Siebzehn - Kritik und Trailer zum Film

Von unerfüllten Sehnsüchten, ersten sexuellen Erfahrungen, Machtspielchen in der Liebe, sich verschiebender Dynamik in (Mädchen-)Freundschaften und dem Herantasten an die eigene Identität erzählt Monja Art in ihrem autobiografisch geprägten, wunderbaren Kinodebüt "Siebzehn".

Von “Beautiful Girl” bis “Die Mitte der Welt” sind dem heimischen Filmnachwuchs zuletzt große Würfe im Coming-of-Age-Genre gelungen. Mit letzterem hat “Siebzehn” thematisch das Aufwachsen am Land und den selbstverständlichen Umgang mit junger gleichgeschlechtlicher Liebe gemein. Heute Abend feiert das mit dem Max-Ophüls-Preis prämierte Kinodebüt von Monja Art Österreich-Premiere bei der Diagonale.

Siebzehn – Kurzinhalt des Films

Spätfrühling in Lanzenkirchen, einer knapp 4.000-Einwohner-Gemeinde nahe Wiener Neustadt. In den letzten Wochen vor den Sommerferien flaut der Stress im Unterricht ab und kochen lange unterdrückte Gefühle hoch. Die 17-jährige Klassenbeste Paula (starkes Debüt: Elisabeth Wabitsch) ist unglücklich in Charlotte (Anaelle Dézsy) verliebt. Die scheint zwar nicht abgeneigt, ist aber seit einem Jahr mit Michi zusammen. Also gibt Paula zwecks Ablenkung den Avancen ihres schwer verliebten Mitschülers Tim nach.

Unterdessen bewundert Paulas beste Freundin Kathrin den feschen Mesut nur aus der Ferne und kämpft die forsche Lilli (Alexandra Schmidt) um die Aufmerksamkeit ihres Immer-mal-wieder-Gspusis Ronald. Als der sie links liegen lässt, wirft sie ihre Augen auf Paula – fest entschlossen, deren Grenzen auszureizen…

Von unerfüllten Sehnsüchten, ersten sexuellen Erfahrungen, Machtspielchen in der Liebe, sich verschiebender Dynamik in (Mädchen-)Freundschaften und dem Herantasten an die eigene Identität erzählt Monja Art in ihrem autobiografisch geprägten Film. 1984 geboren und selbst als Teil einer Gastronomiefamilie im niederösterreichischen Lanzenkirchen aufgewachsen, vermittelt die Regisseurin subtil, humorvoll und mit genauem Blick Euphorie und Schmerz dieser so prägenden Jugendzeit – und bannt es eindrücklich auf die Leinwand, dieses Gefühl der unerwiderten Liebe, des Nichtwissens, woran man ist.

Kritik zum Film

Zwischen Klassenzimmer, Bushaltestelle im Nirgendwo, Badeteich, Wirtshaus und Dorfdisco rauscht die Kamera von Caroline Bobek nur so durch den Alltag der Dorfjugend, schnappt teils banale, teils bedeutungsschwere Gespräche oft nur auf, folgt sehnsüchtigen Blicken und hält die großen und die kleinen Momente fest. Die kluge, charismatische Paula steht dabei zwar im Mittelpunkt, nach und nach wird aber auch Perspektive zwischen den Jugendlichen gewechselt, die der Wunsch, geliebt zu werden, eint.

Die lesbische Liebe der Protagonistin wird dabei – anders als bei Coming-out-Filmen und ähnlich wie bei “Die Mitte der Welt”, Jakob M. Erwas knallig-bunter Liebesgeschichte zweier Burschen, – nicht problematisiert. Die festgefahrenen Bahnen, in denen die auch im Kino zumeist heterosexuell ausgemalte Welt verläuft, zeigt eine großartige Szene, in der Paula mit ihrem verunsicherten Französischlehrer (großartig: Christopher Schärf) zu einem Sprachwettbewerb nach Wien fährt – und den Umstand thematisiert, dass das Internat ihnen eine Lehrerin als “Anstandsdame” aufs Auge gedrückt hat. “Dabei hätten sie mit Ihnen die Gefahr mitschicken können”, sagt Paula – und meint damit die völlig überraschte Lehrerin.

Das hinreißende Ensemble aus größtenteils jungen Laiendarstellern mag hie und da bei Dialogen hölzern wirken. Momente, in denen gemeinsam ausgelassen zu Wanda oder Clara Luzia getanzt wird, lassen manch Unsicherheiten aber schnell vergessen. Die mitunter wahrhaftigsten Szenen entstehen dann, wenn etwas eben nicht passiert. Art und Bobek, die zuvor gemeinsam die Doku “Forever Not Alone” über Mädchenfreundschaft inszeniert haben, brechen nämlich den Fluss und naturalistischen Stil wiederholt mit Was-wäre-wenn-Szenarien: Mit Küssen, die man sich nicht traut zu küssen, oder Worten, die einem nicht über die Lippen kommen. Kleine Liebesfilme im Film.

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(APA)

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