Simmering wünscht Umbenennung der Strachegasse

Die Strachegasse in Wien-Simmering soll umbenannt werden - wünscht sich der Bezirk. Um klarzustellen, dass die Straße nichts mit dem derzeitigem FPÖ-Obmann zu tun hat, soll die Straße, die nach dem Gastechniker Hugo Strache (1865 bis 1927) benannt ist, künftig "Hugo-Strache-Gasse" heißen.
Ein entsprechender Antrag der Grünen in der Bezirksvertretung wurde von der SPÖ unterstützt, berichteten die Simmeringer Grünen. Die FPÖ staunt, und im Rathaus, wo man für Umbenennung zuständig ist, wird eher abgewunken.

“Um für jetzt und alle Zeit jede Identifizierung mit dem FPÖ-Politiker Strache zu vermeiden, ist es nötig, die entsprechende Vornamen-Ergänzung durchzuführen”, heißt es in dem Antrag. FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl sieht nun weitere Arbeit auf die roten und grünen Bezirksvertreter zukommen: “Vielleicht wollen die Herrschaften den Stadtplan jetzt noch nach den Namen aller unserer Kandidaten durchforsten.” Rot und Grün, so mutmaßte er, sitze jedenfalls die Angst vor Strache im Nacken.

Im Rathaus dürfte das Begehren aus Simmering nur geringe Chancen auf Umsetzung haben. Man wisse noch nichts von dem Antrag, betonte eine Sprecherin des zuständigen Stadtrats Andreas Mailath-Pokorny (S) auf APA-Anfrage. “Grundsätzlich machen wir aber keine Umbenennungen”, betonte sie. Denn solche würden einen großen administrativen Aufwand für die Bewohner bedeuten, da Dokumente, Meldezettel oder Firmenschilder geändert werden müssten.

Möglich wäre laut Rathaus eine Zusatztafel, die erklärt, nach welcher Personen die Verkehrsfläche benannt ist. Dass die Gasse in Simmering den Namen des FPÖ-Chefs trägt, wäre ohnehin nicht einmal theoretisch möglich. Denn eine Straßenbenennung ist in Wien eine posthume Angelegenheit, sie wird frühestens ein Jahr nach dem Ableben der betreffenden Person durchgeführt.

Die Strachegasse erhielt ihren Namen jedenfalls bereits 1940, wobei aus dem Datum kein Naheverhältnis zur NS-Regierung abgeleitet werden darf. Hugo Strache war 1927 im Alter von 62 Jahren verstorben. Er hatte sich für die Schaffung einer Versuchsanstalt für Brennstoffe, Feuerungsanlagen und Gasbeleuchtung eingesetzt sowie technische Geräte erfunden, etwa zur Heizwertbestimmung.

Ein ausführlicher Nachruf in der “Zeitschrift des österreichischen Vereines von Gas-und Wasserfachmännern” rühmte Strache damals als “Vorkämpfer für das blaue Wassergas”. Weltbekannt wurde Strache jedoch als Erfinder des Doppelgasverfahrens – ein Prozess zur “restlosen Vergasung von Kohle”. Strache, so heißt es in dem Artikel weiter, besaß einen unglaublichen Arbeitseifer und Energie, “verbunden mit einem zähen Wollen”.

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