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Shopping & Weltverbesserung

&copy APA
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Rechtzeitig zu Weihnachten gibt es neue Tipps zum guten Geld-Ausgeben: „Shopping hilft die Welt verbessern“ heißt das vor Kurzem erschienene Buch des deutschen Autors Fred Grimm.

Und es handelt sich dabei nicht um eine Sammlung von Märchen, sondern um einen realistischen Blick auf eine sich verändernde Konsumlandschaft: „Es gibt das wachsende Bewusstsein bei Konsumenten, dass sie mit ihren Kaufentscheidungen die Wirtschaft beeinflussen können. Der Trend führt hin zu ethisch-ökologisch gefertigten Produkten“, sagte der Autor im Gespräch mit der APA. Am Montag wird Grimm sein Buch in Wien präsentieren und seine Thesen zur Diskussion stellen.

Grimm fand weltweit Firmen, die sich ihrer – wie das neue Schlagwort heißt – „sozialen Unternehmensverantwortung“ bewusst sind. American Apparel etwa, ein Bekleidungshersteller aus Kalifornien: „Sie stellen ihre Produkte ausschließlich in Los Angeles her und vermarkten sich sehr erfolgreich als ’sweatshop-free’. So wurden sie zu einer der am schnellsten wachsenden Modemarken der Welt, denn die Kunden honorieren das ehrliche Bemühen um faire Arbeitsbedingungen.“

Die T-Shirts sind zwar teurer als Konkurrenzprodukte, aber Grimm kennt die Gründe für den tieferen Griff in die Geldbörse: „Vielen Menschen ist es wichtig, dass die T-Shirts nicht von Kindern in Indonesien für 30 Cent pro Stunde in finsteren Kellern zusammen genäht wurden.“

Die Verbindung aus ethischer Verantwortung und ökologischem Bewusstsein ist zwar nicht unbedingt neu, aber im Gegensatz zur Öko-Bewegung der Achtziger-Jahre hat die Bewegung mittlerweile den kaufstarken Mainstream erreicht: „Die frühen Bio-Läden waren doch eher gruselig und konsumfeindlich“, erinnert sich Grimm an seine eigene Jugend.

„Wer damals Gutes tun wollte, dem hat man das auch angesehen. Ich hatte mir damals aus Solidarität ein Hanf-Hemd gekauft, aber nie getragen, weil es so gekratzt hat.“ Heute gibt es Edeldesigner, die Bio-Baumwolle und Bio-Seide verwenden – und sie bedienen damit einen Hedonismus, der die Welt zu verbessern hilft: „Die Menschen haben erkannt, dass Bio-Lebensmittel und Naturkosmetika für ihre Gesundheit und ihr Wohlfühlen besser geeignet sind als Chemie-Produkte.“

Es ist aber nicht nur das ethisch-ökologische Bewusstsein des Einzelnen, das zur Trendwende geführt hat: „Auch Großanleger machen Druck auf Unternehmen“, erkannte Grimm. Gab es vor drei Jahren nur zwei Wallstreet-Analysten, die sich mit der moralischen und ökologischen Performance von Aktiengesellschaften beschäftigten, so sind es mittlerweile „mehr als zwanzig. Firmen, die nachhaltig wirtschaften, die auf erneuerbare Energien umsteigen, für gute Wärmedämmung in ihren Büros sorgen und ein gut funktionierendes Recycling-System einführen, haben einfach bessere Chancen, mittelfristig explodierende Energiekosten in den Griff zu bekommen. Und das wirkt sich natürlich positiv auf die Bilanzen aus.“

Die amerikanischen Kaufhaus-Kette Walmart ist laut Grimm ein gutes Beispiel für den Druck, dem Unternehmen heute ausgesetzt sind: „Große Pensionsfonds haben Walmart-Aktien wegen schlechter ethischer Bewertungen aus ihrem Portfolio genommen. Die Folge: Walmart hat einen ambitionierten Plan vorgelegt. Sie wollen in den nächsten fünf Jahren alle Filialen ausschließlich mit erneuerbarer Energie betreiben. Bio-Kost und Bio-Baumwoll-Bekleidung wurde bereits ins Sortiment aufgenommen.“

Dass der neue Trend nur eine Zeitgeist- und Modeerscheinung ist, glaubt Grimm nicht: „Hybrid-Motoren sorgen für eine Benzin-Ersparnis von bis zu 40 Prozent. Trotzdem waren die ersten Autos Mitte der Neunziger-Jahre noch wahnsinnig hässlich und wahnsinnig teuer und wurden von den Herstellern nur ganz verschämt vorgestellt. Sie hatten Angst, als Öko-Spinner verlacht zu werden. Heute fährt George Clooney mit einem schnittigen, hybrid-betrieben Wagen bei der Oscar-Verleihung vor. Und das war erst der Anfang, der Markt für Hybrid-Autos wird in den nächsten Jahren von einer Million auf 15 Millionen Fahrzeuge anwachsen.“ Grimms hoffnungsvolle Zukunftsaussichten: „Wir werden in zehn Jahren noch immer nicht ausschließlich ethisch und ökologisch einwandfreie Produkte kaufen. Aber überall dort, wo der Bewusstseins-Schalter einmal umgelegt wurde, ist die Entwicklung unaufhaltsam.“

Tipp
Fred Grimm, 43, ist freier Journalist und Autor. Am Montag, dem 4. Dezember liest der Deutsche im Wiener Cafe Prückel, 1, Stubenring 24, aus seinem neuen Buch „Shopping hilft die Welt verbessern“ und stellt sich anschließend der Diskussion mit den Zuhörern. Der Eintritt ist frei, Beginn der Veranstaltung, die vom Forum Umweltbildung im Rahmen der UNO-Veranstaltungsreihe „Food for thought“ durchgeführt wird, ist um 18:30 Uhr.)

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