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/slash Filmfestival: Nicolas Cage zu Gast in Wien

Am Donnerstagabend war Nicolas Cage beim /slash Filmfestival zu Gast in Wien.
Am Donnerstagabend war Nicolas Cage beim /slash Filmfestival zu Gast in Wien. ©APA/AFP/MOHAMED EL-SHAHED
Am Donnerstag fand die Österreichpremiere von Panis Cosmatos "Mandy" im Wiener Gartenbaukino statt. Mit dabei waren Oscar -Preisträger Nicolas Cage und Udo Kier. 
Nicolas Cage kommt nach Wien

Mit der Österreichpremiere von Panos Cosmatos’ “Mandy” ist am Donnerstag im ausverkauften und liebevoll dekorierten Wiener Gartenbaukino das neunte /slash Filmfestival eröffnet worden. Bei dem Auftakt war neben Oscar-Preisträger Nicolas Cage auch Udo Kier zugegen, dem das Festival des fantastischen Films dieses Jahr eine Retrospektive widmet.

Stargäste gebührend empfangen

Festivalleiter Markus Keuschnigg, der mit viel Applaus vom Publikum begrüßt wurde, gab sich mit dem Auftakt zufrieden: “Zwickts mi – i glab, i tram”, sagte er besonders in Bezug auf seine beiden Stargäste. Auch Udo Kier wurde von den Zuschauern gebührend empfangen. “In Wien hat alles angefangen, vor 50 Jahren drehte ich hier ‘Schamlos'”, erinnerte sich der Schauspieler. “Österreich ist für mich ganz wichtig”, sagte der in den USA lebende Deutsche, der mit vielen charmant und humorvoll vorgetragenen Anekdoten das Herz des Publikums gewann.

Nicolas Cage liebt Wien

Der Höhepunkt des Abends war jedoch der Auftritt von Nicolas Cage. “Wir dachten, dass das nie und nimmer passiert”, so Keuschnigg. Auch Cage betonte sein positives Verhältnis zu Wien: “Ich liebe diese Stadt, es ist der einzige Ort, wo man Karten für klassische Konzerte auf der Straße kaufen kann”, sagte er.

Cage berichtete von seinem Zugang zu “Mandy”, in dem er die Hauptrolle spielt, und erzählte ebenfalls einige Anekdoten. Das Festival habe er besucht, weil fantastischer Film und Horrorfilm für ihn einen besonderen Stellenwert habe: “Ich wollte so viele Horrorfilme wie möglich machen, da man dort die Grenzen der Schauspielerei sprengen kann”, erklärte er.

Mandy: mehr als eine Rachestory

Der Eröffnungsfilm “Mandy” ist des zweite Werk von Regisseur Panos Cosmatos, der auch das Drehbuch für den Film schrieb. Die Handlung ist schnell erzählt: Mandy (Andrea Riseborough), die Partnerin des Holzfällers Red (Nicolas Cage), wird von einer Sekte um Kultführer Jeremiah (Linus Roache) mit Hilfe einer durch Drogen entmenschlichten Bikergang entführt und später vor Reds Augen brutal ermordet. Red begibt sich daraufhin mit selbstgeschmiedeter Axt auf einen blutigen Rachefeldzug – Kettensägenfechten inklusive.

Was wie eine klassische Rachestory aussieht, ist jedoch viel mehr als das: Der Film überzeugt vor allem durch die eindrucksvollen, hypnotisierenden Bilder in intensiven Farben, die gemeinsam mit der von Synthesizer und Doom Metal geprägten schweren und dröhnenden Musik von Johann Johannsson die Zuschauer in eine Trance zwingen und das Publikum mit offenen Kinnladen in die Sessel drücken. Dafür ist Kino da! Die Regie ist phänomenal und macht aus dem narrativen Dauerbrenner einen zweistündigen psychedelisch-blutrünstigen Horrortrip der Extraklasse, der die Abgründe menschlichen Daseins erforscht und schwer an die Substanz geht.

