Sie trotzen Eis und Schnee

Wiener Winterdienst: Rund 1.400 Personen bei Bedarf im Einsatz - Bis zu 442 Fahrzeuge verfügbar - Wien setzt im Kampf gegen Schnee und Eis auf neue Technologie.

In Wien hat der städtische Räumdienst im Winter ein Straßennetz von 2.800 Kilometern Länge zu betreuen. Dies entspricht der Strecke Wien-Lissabon oder der Fläche von 5.200 Fußballfeldern. Für diese Arbeit kann die zuständige Magistratsabteilung 48 (MA 48) 900 fixe Mitarbeiter einsetzen, zu denen sich im Bedarfsfall an die 500 Aushilfskräfte gesellen. Im Maximalfall sind also 1.400 Mitarbeiter im Einsatz.

Neben dieser menschlichen Arbeitskraft sind im Höchstfall auch 442 Fahrzeuge auf den winterlichen Straßen unterwegs. Davon befinden sich 287 im Besitz der MA 48, 155 stellen bei Bedarf private Partnerunternehmen.

Der städtische Fuhrpark besteht zum einen aus 83 Großfahrzeugen. Zum anderen stehen der Straßenreinigung für die Räumung von Nebengassen 180 Klein-Lkw und Traktoren, sowie 24 Kleinlader zur Verfügung. Bei 108 Zentimeter Schneefall im vergangenen Winter wurden von der Stadt 17.515 Tonnen Splitt und 12.106 Tonnen Salz ausgebracht.

Neue Technologie geht Streusplitt an den Kragen

Passend zur ersten „Generalprobe“ des Winters in Wien am Wochenende hat am Montag der städtische Winterdienst seine Leistungen präsentiert und Tipps für die kommende eisige Saison gegeben. Durch neue Technologie soll heuer das Einkehren des gestreuten Splitts deutlich früher erfolgen, kündigte Umweltstadträtin Ulli Sima (S) in einer Pressekonferenz an. Für den Hausgebrauch liegt der neue Folder „Richtig Streuen“ aus.

Dank neuer Solekehrmaschinen der zuständigen Magistratsabteilung 48 (MA 48) kann man Splitt nun auch bei Minusgraden wieder einsammeln. Dies war bisher nicht möglich, da man, um die Feinstaubbelastung möglichst gering zu halten, nur nass einkehrt, was bei Minusgraden zu Glätte führen würde. Mit der Sole-Technologie – also der Beimengung einer Salzlösung – kann der Einsatz nun bei größerer Kälte erfolgen. Die Umrüstung von fünf Fahrzeugen schlug mit knapp 1,5 Mio. Euro zu Buche.

Splitteinsatz sinkt

Durch den Einsatz modernster Technologie in den vergangenen Wintern habe man insgesamt die verbrauchte Splitmenge deutlich reduziert, so Sima. Wurden im Winter 1995/96 noch 133.500 Tonnen Splitt auf Wiens Straßen ausgebracht, so waren es im vergangenen Winter lediglich 17.515 Tonnen. Dies ist vor allem der Feuchtsalztechnologie geschuldet, die man verstärkt einsetzt, da Splitt wegen der Feinstaubproblematik in Misskredit geraten ist.

Der Einsatz ausschließlich von Salz ist jedoch nicht möglich. Denn vor allem auf Steigungen ist auch Streusplitt noch immer notwendig.

Spar-Plafond ist erreicht

Da das Aufbringen des Feuchtsalzes gezielt gesteuert werden kann, waren auch beim Salz Einsparungen möglich. Im vergangenen Jahr wurden davon 12.106 Tonnen ausgebracht, im Jahr davor immerhin noch 13.959 Tonnen. Großes Einsparpotenzial bei Salz und Splitt sehe er nun nicht mehr, machte Josef Thon, Leiter der MA 48, deutlich. Zu den Segnungen der Feuchtsalz-Technologie gehöre aber die Tatsache, dass es präventiv eingesetzt werden könne. Neben den Gefährten der MA 48 wurden auch bereits elf Privatfahrzeuge, die bei Bedarf für die Stadt im Einsatz sind, auf diese Methode umgerüstet.

„Wir werden aber nie mit Käschern die Schneeflocken schon in der Luft auffangen“, stellte Thon klar, der an die Eigenverantwortung der Wiener appellierte. Unterstützung erhofft er sich dabei von einem neuen Folder der MA 48, „Richtig Streuen in Wien“. Bisher habe man einen „Hochschulabschluss“ gebraucht, um die Streumittel im Handel unterscheiden zu können, nun sei alles verständlich zusammengefasst, freute sich Sima.

Die Trockenfahrt der gesamten Winterdienstflotte vor einer Woche verlief reibungslos, so Thon. Persönlich fühle er sich nun in seinem Element, denn „mir gefällt der Winter einfach total gut“, freute er sich.

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