Söhne Mannheims am Wiener Donauinselfest

Vierzehn Musiker unter einen Hut zu bringen ist keine leichte Aufgabe. Im Falle der Söhne Mannheims funktioniert dieses Rezept, garniert mit Pop- und Soul-Zutaten sowie einer ordentlichen Portion gesellschaftskritischem Potenzial, seit Jahren sehr gut. Mit dem neuen Album "Barrikaden von Eden" gastiert das Kollektiv rund um Sänger Xavier Naidoo am 24. Juni am Wiener Donauinselfest.
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Die titelgebenden “Barrikaden von Eden” würden in der Band recht unterschiedlich aufgefasst, wie Wehland festhält. “Für mich heißt es, eine Überzeugung zu haben, dafür einzustehen und das auch zu zeigen.”

Dass man sich nach den Alben “Zion”, “Noiz” und “Iz On” nun nicht mehr auf die vier Buchstaben verlässt, hat rein pragmatische Gründe, wie Bayless lachend erklärt: “Die Grafik für das große, allumfassende Vierbuchstaben-Werk ist einfach nicht fertig geworden.” Außerdem sei ein bisschen Unberechenbarkeit laut Naidoo ganz gut, “dementsprechend haben alle gedacht, dass wir einen anderen Sound pflegen und uns neu erfinden wollen”.

Diese Vorstellung verschwindet beim Hören der vierzehn neuen Songs sowieso recht schnell: Für die Söhne typische Soul-Nummern wechseln sich mit schnelleren Popstücken ab, bei “Kill all Psychopaths” gibt man sich gar relativ aggressiv. Der Text basiert laut Naidoo auf der Behauptung, “dass Psychopathen die gesellschaftlichen Systeme federführend übernommen haben”. Diese seien wie “Raubtiere unter Menschen”, die “auf ihre Art und Weise Macht über uns gewinnen”. “Wir beschreiben ja, dass wir Krieger einer geistigen Schlacht sind. Somit kann man diesen Ausruf ‘Kill all Psychopaths’ auch dafür gebrauchen, diesen Menschen die Macht abzunehmen.”

Xavier Naidoo: “Etwas Schwarmverhalten”

Musikalisch hauptverantwortlich für den Großteil der Songs ist Michael Herberger, der aus dem gesammelten Input die Stücke zusammenstellt. “Jeder denkt dann: ‘Wow, dieser Song hat aber echt viel von mir.’ Und wenn man dann die fertige Version hört, denkt man nur noch: ‘Okay, wo ist das jetzt alles hin?'”, schmunzelt Naidoo über mitunter ernüchternde Momente. Mit den Texten des neuen Albums hat man sich gut drei Wochen intensiv auseinandergesetzt, wie der Sänger erzählt: “Das ist ein bisschen vergleichbar mit dem Schwarmverhalten von Tieren: Wenn wir mehrere Tage zusammen sind, gemeinsam kochen und miteinander leben, haben wir auch ein gemeinsames Empfinden. Man ergänzt sich gegenseitig.”

Gesellschaftspolitische Aspekte sehen die drei in der heutigen Popmusik allgemein verstärkt ausgedrückt. “Durch die Entwicklung der Musikindustrie ist wieder der Wunsch nach Inhalten da”, meint Wehland. Für Bayless spielt vor allem Erfahrung eine wesentliche Rolle: “Sachen wie Liebe kann man nicht lernen. Und da kann die Musik einen großen Teil leisten, wenn man beispielsweise auf einem Konzert ist und eine Erfahrung hat, die man in der normalen Alltagswelt nicht hat.” Das Potenzial sieht er aber realistisch: “Dass du mit einem Song keine Revolution vom Zaun brechen wirst, ist klar.” Aber: “Man kann Dinge in der feinstofflichen Welt schon verändern, indem man sie einfach ausspricht und sie sich dadurch manifestieren. Das darf man nicht unterschätzen.”  

Glaube an Gott und Spiritualität

Ein anderer Aspekt, der seit Jahren teils recht kritisch mit den Söhnen identifiziert wird, ist ihr offensiv ausgelebter Glaube. Naidoo relativiert hier aber die öffentliche Sichtweise: “Wir sind beseelt vom Leben und bei vielen von uns ist das eben ein Thema, über den Glauben zu sprechen. Und wenn es den Weg in den Song findet, ist das einfach ein Gefühl, das man zu Papier bringt, eine Momentaufnahme. Ich glaube, es wird zwar überbewertet, aber so langsam ist es auf dem Weg in die Normalität. Gott oder Glaube oder Spiritualität sind einfach genauso ein Thema wie Politik oder Frauen oder das Leben.”

Nach dem Auftritt am Donauinselfest  stehen im September noch zwei Konzerte in Innsbruck und Graz an, bevor die “Casino BRD”-Tour startet. Auch hier wurde der Titel nicht zufällig gewählt, betreiben doch laut Bayless “die Banken und die Mächtigen im Staat Glücksspiel mit unserem Leben”. “Deutschland ist zu etwas mutiert, das wie eine Firma aussieht. Wir sind Geschäftspartner von Deutschland, keine Bürger. Das muss unsere Generation jetzt zur Sprache bringen”, betont Naidoo. “Da muss man sich fragen, ob wir das bis zum Sanktnimmerleinstag betreiben wollen?” Seine klare Antwort lautet: “Wir sind für Neustart.”

 (Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

 

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