Sozialversicherung: Budgetdienst skeptisch gegenüber angeblichen Einsparungen

Bei den Änderungen handle es sich laut Rossmann um eine "Zahlentrickserei".
Bei den Änderungen handle es sich laut Rossmann um eine "Zahlentrickserei". ©APA/Hans Punz
Die angeblichen Auswirkungen der Sozialversicherungsreform sorgen weiterhin für Skepsis und Zweifel bei dem Budgetdienst.

Die Angaben der Regierung über die Auswirkungen der Sozialversicherungsreform stoßen weiter auf Skepsis. So vermisst der Budgetdienst des Parlaments eine Begründung, warum aus 351 Mio. Euro Einsparungen im Erstentwurf eine Milliarde in der Regierungsvorlage wurde. Die angebliche “Patientenmilliarde” sei nur “Zahlentrickserei”, schließt Liste Pilz-Klubobmann Bruno Rossmann daraus.

Wesentliche Veränderungen ohne Begründung

Er hat beim Budgetdienst eine Kurzstudie über die Darstellung der finanziellen Auswirkungen der Krankenkassen-Zusammenlegung in Auftrag gegeben, konkret mit Blick auf die großen Unterschiede zwischen Ministerialentwurf und Regierungsvorlage.Zwar sei die Darstellung mehrfach ergänzt und Mehr- bzw. Minderaufwendungen teils inhaltlich umfassender begründet worden, räumte der Budgetdienst ein. Aber: Die größte Position – nämlich die Verwaltungs-Effizienzsteigerung der Sozialversicherungsträger – sei unbegründet wesentlich verändert worden.

Statt 351 Mio. Euro Einsparungen bis 2026 würden nun 1.050 Mio. Euro ausgewiesen – weil sie nun wesentlich früher (ab 2020 und nicht erst ab 2023) und höher (mit einem linearen Anstieg auf 30 statt zehn Prozent) angesetzt werden. “Die Berechnungen zur Effizienzsteigerung sind weiterhin grobe Schätzungen”, stellt der Budgetdienst fest, auch wenn jetzt die Grundlagen besser dargestellt würden. Aber: “Ein konkretes Mengen- bzw. Preisgerüst für die Berechnungen fehlt weiterhin.”

Und der Budgetdienst verweist darauf, dass es laut jüngsten Gesamtstudien ein vergleichsweise geringes Einsparungspotenzial gibt, weil die Sozialversicherung bereits niedrige bis höchstens durchschnittliche Verwaltungskosten habe. Außerdem werde der Fusionsaufwand für die Zusammenlegung der Krankenkassen zwar angeführt, aber als gering angesehen und nicht quantifiziert. Dabei sei in den Begutachtungs-Stellungnahmen gewarnt worden, dass hier ein Kostenrisiko bestehe, das man genau beobachten müsse.

Anfrage an Hartinger-Klein

Rossmann sieht sich in seiner Kritik am Kassenreform-Entwurf bestärkt: “Die Berechnungen beruhen auf einer fiktiven und offenbar beliebig änderbaren Annahme”, sprach er gegenüber der APA von “Hokuspokus”. Ihm fällt es schwer zu glauben, dass diese Reform wirklich wie dargestellt umgesetzt werden kann. Der Liste Pilz-Klubobmann erwartet deshalb “mit Spannung” die Anfragebeantwortung von Sozialministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ) zu diesem Thema.

(APA/Red)

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