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Sexueller Missbrauch und Gewalt: Schwere Vorwürfe gegen Ballettakademie der Wiener Staatsoper

Schüler äußerten sich zu sexuellem Missbrauch und Gewalt an der Ballettakademie.
Schüler äußerten sich zu sexuellem Missbrauch und Gewalt an der Ballettakademie. ©APA/DPA/FRISO GENTSCH
Schwere Vorwürfe wurden von einem Wiener Wochenmagazin gegen die Ballettakademie der Staatsoper erhoben. Kinder seien dort von Gewalt, Drill und Demütigung und sogar sexuellem Missbrauch betroffen.

Das Wiener Wochenmagazin “Falter” erhebt in seiner neuen Ausgabe (Mittwoch) schwere Vorwürfe gegen die Ballettakademie der Staatsoper. Kinder seien hier “Opfer autoritärer, gewalttätiger und gefährlicher Unterrichtsmethoden geworden”, wird eine Lehrerin zitiert. Das Spektrum der Vorhaltungen reicht von Demütigungen, Gewalt und Drill bis hin zu einem sexuellen Übergriff.

Die notfallmedizinische Behandlung nach Unfällen sei mangelhaft, psychologische und ernährungswissenschaftliche Beratung für die Kinder entgegen internationaler Standards praktisch nicht vorhanden. Schülerinnen seien hingegen geradezu in die Bulimie oder Anorexie getrieben worden. Die Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft ist bereits seit Monaten tätig. “Im Grunde hätten wir diesen Laden sofort zusperren müssen”, wird ein anonymer Beamter der Kinder- und Jugendanwaltschaft zitiert.

Lehrerin an Wiener Ballettakademie soll Schüler blutig gekratzt haben

Ein Teil der Vorwürfe konzentriert sich auf eine im Jänner gekündigte Lehrerin, die Schülerinnen unter anderem getreten, blutig gekratzt und an den Haaren gerissen haben soll. Gegenüber der Wochenzeitung rechtfertigt sich die Betroffene: “Es tut mir leid, wenn die Mädchen gelitten haben.” Sie habe immer versucht, das Beste aus ihren Schülerinnen herauszuholen.

“Ich bin sehr betroffen, wenn ich all das höre. Es ist klar, dass sich hier eine Lehrerin sehr schlecht benommen hat”, stellt Staatsoperndirektor Dominique Meyer gegenüber dem “Falter” klar: “Das wollen wir nicht, und das dulden wir nicht.”

Vorwürfe sexueller Belästigung an der Ballettakademie

Des Weiteren wirft ein ehemaliger Schüler einem einstigen Lehrer sexuelle Belästigung vor. Nach Vorlage des entsprechenden Protokolls wurde dieser Lehrer unmittelbar dienstfrei gestellt und Untersuchungen eingeleitet. Die Staatsoper hat am heutigen Dienstag eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft übermittelt.

Der “Falter” nennt bezüglich seiner Recherchen mehrere Quellen, darunter Jolantha Seyfried, unter Ioan Holender Leiterin der Ballettakademie. Sie beklagt eine “Sklavenmentalität”: “Die Kinder sind hier nur eine Ware, um die Oper zu bespielen.” Auch die einstige Ballerina Gabriele Haslinger konstatiert: “Die Eltern glauben, die Kinder in der Akademie in besten Händen zu wissen, aber das stimmt nicht.” Die ausgeschiedene Tanzlehrerin Sharon Booth beklagt “Erziehungsmethoden aus dem 19. Jahrhundert”. Neben Interviews beruft sich der “Falter” auch auf Chats und E-Mails von Betroffenen, die man eingesehen habe.

Missbräuche müssen konsequent und bedingungslos aufgeklärt werden

Die Liste der Mängel werde “Stück für Stück abgearbeitet”, heißt es aus der Staatsoper. Man kooperiere seit Monaten mit der Kinder- und Jugendanwaltschaft. “Wir wollen in allen Bereichen eine lückenlose Aufklärung”, so ein Staatsopernsprecher gegenüber der APA. Unter anderem sollen eine Ombudsstelle eingerichtet und die Pädagogen entsprechend geschult werden. Auch soll verpflichtend das Fach Body Awareness eingeführt werden.

“Die Schülerinnen und Schüler, die von physischen oder psychischen Übergriffen betroffen waren, haben jedenfalls unser volles Mitgefühl. Jegliche Form von Übergriffen, ob physischer oder psychischer Natur, Grobheiten, Respektlosigkeit und Missbrauch einer Machtposition sind inakzeptabel”, so die Staatsoper in einem der APA vorliegenden Statement. Die jetzige geschäftsführende Direktorin der Akademie, Simona Noja, verteidigt Operndirektor Meyer: “Der Vorwurf, sie hätte sich nicht um die Beschwerden gekümmert, ist nicht haltbar.” Stattdessen habe sie sich persönlich für Mädchen eingesetzt und verschiedene Initiativen ergriffen.

In einem der APA vorliegenden Statement spricht auch die Bundestheater-Holding von “nicht tolerierbaren Übergriffen”. “Jeglicher Missbrauch des im künstlerischen Bereichs besonderen Autoritätsverhältnisses zwischen Schülerinnen und Schülern und den Lehrenden muss konsequent und bedingungslos aufgeklärt werden, so Geschäftsführer Christian Kircher: “Dominique Meyer hat mich sofort nach Bekanntwerden der Vorfälle informiert und hat meine volle Unterstützung bei allen Maßnahmen, die die Staatsoper gesetzt hat, um diese Vorfälle einerseits lückenlos aufzuklären und andererseits in Zukunft auszuschließen.” Das gelte auch für alle Maßnahmen in Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendanwaltschaft. “Es darf in unseren Häusern keinen Spielraum geben für sexuelle Belästigung und den Missbrauch von Autoritätsverhältnissen. Für mich gilt hier: Null-Toleranz”, so Kircher.

Blümel ordnete Sonderkommission an

Angesichts des Vorwurfs schwerer Missstände in der Ballettakademie der Wiener Staatsoper hat Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) die Bundestheaterholding mit der Einrichtung einer Sonderkommission beauftragt. “Ein Verhalten, wie das in den Vorwürfen angeprangerte, ist vollkommen inakzeptabel”, sagte Blümel in einem Statement gegenüber der APA.Sobald er von den Vorwürfen erfahren habe, habe er Holding-Geschäftsführer Christian Kircher mit der Einrichtung des Gremiums beauftragt, welches die Vorwürfe restlos klären soll, so Blümel: “Holding-Chef Christian Kircher wird einen umfassenden Bericht inklusive aller getroffenen Maßnahmen, um so etwas auch in Zukunft zu verhindern, vorlegen.”

Das Wiener Wochenmagazin “Falter” macht in seiner neuen Ausgabe (Mittwoch) schwere Vorwürfe gegen die Ballettakademie publik. Die Kinder seien dort teils gedemütigt worden, Gewalt und Drill ausgesetzt worden. Auch der Vorwurfe eines sexuellen Übergriffs steht im Raum. Eine Lehrerin wurde bereits entlassen und ein weiterer Lehrer bis zur Klärung der Vorwürfe gegen ihn dienstfrei gestellt. Die Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft ist seit Monaten tätig.

(APA/Red)

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