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Soap&Skin in Wien: Hoffnung für Austropop

Die österreichische Popmusikerin Anja Plaschg ist bei ihrer CD-Präsentation und dem Tourauftakt in Wien den Erwartungshaltungen mehr als gerecht geworden.

Weihrauchduft erwartete jene, die am Freitagabend dabei gewesen sein wollten, als Österreichs neue Pophoffnung ihr Debütalbum live präsentierte: Die 18-jährige Steirerin Anja Plaschg hat unter dem Namen Soap&Skin mit “Lovetune for Vacuum” das deutschsprachige Feuilleton aufgerührt, wie es derzeit sonst nur dünne Briten in engen Hosen schaffen. So herrschte eine gewisse angespannte Euphorie beim Tourauftakt im brechend vollen “brut” im Künstlerhaus. Und Plaschg hat die Erwartungshaltungen mit erstaunlicher emotionaler Intensität, kompromisslos spröde und wortlos, mit unter die Haut gehendem Gesang mehr als erfüllt.

Nein, sie scheint sich nicht wohlzufühlen auf der nur durch wenige weiße Scheinwerfer erhellten Bühne, wo ihr kaum ein Wort entkommt, wenn sie es nicht hinter ihrem Singen verstecken kann. Eine beunruhigende Fragilität durchzieht den Auftritt, der andauernde Eindruck, dass das Konzert jederzeit an der Kippe steht. Etwa, wenn ein offenbar vom Hype infizierter Fotosouvenir-Jäger unaufhörlich aus nächster Nähe Plaschg rüde ins Gesicht blitzt. Oder wenn der Musikerin beim ersten Aufeinandertreffen ihres Klavierspiels mit den aus dem Laptop abgerufenen Elektronik-Klängen bei “Sleep” das Tempo entkommt und sie immer wieder um Synchronizität zwischen Piano und programmierten Sounds ringen muss.

Doch diese angespannte Situation sorgte für einen seltenen Konzertzustand: Hunderte hippe Menschen hielten für eine lange Zeit endlich intensiv den Mund. Kein Handy winselte, keiner schob blöde Kommentare. Und so gab es genügend Raum für die sich um die dunkle Seite des Mondes drehende Kunstwelt der Musikerin, die in den letzten Wochen zwar von so mancher wichtiger Titelseite traurig herabblickte und zahlreiche Interviews gab, aber dabei mit ihrer Unzugänglichkeit ganz offenbar eine ganze Reihe an hochkarätigen Fragestellern zur Verzweiflung gebracht hat.

Weltabgewandte Songkaskaden über Tod und Verderben, Kindheitstraumata und sonstigen Schwermut der jungen Lebensjahre hat sie auf ihrem Debütalbum geliefert, und live bedeutet dies in noch verstärktem Maße: Hinein in dieses eiskalte Wasser. “Wonnig aus Weh web’ ich mein Lied”, heißt es bei Wagner – und kaum treffender könnte Plaschgs grenzgängerische Musik beschrieben werden: Die Antidosis zum Austropop der neuen Schule. Meilenweit tiefer sind ihre Texte als jene Popproduzenten-Prosa, die durchs Formatradio geistert. Und ungleich depressiver.

Gute Laune sieht anders aus, Plaschg versteckt sich mit zersaustem Haar hinter ihrem Klavier und Laptop, flüstert, schreit, klagt sich durch ihre Songs. Plaschg kämpft (nicht mit der Stimme, sondern emotional) um manche Töne und trifft sie dann doch auf ihre Art alle, wo die Tonhöhen verschliffen werden und den hellen Klavierklang unter- oder überlaufen, wird es nur umso intensiver. Kurze Pausen gibt es nach jedem Song, bevor sich das Publikum zu klatschen traut.

Lange hat sich die Spannung auf Plaschgs Debütalbum aufgebaut, ihre seltenen Auftritte bisher sind von Legenden umrankt. Nun also gibt es das fantastische Album und eine erste Tour bis nach Deutschland, Belgien und Frankreich (das in Österreich bereits erhältliche Album erscheint im restlichen Europa auf einem belgischen Label am 14. April). Ob man gestern bei der Etablierung einer neuen Referenzgröße der österreichischen Popmusik dabeigewesen ist, fragen sich wohl viele im Publikum. Sicher ist: Hypes bewahrheiten sich selten. Sicher ist aber auch: Die Musik von Soap&Skin hätte sich jeden Ruhm verdient.

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