Slowenien bekommt den Euro

Die Skepsis in der Eurozone vor fünf Jahren war groß, als der Euro eingeführt wurde. Ganz anders in Slowenien, wo die bisherige Währung Tolar am 1. Jänner gegen den Euro eingetauscht wird.

Slowenien wird damit zum 13. EU-Staat, in dem die europäische Einheitswährung gilt. In dem ex-jugoslawischen Land spielen Nostalgie und Angst vor Preiserhöhungen kaum eine Rolle. „Wir sind ziemlich gut organisiert“, bilanziert der Chef der slowenischen Zentralbank, Mitja Gaspari. „Weil wir unsere Währung bereits vor 15 Jahren schon einmal wechselten, haben wir eine gewisse Erfahrung gesammelt.“ Doch auch in Slowenien beobachten Verbraucherschützer genau, ob die neue Währung die Waren teurer macht.

1991 warf Slowenien bei der Gründung der Republik die alte jugoslawische Währung, den Dinar, über Bord – und führte den Tolar ein. Ab Jänner verschwindet auch diese Währung, ein Euro wird gegen 239,64 Tolar eingetauscht. Zwei Wochen dürfen die Slowenien noch parallel mit Tolar bezahlen, ab Mitte Jänner wird dann nur noch der Euro angenommen.

Die Slowenen sind stolz auf ihr neues Geld – und die symbolträchtigste Prägung trägt die Zwei-Euro-Münze. Der darauf geschriebene Satz „Mögen alle Nationen leben“ des slowenischen Schriftstellers France Preseren sei eine Friedensbotschaft, sagte kürzlich Finanzminister Andrej Bajuk bei der Vorstellung in Brüssel. Zudem sei er ein Symbol für Slowenien, „ein kleines Land, das erst seit kurzem unabhängig ist und froh, in die EU eingegliedert zu werden“.

Das Rechnen wird mit dem neuen ungeraden Kurs wohl ziemlich kompliziert, doch in dem Zwei-Millionen-Einwohner-Land, das vor zwei Jahren der EU beitrat, sind die Menschen das gewöhnt. Im früheren Jugoslawien wurden große Anschaffungen wie Autos in D-Mark kalkuliert. Und viele Slowenen verbringen ihren Urlaub in Italien oder Österreich, die ebenfalls Eurozonen-Länder sind.

Um die Menschen an die neue Währung zu gewöhnen, klebt in den Läden der neue Euro-Preis schon seit März an den Waren – und das bleibt bis Mitte des nächsten Jahres auch noch so. Die Verbraucherschützer beobachten in den nächsten Monaten jedoch mit Argusaugen, ob die Ladenbesitzer die allgemeine „Währungs-Verwirrung“ nutzen, schnell einmal ein paar Cent oder Euro draufzuschlagen.

Breda Kutin, Chefin einer Verbraucherschutz-Organisation, sieht sich die Preise deshalb schon seit einigen Monaten sehr genau an. Um eine „Art informellen Druck“ auf die Verkäufer auszuüben, nimmt die Vereinigung 104 Produkte – 68 Waren und 36 Dienstleistungen regelmäßig unter die Lupe. Bei einer Hotline können die Verbraucher anrufen und mögliche Preiswucher angeben. Die Organisation geht den Beschwerden nach und die Firmen werden in den Medien veröffentlicht, sollten die Produkte tatsächlich verteuert worden sein.

Einige Supermärkte steigerten ihre Preise für tiefgefrorene Kartoffeln bereits um 50 Prozent, wie die Verbraucherschützer herausfanden. Und auch Sportschuhe sind mancherorts um ein Drittel teurer geworden, „um den Preis anzupassen, so wie er in den anderen EU-Staaten gängig ist.“

Zentralbank-Chef Gaspari glaubt, dass nur wenige Preise im Warenhandel und bei der Abrechnung von Dienstleistungen steigen werden – jedoch ausgerechnet bei Bier, Kaffee und beim Haareschneiden, wo es jeder leicht merkt. Er ist zuversichtlich, dass die Inflation durch die Euro-Einführung nicht in die Höhe schießt. „Wir werden nicht die Fehler machen, wie die übrigen Länder, die der Eurozone beigetreten sind und deren Inflation gestiegen und deren Lebensstandard gesunken ist“, sagt Gaspari. Nach der Einführung des Euro vor fünf Jahren klagten die Bürger in einigen EU-Ländern über eine „gefühlte Inflation“, die deutlich höher lag als die amtliche Inflationsrate. Die Inflationsrate in Slowenien lag im November bei 2,5 Prozent.

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