Serbien: Protestmarsch im Kosovo

Albanische Nationalisten demonstrierten in Pristina. Sie forderten eine sofortige Unabhängigkeit - die Polizei setzte Tränengas gegen die Randalierer ein.

Mehrere tausend Anhänger der nationalistischen kosovo-albanischen Organisation „Vetevendosje“ (Selbstbestimmung) haben am Dienstag an einem Protestmarsch durch das Stadtzentrum von Pristina teilgenommen. Sie forderten am heutigen Nationalfeiertag der Republik Albanien die sofortige Unabhängigkeit der von der UNO-verwalteten südserbischen Provinz. Die Polizei ging mit Tränengas gegen randalierende Demonstranten vor, als sie eine Betonabsperrung durchbrachen. Berichte über Festgenommene oder Verletzte kam es zunächst nicht.

„Vetevendosje“ ist mit den Verhandlungen über den künftigen völkerrechtlichen Status des Kosovo im Rahmen der UNO unzufrieden und ist auch gegen die seit 1999 bestehende Präsenz der Vereinten Nationen dort. Der Protestmarsch sei die letzte Warnung an die Institutionen und das kosovarische Verhandlerteam bei den Status-Verhandlungen, damit diese begriffen, was das Volk wolle, zitierte die Nachrichtenagentur Kosovapress den Chef der nationalistischen Organisation, Albin Kurti.

Einige der Demonstranten bewarfen laut Medienberichten das Gebäude des Provinz-Parlamentes mit Farbbeuteln und zerschlugen Fensterscheiben an anderen Verwaltungsgebäuden. „Vetevendosje“ hatte wiederholt Protestaktionen in Pristina veranstaltet. Dabei kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen.

Auch in drei von Albanern bewohnten Gemeinden in Südserbien wurde des Nationalfeiertages von Albanien gedacht. Eine Gruppe junger Albaner ersetzt am Gemeindeamt in Presevo die serbische Flagge durch drei albanische Flaggen. Während einige lokale Albaner-Führer die Aktion verurteilten, meinte der Bürgermeister von Presevo, der Albaner Ragmi Mustafa, dass es sich um keinen kriminellen Akt handle, da „sowohl Albaner als auch Serben ein Recht auf ihre Symbole“ hätten. Zur Kundgebung anlässlich des Feiertages hatten sich in Presevo rund 2.000 mehrheitlich junger Albaner eingefunden. Nach Deutung der Belgrader Behörden hat albanische Volksgruppe erst nach der Bildung eines Nationalrates und nach der Anmeldung seiner Symbole bei den Behörden ein Recht auf deren Verwendung.

Die UNO will Anfang kommenden Jahres nach den Wahlen in Serbien am 21. Jänner ihre Vorschläge für die Zukunft des Kosovo vorlegen. Die südserbische Provinz steht seit dem Kriegsende 1999 unter der Verwaltung der UNO. Die Vereinten Nationen hatten erst am Montag vor glaubwürdigen Drohungen gegen ihr Personal gewarnt und eine höhere Polizeipräsenz angekündigt.

Der Nationalfeiertag am 28. November erinnert an die Ausrufung der Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich 1912 in Valona (Vlora). Ebenso wird des Endes der italienischen und danach deutschen Besetzung Albaniens im Zweiten Weltkrieg gedacht, die 1944 endete.

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