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"Sexiest Man Alive" Lenny Kravitz in Wien

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Ein Glück, dass Kravitz sich auf seine Hits verlassen kann - „Mama Said“ oder „Fly Away“ sind nämlich unzerstörbar und verfehlten auch diesmal nicht ihre Wirkung. Konzertkritik von Wolfgang Hauptmann.  

Man kann Lenny Kravitz nicht vorwerfen, auf den Retro-Zug aufgesprungen zu sein. Der Sound des Amerikaners, den manche (vermutlich gehört er selbst dazu) für den coolsten Musiker der Gegenwart halten, bestand immer aus Reflexionen der großen Zeiten des Rock. Bei seinem Konzert am Montag vor dem Schloss Schönbrunn ging der 40-Jährige einen Schritt weiter und inszenierte eine durchgestylte Sixties-Revival-Show, bei der Einflüsse erst gar nicht mehr getarnt wurden, sondern sich Zitate in einer Endlosschleife auf das Publikum ergossen.

Stereophonics übernahmen den Support

Die walisischen Stereophonics hatten zuvor ihre Gitarren röhren lassen, unerkannt von jenem Häufchen, das zumindest etwas Interesse für die „Vorgruppe“ aufbrachte. Voll wurde das Gelände trotz verstärkten Zustroms kurz vor dem Auftritt des Haupt-Acts allerdings auch nicht. Ob’s an der neuen Platte von Lenny Kravitz liegt oder am Überangebot in diesem Konzertsommer, darüber kann man nur spekulieren – vielleicht trifft beides zu. An Hits mangelt es dem Akteur auf der Bühne, der neuerdings eine Frisur wie Prince in den Achtzigern trägt, ja nicht.

Gitarrensoli und Bassgewitter

So machte mit „Where Are We Runnin’?“ auch gleich die erste Single aus der aktuellen CD „Baptism“ (EMI) den Anfang. Eine Coverversion einer alten ZZ-Top-Nummer? Ach wo, eine Eigenkomposition! Und schon beim Opener zelebrierten die Gruppe und ihr Maestro ein nicht enden wollendes Finale voller Gitarrensoli und Bassgewitter, als hätte man sich vor der Tournee zu viele Jimi-Hendrix- oder Led-Zeppelin-DVDs reingezogen. Doch die Leidenschaft dieser Vorbilder erreichten Kravitz und Co. nicht. Dazu blieb das Spiel an diesem Abend zu durchschnittlich und wirkte zu aufgesetzt, um mitzureißen.

“Einfältige Jam-Session”

Mag sein, dass die technischen Probleme, über die der Sänger und Multiinstrumentalist klagte, der sein Können durch mehrmaligen Instrumententausch mit dem Stolz eines Gockels zu Schau stellte, nicht gerade förderlich waren. Aber jene elend lange, einfältige Jam-Session, die Kravitz nach „Fear“ (einem erschreckend schwach dargebrachten Song aus seinem Albumdebüt) anstimmte, hatte er sich selbst eingebrockt. Minutenlang ergossen sich Gitarrenduelle ohne Spannung aus den Boxen, gefolgt von Bass-Drums-Einlagen, zu denen Bläser ihren Senf beisteuerten. Selbst ein erbärmlich schlechtes Schlagzeugsolo fehlte nicht.

“Ein Glück, dass Kravitz sich auf seine Hits verlassen kann”

„Mama Said“ oder „Fly Away“ sind nämlich unzerstörbar und verfehlten auch diesmal nicht ihre Wirkung. Wie gut manche neueren Sachen klingen können, bewies „California“, ein sonnig-schöner Track ohne Schnickschnack von „Baptism“. Nicht zuletzt „American Woman“ lenkte für einige Zeit vom Ego-Balz-Gehabe des Hauptdarstellers ab. Aber das war schon kein Zitat mehr, sondern eine echte Coverversion.

Link: www.lennykravitz.com

Redaktion: Birgit Stadtthaler

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