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Selbstmordanschlag auf NATO-Truppe

Zum zweiten Mal in drei Tagen ist im südafghanischem Kandahar ein Selbstmordanschlag auf NATO-Soldaten verübt worden.

Zwei Soldaten und neun Zivilisten seien verletzt worden. Der Attentäter sei bei der Explosion ums Leben gekommen, sagte der Sprecher der Provinzregierung von Kandahar, Daoud Ahmadi.

Kandahar hat bei den Afghanen den Spitznamen „Stadt der Bomben“. Das Attentat war der fünfte Selbstmordanschlag dort in den vergangenen drei Wochen. Am Sonntag waren bei einem ähnlichen Angriff acht Afghanen getötet worden. Unter ihnen waren auch Opfer von Schüssen der angegriffenen Soldaten. Dies hatte zu massiven Protesten geführt.

Der Süden Afghanistans ist eine Hochburg der radikal-islamischen Taliban, die durch die US-geführte Invasion nach den Anschlägen vom 11. September 2001 gestürzte wurden. Ihr Regime bot dem Führern des Terrornetzwerks Al-Kaida Unterschlupf.

Die Gefechte in Afghanistan sind die heftigsten seit Ende 2001. Nach ISAF-Angaben kam es in diesem Jahr bereits zu mehr als 100 Selbstmordanschlägen in dem zentralasiatischen Land. Dabei starben mindestens 227 Afghanen und 17 ausländische Soldaten.

Am Dienstag begannen britische Marineinfanteristen mit einer Offensive in der südlichen Provinz Helmand in einem Tal, das fast völlig von den Extremisten gehalten wird. Sie wurden von Kampfhubschraubern und B1-Bombern unterstützt. In Helmand werden die Mohnpflanzen für ein Drittel des weltweiten Opiums angebaut. Bisher kontrollierten afghanische Sicherheitskräfte nur einen Brückenkopf in dem Tal.

Allgemein ist die afghanische Polizei einem US-Bericht zufolge kaum in der Lage, für Recht und Ordnung zu sorgen. Die Einsatzkräfte könnten oft weder lesen noch schreiben und die Ausrüstung sei alles andere als angemessen, heißt es in einem Bericht der Generalinspekteure von Außen- und Verteidigungsministerium. Die Leiter des rund 1,1 Milliarden Dollar (825.144 Euro) teuren Polizei-Ausbildungsprogrammes hätten keine genauen Informationen darüber, wie viele Polizisten wirklich im Einsatz seien. Zudem erschwere eine grassierende Korruption die Ausbildung.

In Südafghanistan werden offenbar seit Montag ein deutscher Reporter und sein afghanischer Dolmetscher vermisst. Die für die Sicherheit von Hilfsorganisationen in Afghanistan zuständige Agentur ANSO berichtete, der Journalist sei auf dem Weg von Kandahar nach Oruzgan (Urusgan) im umkämpften Süden des Landes aus einem Taxi entführt worden. Die NATO und die afghanische Regierung gehen nach eigenen Angaben den Berichten nach. Die beiden Personen seien offenbar nicht bei der NATO akkreditiert gewesen, hieß es von Seiten des Militärbündnisses. Zuvor hatte auch das Auswärtige Amt in Berlin erklärt, dass entsprechende Entführungs-Berichte geprüft würden. Details seien aber nicht bekannt.

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