Serbien: Srebrenica-Prozess beginnt

Vor einem Belgrader Sondergericht für Kriegsverbrechen hat ein erster Prozess um das zehn Jahre zurückliegende Massaker in der einstigen Bosniaken-Enklave Srebrenica in Bosnien-Herzegowina begonnen.

Auf der Anklagebank sitzen fünf einstige Freischärler, Angehörige der serbischen Milizeinheit „Skorpione“, die am Massaker in der ostbosnischen Kleinstadt beteiligt gewesen sein sollen. Slobodan, Aleksandar und Branislav Medic sowie Pero Petrasevic und Aleksandar Vukov wurden Anfang Oktober angeklagt, im Juli 1995 Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung begangen zu haben. Laut Anklage waren sie am 17. Juli 1995 in der Ortschaft Godinske Bare bei Trnovo (südöstlich von Sarajevo) an der Erschießung von sechs Einwohnern von Srebrenica beteiligt. Unter den Opfern waren demzufolge zwei Minderjährige.

Die Ermordung war erst heuer Anfang Juni publik geworden, als im Prozess gegen den jugoslawischen Ex-Präsidenten Slobodan Milosevic vor dem Haager UNO-Kriegsverbrechertribunal (ICTY) ein von Angehörigen der „Skorpione“ selbst angefertigtes Video der Erschießungen vorgeführt wurde. Die fünf ehemaligen Freischärler wurden daraufhin in der nordserbischen Provinz Vojvodina festgenommen, ein weiterer in Kroatien. Eine Person ist im Zusammenhang mit den gleichen Vorwürfen auf der Flucht.

Von den sechs Erschießungsopfern sind bisher fünf identifiziert worden. Zum Prozessbeginn ist auch die Mutter von Azmir Alispahic, Nura, nach Belgrad angereist. Ihr Sohn war 17 Jahre alt, als er ermordet wurde. Nura Alispahic sah das Erschießungsvideo, Anfang Juni in einem bosnischen TV-Sender und erkannte ihren Sohn.

Rund 7.800 moslemische Einwohner von Srebrenica wurden von bosnisch-serbischen Truppen und serbischen Milizen im Juli 1995 getötet. Die mutmaßlichen Drahtzieher des Massakers, der damalige politische Führer der bosnischen Serbien, Radovan Karadzic, und dessen Militärchef Ratko Mladic sind nach wie vor auf der Flucht.

Die „Skorpione“ nahmen 1999 auch am Krieg im Kosovo teil. Dort hatten sie den Status einer Polizei-Sondereinheit. Bei der Wiederholung eines Prozesses wurde heuer im Juni ein Ex-Mitglied der später aufgelösten „Skorpione“ zu 20 Jahren Haft wegen der Ermordung von 14 Kosovo-Albanern in Podujevo Ende März 1999. Ein Gerichtsverfahren gegen einen mutmaßlichen Komplizen steht noch bevor.

Der Belgrader Sonderstaatsanwalt für Kriegsverbrechen, Vladimir Vukcevic, hat am Dienstag neue Anklagen im Zusammenhang mit dem Massaker in der einstigen ostbosnischen Moslem-Enklave Srebrenica in Aussicht gestellt. Die Staatsanwaltschaft gelange täglich an neue Informationen und Namen, sagte Vukcevic bei einem Gespräch mit Familienangehörigen von Opfern.

Am Belgrader Sondergericht für Kriegsverbrechen hat am Dienstag der Prozess gegen fünf Ex-Angehörige der serbischen Milizeinheit „Skorpione“ begonnen, die im Juli 1995 an der Ermordung von Zivilisten in Srebrenica beteiligt gewesen sein sollen. Ihnen wird die Ermordung von sechs Menschen vorgeworfen. Ein Angeklagter ist in diesem Zusammenhang auf der Flucht. „Wir werden nach allen fahnden“; alle würden Verantwortung übernehmen müssen, wurde Vukcevic in den Medien zitiert.

Auf dem Gebiet von Srebrenica wurden im Juli 1995 rund 7.800 Bosniaken (bosnische Moslems) von bosnisch-serbischen Truppen und serbischen Milizen ermordet. Die „Skorpione“ wurden 1992 im kroatischen Vukovar (Ostslawonien) gebildet, um im Auftrag des Militärführers der bosnischen Serben, Ratko Mladic, im Bosnien-Krieg eingesetzt zu werden – zuletzt in Srebrenica.

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