Selbstmordanschlag in Moskau

Bei der Explosion einer Autobombe in der Nähe des Roten Platzes in Moskau mindestens fünf Menschen getötet und mehrere verletzt worden.

Die Nachrichtenagentur Interfax meldete unter Berufung auf einen Polizisten, eigentliches Ziel des Anschlags sei möglicherweise die Duma gewesen. Die beiden mutmaßlichen Attentäterinnen hätten Passanten kurz vor der Explosion am Dienstag gefragt, wo sich das Parlamentsgebäude befinde. Auch der russische Geheimdienst gehe von einem Terrorakt aus.

Die Polizei wollte allerdings zunächst nicht ausschließen, dass die Tat auch Folge eines Streits unter Geschäftsleuten sein könnte. In dem Hotelgebäude, vor dem die Bombe explodierte, seien auch verschiedene Unternehmen untergebracht, sagte ein Polizeisprecher.

Das Hotel National liegt auf der Haupteinkaufsstraße Twerskaja, in der Nähe des Roten Platzes und der Duma. Wegen der Wahl am Sonntag hatten die russischen Behörden vor möglichen Anschlägen gewarnt.

Der Anschlag ereignete sich kurz vor 11.00 Uhr (09.00 Uhr MEZ). Im Fernsehen waren Aufnahmen von einem schwarzen Mercedes mit zersplitterten Scheiben und einer offenen Tür zu sehen. Während die Nachrichtenagentur ITAR-Tass meldete, die Explosion sei von einer Selbstmordattentäterin ausgelöst worden, berichtete Interfax von wahrscheinlich zwei Attentätern. Beiden Agenturen zufolge wurden in der Nähe des Hotels mehrere nicht detonierte Sprengsätze gefunden. Ein Roboter untersuchte den Tatort, und kurz darauf war eine weitere Explosion zu hören. Vermutlich wurde sie von Bombenexperten ausgelöst.

Bei den Opfern des Anschlags handelte es sich nach Angaben von Sanitätern überwiegend um Passanten. Drei Personen wurden verletzt, sieben weitere erhielten vor Ort Erste Hilfe.

Wenige Stunden nach dem Anschlag verurteilte Russlands Präsident Wladimir Putin „Terrorakte”. Die Verfassung des Landes sei die Grundlage „für die Entwicklung der freien Marktwirtschaft, der Demokratie und der Entwicklung des Landes im Ganzen”, sagte Putin bei der Eröffnung einer Parlamentssitzung in der russischen Hauptstadt am Dienstag. „Die Taten von Verbrechern und Terroristen, mit denen wir es selbst heute zu tun haben, sind gegen all dies gerichtet.” Ob sich der Kreml-Chef damit auf den jüngsten Anschlag bezog, wurde nicht klar.

Der Anschlag schürte die Furcht vor einer neuen Terrorwelle in Russland. Zuletzt waren am Freitag in Südrussland 44 Menschen beim Anschlag auf einen Zug ums Leben gekommen. Hinter der Tat werden tschetschenische Rebellen vermutet. In den vergangenen Jahren kamen fast 300 Menschen in Russland bei Terroranschlägen ums Leben.

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