Zwischen Wahnsinn und Bösartigkeit: Alles dabei bei “Mandy”

Der Film hat viele Deutungsebenen und visuelle Querverweise, die besonders die Schrecken männlicher egozentrischer Willkür thematisieren. So sieht sich Sektenführer Jeremiah in Anlehnung an Charles Manson als göttlich erleuchtetes Wesen, der auf alles und jeden ein Recht hat. Die von ihm entführte Mandy soll für die geplante Vergewaltigung auch noch dankbar sein – bricht aber den Bann, indem sie ihn durch ihr verhöhnendes Gelächter auf den Boden der Tatsachen zurückholt.

Besonders Nicolas Cage liefert in diesem Genre-Kleinod eine unvergessliche Darstellung: Die Wandlung des wortkargen Red zeichnet Cage mit wunderbar expressionistischer Intensität, die “Mandy” zu einem seiner besten Filme überhaupt macht. Auch Linus Roache überzeugt als zwischen Wahnsinn, Megalomanie und Bösartigkeit pendelnder Sektenführer.

“Mandy”, dessen Atmosphäre durch den heißen und stickigen Kinosaal noch verstärkt wurde, stellt so einen gelungenen Festivalauftakt dar, der von den anderen am Festival gezeigten Filmen wohl nur schwer überboten werden kann – aber man darf gespannt bleiben!

Interview mit Nicolas Cage

Martin Auerheimer von der Austria Presse Agentur (APA) hatte Gelegenheit, mit Nicolas Cage im Zuge der Premiere des Rachethrillers “Mandy” über Vorteile des Horrorgenres und seinen eigenen inneren Hexenkessel zu sprechen.

Was hat sie dazu bewogen, an “Mandy” mitzuarbeiten?

Nicolas Cage: Elija Wood, mit dem ich “The Trust” gedreht habe, hat die Produktionsfirma Spectrevision gegründet und mich gefragt, ob ich “Beyond the Black Rainbow” von Panos Cosmatos gesehen habe. Er erzählte mir von dem großartigen Drehbuch für “Mandy”, das Cosmatos verfasst hat und meinte, dass wir Panos treffen sollten, weil dieser mich als den Bösewicht Jeremiah Sand in seinem Film wollte. “Beyond the Black Rainbow” hat einen ziemlichen Stepptanz auf meiner Psyche hingelegt – ich habe eine Woche nicht schlafen können. Der Film ist mir richtig unter die Haut gegangen. Ich habe Panos getroffen und fand ihn sofort faszinierend. Ich sehe in ihm einen wirklichen Künstler, er hat es mir echt angetan.

Ich wollte den Protagonisten Red spielen, also wurde es zunächst nichts. Erst später habe ich erfahren, dass Panos einen Traum hatte, in dem ich Red tatsächlich spielte. Er rief mich an und wollte es versuchen. Ich habe sofort zugesagt, weil ich glaube, dass Panos Welten erschaffen kann, die völlig seiner Vorstellungskraft entspringen. Er ist sehr originell und ich wollte mit ihm arbeiten. Das hat uns zusammengeführt.

Wurden die Erwartungen an die Zusammenarbeit mit Panos Cosmatos erfüllt?

Cage: Ja, schon bevor ich die Arbeit begonnen hat. Während der Dreharbeiten habe ich nicht an das Ergebnis gedacht, da ich zu sehr in meine Rolle vertieft war, ich habe mich zu sehr auf die unmittelbare Arbeit konzentriert. Ich habe mich wie unter Wasser gefühlt. Ich wusste, dass ich mich in einer Welt bewege, die etwas völlig Neues für mich war. Panos arbeitet sehr präzise und weiß genau, was er will. Das ist ein Luxus, mit so einem Regisseur zusammenzuarbeiten. Er hat auch einen großartigen Humor und wir haben viel Spaß gehabt – auch wenn das bei einem so düsteren Film schwer vorstellbar ist. Das war auch eine Befreiung zwischen den Szenen. Der Prozess bestand für mich vor allem darin, mich mental und emotional auf bestimmte Szenen vorzubereiten, wo ich einen Nervenzusammenbruch spielen musste. Da musste ich mich regelrecht aufladen. Beispielsweise wusste ich für die Badezimmerszene, dass ich mich selber in diesen Schmerz hineinsteigern musste. Man hat auch nur wenige Drehversuche, bevor man diese Energie wieder verliert. Zum Glück weiß Panos was er will und wenn er es hat, er verzögert nichts. Ich finde das sehr beruhigend, dass ich mich emotional zu einem Punkt bewegen kann, aber dort nicht dauernd verweilen muss.

