Sickfuckpeople - Trailer und Kritik zum Film

Drogensüchtige Straßenkinder, die sich in einem verdreckten Keller in Odessa einen Schuss nach dem anderen setzen: Wo andere wegschauen, blickt Regisseur Juri Rechinsky mehrmals hin. Alle Spielzeiten auf einen Blick

Dementsprechend schmerzhaft ist sein Dokumentarfilm “Sickfuckpeople” anzusehen. Die österreichisch-ukrainische Koproduktion ist am Mittwoch bei “this human world” und ab Freitag regulär im Kino zu sehen.

Sickfuckpeople: Die Geschichte

Irgendwo in einem vermüllten Keller im ukrainischen Odessa haben sie sich in ihrem Elend eingerichtet: Obdachlose Kinder und Jugendliche, deren einziger Lebensinhalt der Stoff für den nächsten Drogenrausch ist. Ab und zu quetschen sie sich aus dem kleinen Loch raus auf die Straße, hinaus in eine Gesellschaft, die ihnen mit Ignoranz oder Hass begegnet. Jahre später sucht einer von ihnen verzweifelt seine Mutter, während eine junge, obdachlose Frau allen Widrigkeiten zum Trotz ihr ungeborenes Kind zur Welt bringen will.

Für seinen ersten Langdokumentarfilm, der zuletzt bei der Viennale mit zwei Preisen geehrt wurde, suchte der 1986 in der Ukraine geborene Juri Rechinsky nach einigen Jahren jene Protagonisten erneut auf, die er zuvor in seinem gleichnamigen Kurzfilm (2011) dokumentiert hatte. “Nach einigen Stunden bin ich aus dem Loch gekrochen, hab eine Flasche Schnaps getrunken und wieder erbrochen”, so der Regisseur über das erste Zusammentreffen mit den Jugendlichen, “und wusste, dass ich keine andere Wahl hatte, als diese Menschen zu filmen.”

Sickfuckpeople: Die Kritik

Bewusst fragt er im weiteren Prozess nur selten nach, nimmt stattdessen die Rolle des stillen Beobachters ein, lenkt – mit der Ausnahme von Anfangs- und Schlusssequenz – nicht mit Musik ab, lässt die drastischen Bilder für sich sprechen, scheut vor einem wertenden, gar mitleidigen Blick zurück.

Sickfuckpeople Trailer from Novotny on Vimeo.

So schwer erträglich die anfänglichen Szenen im Kellerloch zwischen menschlichen Exkrementen und gegenseitigem Drogenspritzen ist, so schmerzlich augenöffnend sind die stillen, vergleichsweise harmlosen Szenen danach. Statt seiner Mutter findet ein Bursche nur Verachtung in seinem alten Heimatort; statt Zuspruch erhält die junge Schwangere von ihren Schwestern den Rat zur Abtreibung. Von Drogen gezeichnet, ohne Zuhause oder jeglichen Rückhalt scheint ihr aller Schicksal besiegelt. “Sie ist doch kein Mensch”, sagt die ältere Schwester des Mädchens zum Regisseur, und trifft uns alle in unserem Wegsehen und Verteufeln. “Sickfuckpeople” lässt keinerlei Raum für Hoffnung, tut dementsprechend weh – und verdient gerade deshalb Aufmerksamkeit.

(APA)

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