Sofiensäle-Prozess: Drei Monate bedingt

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Mit einem Schuld- und einem Freispruch endete am Dienstag der Prozess um den Brand der Wiener Sofiensäle vom 16. August 2001 im Bezirksgericht Innere Stadt - Feuer ist laut Gutachten schon Tage vor dem Großbrand ausgebrochen.

Ein 42-jähriger Dachdeckermeister wurde wegen fahrlässiger Herbeiführung einer Feuersbrunst zu drei Monaten bedingter Haft verurteilt, einen 51-jährigen Arbeiter sprach Einzelrichterin Sabine Kandera im Zweifel frei.

Die Urteile sind nicht rechtskräftig, Verteidiger Manfred Ainedter legte Berufung gegen den Schuldspruch ein. Das Feuer, das zu einer weitgehenden Zerstörung der Sofiensäle geführt hatte, war im Zuge von Flämmarbeiten ausgebrochen.

Die Richterin war der Ansicht, dass dem Dachdeckermeister leichte Fahrlässigkeit vorgeworfen werden könne. Er habe objektiv sorgfaltswidrig gehandelt und hätte das Dach vor Beginn der Flämmarbeiten genauer untersuchen müssen.


Neues Gutachten eingebracht

„Die Flämmarbeiten waren mit Sicherheit die Ursache, aber der Brand der Sofiensäle ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schon am 14. August 2001 oder noch früher entstanden.“ Das sagte der Gutachter Eugen Michael Pausa am Dienstag. Das Feuer war am 16. August 2001 ausgebrochen und hatte einen Großteil des Veranstaltungshauses zerstört.

Pausas Theorie: Im Zuge der Arbeiten am 14. August oder noch früher könnten heiße Mikroteilchen unter einen Spalt im Dach geflogen und in einem Holzbalken darunter zu glosen begonnen haben. Wegen mangelnder Luftzufuhr könne sich so ein Glimmbrand mehrere Tage lang halten, ohne zu einem Großfeuer zu werden. Erst als der angeklagte Arbeiter am 16. August den Saum anhob, kam Luft zu dem Glutnest und es kam zum Großbrand.

Zudem sei es möglich, dass auf Grund der Windrichtung und weiterer Flämmarbeiten der Glimmbrand zwei Tage oder länger nicht wahrzunehmen war, so Pausa. Das Hauptargument für seine Theorie: Einer der Balken unter dem Dach fehlte, war komplett thermisch umgesetzt. Dafür wäre bei einer Brandentstehung am 16. August die Zeit zu knapp gewesen, es hätten sich in diesem Falle Überreste des Balken finden müssen. Brandstiftung schloss Pausa hundertprozentig aus.

Redaktion: Birgit Stadtthaler

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