Während der Dreharbeiten hatte Panos offenbar kaum Druck seitens der Produzenten. Stimmt das?

Cage: Ja das stimmt. Die Produzenten haben viel Rücksicht auf den Regisseur genommen. Wenn man einen Film mit kleineren Budgetdimensionen macht, hat man einige Freiheiten. So bleibt der Regisseur der einzige Koch in der Küche und kann seine Vision umsetzen. Wenn man 200-Millionen-Dollar-Filme macht, hat man immer viele Produzenten vor Ort, die sich mit dem Filmemachen nicht besonders gut auskennen und mit ihrem Einfluss die Luft aus der Sache lassen.

Die von Ihnen verkörperte Hauptfigur Red spricht nicht viel, macht aber dennoch eine große Entwicklung durch. Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Cage: Normalerweise gibt man mir immer massenweise Dialog in einem Film. Ich soll immer viel reden. Ich habe es als Luxus empfunden, nicht so sehr vom Dialog besessen zu sein, sondern stattdessen mein persönliches Innerstes zu erforschen, um auf die notwendigen Emotionen zurückgreifen zu können. Aus den Tiefen des inneren Hexenkessels konnte ich etwas an die Oberfläche bringen, das Red zum Leben erweckt. Das war für mich ein großes Abenteuer.

Markus Keuschnigg, der Leiter des /slash Filmfests, hat “Mandy” als “Apotheose Ihrer Schauspielkunst” bezeichnet. Was halten Sie davon? Ist “Mandy” Ihre bisher beste Arbeit?

Cage: Mit Panos’ Hilfe ist es definitiv eine sehr fokussierte Arbeit geworden. Es war aber eine sehr innerliche Darstellung, bei der ich nicht jede Geste kontrolliert habe, sondern mich vielmehr von ihnen zu den authentischen Emotionen leiten ließ, die ich für die Darstellung brauchte. Ich glaube, dass die unterschiedlichen Figuren, die ich bisher gespielt habe, andere Ausdrucksmittel benötigten. “Mandy” unterscheidet sich definitiv von allem, was ich bisher gemacht habe. Daher ist es diesbezüglich auch etwas Besonderes.

Sie besuchen das /slash Filmfestival zur Österreichpremiere von “Mandy” . Was ist Ihr persönlicher Zugang zum fantastischen Film?

Cage: Fantastischer Film war mir immer wichtig, denn er gibt mir die Freiheit, abstraktere Träume zu erkunden. Als Schauspieler hast du im Horror- und Science-Fiction-Genre unendliche Möglichkeiten, weil Du in einer anderen Welt, einer anderen Dimension bist, wo nicht die Regeln der realen Welt gelten. Beim Horrorfilm kannst Du jemanden spielen, dessen Kopf explodiert, weil er seine Seele dem Teufel verkauft hat. Das ist eine andere Dimension mit anderen Regeln, sodass ich stilisierter und abstrakter spielen kann, ohne durch die Grenzen der realen Welt beschränkt zu werden. Ich konnte so auch den deutschen expressionistischen Stil von beispielsweise Max Schreck in “Nosferatu” erforschen. Horrorfilm ermöglicht es mir, mehr zu erkunden – das hat mich an dem Genre immer angezogen.

(APA/Red)

 

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