Spanien: Weiter leises Selbstbewusstsein

"Schritt für Schritt", so lautete bisher das Motto in der spanischen Nationalmannschaft bei der Fußball-Europameisterschaft 2008. Hoffen auf ein medizinisches "Wunder" bei Villa

Weil sie dabei noch nicht ins Stolpern gekommen sind, könnten die Spanier am Sonntag zuletzt noch einen Riesensatz machen und gegen Deutschland im Wiener Ernst-Happel-Stadion nach 44 Jahren Pause den zweiten EM-Titel ihrer Geschichte einfahren. Aber laute Töne sind noch nicht zu hören, zumindest dringen sie nicht nach außen. “Wir freuen uns alle sehr”, fasste Verteidiger Joan Capdevila die Stimmung zusammen, “aber noch haben wir nichts erreicht.”

Der Wille (“Natürlich wollen wir den Titel gewinnen”) und das Selbstbewusstsein (“Diesmal können wir es schaffen!”) sind gewiss vorhanden, der Respekt vor den Deutschen aber auch. Gar nicht wegen irgendwelcher spielerischen Stärken, sondern weil Deutschland im Fußball einfach Deutschland ist. Trainer Luis Aragones brachte es auf den Punkt: “Es wird sehr ausgeglichen sein. Favorit ist Deutschland, weil sie einfach mehr Erfahrung haben.”

Dann griff “Luis” auf das berühmte Zitat von Gary Lineker zurück, wonach Fußball “ein einfaches Spiel” ist, “bei dem 22 Spieler gegeneinander spielen und zuletzt immer die Deutschen gewinnen”. Aber nach 21 Spielen in Serie ohne Niederlage hat der Teamchef vor allem eines: Viel Vertrauen in die eigene Mannschaft. “Diese Truppe ist sensationell. Sie sind reifer geworden und alle sind überzeugt, dass sie gewinnen können. Und sie werden alles daran setzen”, betonte “Luis”.

Das Konzept dazu scheint wie vor allen bisherigen EM-Partien ein höchst einfaches zu sein. “Wir müssen so weiterspielen”, sagte etwa Xabi Alonso am Tag nach dem 3:0-Sieg im Semifinale gegen Russland. Soll heißen: Den Ball lange in den eigenen Reihen halten und – wenn möglich – in schnellen Kombinationen nach vorne treiben.

Gegen Russland war im Prater dieses “Tiki-Taka”, das Lieblingsspiel von Aragones, erstmals beinahe in Vollendung zu sehen. Gegen Deutschland werden die Ballstafetten aber wohl nicht so einfach zu manövrieren sein, vermutete “Xabi”. “Die Deutschen haben einen starken Block.” Und Namen wie Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger und Michael Ballack sind den Spaniern natürlich mehr als geläufig: “Sie sind nach vorne immer gefährlich.”

Mit David Villa wird einer der großen Stars der EURO 2008 wohl ausgerechnet im Finale passen müssen. Aber es spricht eben für die Ausgeglichenheit der “seleccion”, dass Aragones als “Ersatz” auf Cesc Fabregas zurückgreifen kann, der immerhin ein Star bei Arsenal London ist. Der 21-Jährige war auch am Donnerstag für den am Oberschenkel verletzten Villa ins Spiel gekommen und hatte bei zwei Toren (2:0 durch Güiza und 3:0 durch Villa) die Vorarbeit geleistet. “Durch die Hereinnahme von Fabregas sind die Spanier sogar noch besser geworden”, meinte Russlands Coach Guus Hiddink, dass die Iberer sogar den Ausfall des “Wunderstürmers” locker wegstecken können.

Sollte Aragones erwartungsgemäß auf Fabregas setzen, kommt gegen Deutschland wohl ein 4-1-4-1-System vor Tormann Iker Casillas (bisher 4-1-3-2) zum Tragen. “Cesc” würde allerdings nicht als zweite Spitze neben Liverpool-Angreifer Fernando Torres eingesetzt werden, sondern auf der linken Mittelfeldseite. Eine offensivere Variante mit Daniel Güiza als zweitem Stürmer ist auch möglich, aber eher unwahrscheinlich.

Villa war “ein bisschen traurig”, blieb aber dennoch Realist: “Es ist besser, wenn ein Spieler auf dem Platz steht, der topfit ist. Ich kann ja nicht einmal richtig gehen.” Am Freitag wurde der Valencia-Stürmer im Wiener AKH untersucht. Die Zuschauerrolle scheint aber fix zu sein. Villa: “Jetzt will ich den Sonntag einfach nur genießen”.

In Spanien wurde das zu Beginn eher wenig optimistisch gewählte EURO-Motto “Pase lo que pase, Espana siempre!” (“Was immer auch passiert, immer Spanien!”) in “Pase lo que pase, fiesta!” umgetauft. Ob sie nun den Pokal nach Hause bringen oder nicht, Aragones und die Seinen sollen mit großem Pomp empfangen werden.

Es wird erwartet, dass sie am Montagnachmittag von Innsbruck aus die Rückreise nach Madrid antreten werden, wo sie gegen 19.30 Uhr erwartet werden. Vom Flughafen Barajas soll es dann in einem Triumphzug in die Stadt gehen. Höhepunkt ist ein Korso im offenen Doppeldeckerbus durch Madrids Prachtboulevard “Castellana”. Pase lo que pase…

  • VIENNA.AT
  • Fussball-EM
  • Spanien: Weiter leises Selbstbewusstsein
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen