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Sieg für Mitte-Rechts-Populisten erwartet

Nach einem knappen Jahr geht in Bolivien die Amtszeit von Übergangspräsident Jorge Quiroga zu Ende. Bei den Präsidentenwahlen wird Quiroga nicht mehr antreten.

Bei den
Präsidenten- und Parlamentswahlen am 30. Juni wird Quiroga, der im
August 2001 den inzwischen verstorbenen Ex-Diktator Hugo Banzer
abgelöst hatte, nicht mehr antreten. Damit dürfte es auch mit der
Regentschaft der konservativen Regierungspartei ADN (Accion
Democratica Nacionalista) vorbei sein. Da Banzer gar nicht daran
interessiert war, einen charismatischen Thronfolger aufzubauen und
der Interimspräsident seinem Ruf als „Technokrat ohne Hausmacht“ alle
Ehre machte, scheint nun die Stunde des in der rechten Mitte
positionierten Populisten Manfred Reyes Villa zu schlagen.

Neben dem Präsidenten und seinem Stellvertreter werden auch 27
Senatoren und 130 Abgeordnete gewählt. Glaubt man den Auguren der
bolivianischen Medien kann der Kandidat der Nueva Fuerza Republicana
(NFR) mit bis zu 37 Prozent der Stimmen rechnen. Knapp eine Woche vor
den Wahlen lag „Manfred“, wie er auf seiner Homepage salopp genannt
wird, laut Umfragen in allen neun Provinzen Boliviens an der Spitze.

Das Programm des konservativen Politikers und früheren
Berufsmilitärs mit dem schmalen Schnauzbart ist einfach gestrickt,
tönt offenbar aber attraktiv: „Wirtschaftswachstum, Sicherheit und
Kampf dem Drogenhandel.“ Damit kommt er vor allem bei der urbanen
Bevölkerung gut an und dort ist auch seine Hauptklientel zu Hause.
„Ich bin Republikaner, Demokrat und Städter“, definierte er sich
unlängst und versprach allen Bolivianern einen „Wechsel zum
Positiven“.

Seine Hausmacht liegt in Cochabamba, der drittgrößten Stadt des
Landes, wo Reyes Villa vier Amtszeiten als Bürgermeister absolvierte.
Dort wird er gerne mit Venzuelas umstrittenen Präsidenten, dem
Linksnationalisten Hugo Chavez, einem Freund Fidel Castros,
verglichen. Er selbst hört das gar nicht gerne, sondern betont
vielmehr mit Stolz, dass er noch nie Kuba besucht hat.

Dafür stattete er bereits im März dieses Jahres dem Weißen Haus in
Washington einen Besuch ab, wo er US-Präsident George W. Bush
versicherte, die Anti-Drogen-Politik fortsetzen zu wollen. Die
Koka-Bauern des Landes laufen dagegen Sturm. Sie bangen mit der
geplanten Vernichtung aller Koka-Pflanzen um ihre Existenz und
organisieren beinahe täglich Protestmärsche nach Cochabamba oder die
Hauptstadt La Paz.

Der Trumpf, den Reyes Villa bei den Wahlen ausspielen will, ist
der Umstand, dass er im Gegensatz zu seinen Hauptkonkurrenten Gonzalo
Sanchez de Lozada (Präsident 1993-1997) von der „Revolutionären
Nationalistischen Bewegung“ (MNR) und Jaime Paz Zamora (Präsident
1989 – 93) von der „Revolutionären Linken Bewegung“ (MIR) noch nie
ein führendes Amt im Staat innegehabt hat und daher den Ruf genießt,
noch nicht in den Politfilz der Mächtigen des Landes involviert zu
sein.

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