Simbabwe: Oppositionsführer freigesprochen

Acht Monate nach Prozessabschluss ist der Oppositionsführer Morgan Tsvangirai vom Vorwurf des Hochverrats freigesprochen worden. Der Richter verkündete das Urteil im Hohen Gericht der Hauptstadt Harare.

Zuvor waren hunderte Demonstranten vor dem Gebäude vertrieben worden. Tsvangirais Bewegung für Demokratischen Wandel hatte das Verfahren von Anfang an als politisch motiviert verurteilt.

Bei einem Schuldspruch hätten dem Politiker die Todesstrafe durch Erhängen gedroht. Tsvangirai hatte die Präsidentschaftswahl 2002 in Simbabwe gegen Mugabe verloren. Die simbabwische Regierung unter Präsident Robert Mugabe sieht den Politiker als „Marionette“ der weißen Minderheit und der ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien.

Oppositionspolitiker wurden von dem Gerichtstermin am Freitag ebenso ausgeschlossen wie westliche Diplomaten und zahlreiche Journalisten. Tsvangirai wurde beschuldigt, die Ermordung von Präsident Mugabe geplant zu haben, was er stets bestritten hat. Als Beweisstück diente der Anklage die geheime Video-Aufzeichnung eines Treffens zwischen dem Oppositionspolitiker und dem kanadischen Geschäftsmann und politischen Berater Ari Ben Menashe. Dabei soll von der Eliminierung Mugabes die Rede gewesen sein.

Tsvangirai erklärte, damit habe er die Amtsenthebung des Präsidenten bei der Wahl im März 2002 gemeint. Der Oppositionsführer verlor diese Wahl knapp gegen den langjährigen Amtsinhaber. Der Verlauf der Abstimmung wurde international als nicht fair verurteilt.

Tsvangirais Verteidiger in dem Prozess war George Bizos, der südafrikanische Staranwalt der Anti-Apartheids-Bewegung, der vor 40 Jahren auch den späteren Präsidenten Nelson Mandela vertreten hat. Er legte Beweise vor, dass Ben Menashe als Agent der simbabwischen Regierung beauftragt war, die Opposition in Misskredit zu bringen. Gleichwohl hatten Beobachter damit gerechnet, dass Mugabe das Gericht zu einem Schuldspruch für Tsvangirai bewegen werde.

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