchs All geben. In Sachen Marsmeteorit ist das Naturhistorische Museum jedenfalls sichtlich in seinem Element.

(apa/red)

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