Skandal um Monika Lindner: ORF- Auftragsvergaben werden nun geprüft

Monika Lindner muss sich derzeit einige Vorwürfe gefallen lassen
Monika Lindner muss sich derzeit einige Vorwürfe gefallen lassen ©APA
Die Nationalratsabgeordnete Monika Lindner steht derzeit wegen angeblicher Freunderlwirtschaft rund um ihre Tätigkeit bei der St. Anna Kinderkrebsforschung im Kreuzfeuer der Kritik. Nun rücken auch wieder alte Vorwürfe aus Lindners Zeit als ORF-Generaldirektorin ins Blickfeld.
Vorwürfe gegen Lindner

 Denn auch in ihrer Zeit beim ORF hat Lindner als Chefin zwischen Jänner 2002 und Dezember 2006 ihrem Lebensgefährten Günter Lebisch und dessen Werbeagentur mehrere lukrative Aufträge vermittelt. Der ORF lässt nun alle Auftragsvergaben unter der früheren ORF-Generaldirektorin überprüfen, um Licht in die Causa zu bringen.

Zwei Millionen Euro: Lebensgefährte begünstigt?

“Im ORF ist heute die Revision mit der Überprüfung der Auftragsvergaben an Kreativ-Dienstleister während der Amtszeit von GD Monika Lindner beauftragt worden”, hieß es am Mittwoch in einer Stellungnahme des ORF.

Hintergrund der Überprüfung sind ORF-Aufträge, die unter Lindner mehr oder wenig freihändig an den Werber und Lindner-Lebensgefährten Günter Lebisch vergeben wurden. Es geht dabei um ein Volumen von über zwei Millionen Euro.

ORF kontrolliert Aufträge unter Monika Lindner

Konkret sollen laut ORF alle Auftragsvergaben aus den Funktionsperioden der Landes- und der Generaldirektorin Monika Lindner in den Jahren 1998 bis 2006 darauf überprüft werden, ob alle internen wie externen Vorschriften und Gesetze eingehalten wurden. Lindner war als Landes- beziehungsweise als Generaldirektorin ressortmäßig für das Marketing zuständig.

Kampagnen von Günter Lebisch

Der Werber Lebisch lieferte unter anderem kreativen Input für die Imagekampagnen des öffentlich-rechtlichen Senders, etwa die “Alles bleibt besser”- oder auch die “Danke”-Kampagne. Ausschreibungen oder einen Wettbewerb unter verschiedenen Werbeagenturen, einen sogenannten Pitch, gab es damals ebenso wenig wie konkrete Verträge. Der Großteil der Auftragsvergabe erfolgte mehr oder weniger freihändig über die damals in der Generaldirektion angesiedelte und der Alleingeschäftsführerin Lindner unterstellten ORF-Grafik.

Im Vorfeld der ORF-Generaldirektorenwahl 2006, bei der Lindner vom aktuellen ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz abgelöst wurde, waren interne Dokumente im Umlauf, aus denen hervorgehen sollte, wie hoch das Auftragsvolumen an Lebisch war.

Im Sender ein offenes Geheimnis

“Es war im ORF ein offenes Geheimnis, dass Lindner Lebisch Aufträge zugeschanzt hat, allerdings gab es keine Hinweise darauf, dass es dabei zu überhöhten oder nicht gerechtfertigten Zahlungen kam”, heißt es dazu heute aus ORF-Kreisen.

In der Werbeagenturbranche witterten damals jedenfalls manche eine ungerechte Bevorzugung Lebischs. Offizielle Auskünfte zur Kooperation verweigerte der öffentlich-rechtliche Sender unter Lindner. Es handle sich um “interne Geschäftsvorgänge”, hieß es. Und nach der Abwahl Lindners war die ganze Causa schließlich kein Thema mehr.

Stellungnahme des Werbers

Lebisch selbst erklärte 2004 in einem Interview mit dem “Standard”, dass die ORF-Aufträge kein Volumen erreicht hätten, “von dem man sagen könnte, davon lebe ich in Saus und Braus und kauf’ mir nächstes Jahr einen Maserati”. Zugleich bekannte der Werber offen, dass er die Umsätze seiner Werbeagentur mit dem ORF in erster Linie Lindner verdanke. “Das rührt her von meiner langjährigen Bekanntschaft, Freundschaft mit Frau Dr. Lindner. Ich kenne sie sei 15 Jahren vom St. Anna Kinderspital”, so Lebisch im Jahr 2004.

Causa wird wieder aufgegriffen

Auch wenn die Causa lange zurückliegt, könnte sie nun doch wieder Thema in den ORF-Gremien werden. “Die Vergabe eines Werbeauftrags ohne Pitch ist schon ungewöhnlich, und die Optik ist schief, wenn das an einen guten Freund und Partner vergeben wird”, so ein Stiftungsrat, der dem obersten ORF-Gremium zu Lindner-Zeiten noch nicht angehört hatte. “Es stellt sich die Frage der Marktüblichkeit des Auftrags, ob es sich um angemessene Konditionen gehandelt hat und ob die Nahebeziehung eine Rolle gespielt hat.”

Fragen, mit denen die aktuelle Geschäftsführung bei der nächsten Stiftungsratssitzung am 14. November rechnen muss. Die pflegt übrigens einen anderen Umgang mit großen Werbeaufträgen: Für die aktuelle “ORF. Wie Wir”-Kampagne gab es etwa einen Pitch mit formalem Wettbewerb unter verschiedenen Agenturen, anwaltlicher Begleitung und eigener Jury.

Rasche Klärung angestrebt

“Der ORF hat selbst großes Interesse an einer raschen Klärung. Es steht allerdings fest, dass die in der Kritik stehende Firma ab 2007, also dem Beginn der Funktionsperiode von Alexander Wrabetz, keine Aufträge mehr vom ORF erhalten hat. Seither sind alle größeren Werbeaufträge auf Basis von branchenüblichen Screenings, Pitches beziehungsweise Wettbewerben vergeben worden.”

FPÖ fordert externe Prüfung des ORF

Die FPÖ fordert im Zusammenhang mit der Causa Lindner eine “Untersuchung durch unabhängige externe Experten”. Dies erklärte FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl am Mittwoch via Aussendung. Kickl zeigte sich “entsetzt über die mangelnde Finanzkontrolle im staatlichen Rundfunk” und befürchtet eine “Vertuschungsaktion”. Die FPÖ wünscht darüber hinaus eine Überprüfung aller Konsulentenverträge und will weiters wissen, ob ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz, der unter Lindner Kaufmännischer Direktor war, in die Auftragsvergaben involviert war.

Nach APA-Informationen war dies freilich nicht der Fall. Die Aufträge an die Werbeagentur Lebischs liefen zum einen über die damals in der Generaldirektion angesiedelte und der Alleingeschäftsführerin Lindner unterstellten ORF-Grafik, zum anderen über das ORF-Marketing, das damals ebenfalls Lindner unterstellt war. Insgesamt geht es in der Causa um ein Honorarvolumen von über zwei Millionen Euro.

(apa/red)

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