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Sekunden fehlten Austria Wien zum Aufstieg

Die Wiener kassierten im UEFA-Cup-Rückspiel gegen Lech Posen einen Last-Minute-Treffer zur 2:4-Niederlage und sind somit ausgeschieden. Bilder UEFA-Cup-Aus auch für Salzburg gegen Sevilla |

Die Wiener Austria hat am Donnerstag den Einzug in die Gruppenphase des Fußball-UEFA-Cups verpasst. Nach dem 2:1 im Hinspiel vor zwei Wochen im Horr-Stadion mussten sich die “Veilchen” auswärts gegen Lech Posen in einem wahren Thriller mit 2:4 nach Verlängerung geschlagen geben und sind damit nach drei Pool-Teilnahmen in den vergangenen vier UEFA-Cup-Saisonen diesmal nur Zuschauer.

Die Treffer in der regulären Spielzeit hatten Rengifo (10.) und Peszko (85.) bzw. Acimovic (61./Elfer) erzielt. In der Verlängerung trafen zunächst Lewandowski (98.) und Hattenberger (100.), ehe Murawski die Österreicher Sekunden vor dem Ende aus allen Träumen riss.

Bitter war auch, dass der Abschied der Austria mit einem klassischen Selbstfaller eingeleitet wurde. Das erste Gegentor entsprang einem schweren Schnitzer von Majstorovic, der offenbar Anleihen an Toni Pfeffers Blackout bei der WM 1990 gegen die CSFR genommen hatte und in der 10. Minute – von Peszko bedrängt – einen verhängnisvollen Rückpass fabrizierte, den Rengifo dankend aufnahm, Safar umkurvte und zum 1:0 einschob.

Die Austria zeigte sich vom frühen Rückstand geschockt und hatte in der 15. Minute Glück, nicht den zweiten Gegentreffer zu kassieren. Safar wehrte einen Weitschuss von Murawski mit den Fingerspitzen an die Latte und Rengifo verwertete den abspringenden Ball per Kopf. Der Torjubel blieb dem Stürmer jedoch im Hals stecken, denn der Treffer wurde offenbar wegen eines angeblich vorangegangenen Fouls an Schiemer nicht gegeben.

Nur langsam fanden die Gäste besser ins Spiel, waren aber dem 1:1 schon in der 22. Minute ganz nahe: Nach einer Freistoßflanke von Acimovic wehrte Lech-Goalie Kotorowski einen Okotie-Kopfball mit einem starken Reflex kurz ab, beim Nachschuss des Austria-Angreifers klärte der Schlussmann gemeinsam mit seinem Verteidiger Tanevski knapp vor der Linie.

Die leicht feldüberlegenen Polen verbuchten danach mit Ausnahme von Fehlschüssen durch Lewandowski (24.) und Stilic (39.) keine nennenswerte Chance mehr, auch die Austria verzeichnete durch Blanchard (29./Volley aus 20 Metern daneben) und Okotie (38./Kopfball drüber) vor der Pause bestenfalls noch Halb-Chancen.

Nach dem Seitenwechsel kamen die Wiener mit deutlich mehr Schwung aus der Kabine und wurden erstmals in der 52. Minute gefährlich, als Sulimani aus elf Metern nach Acimovic-Freistoßvorlage den Ball nicht richtig traf. Drei Minuten später tankte sich Okotie im Strafraum durch, fand mit seinem Pass aber keinen Abnehmer.

Der zu diesem Zeitpunkt verdiente Ausgleich folgte schließlich in der 61. Minute. Nach einer Flanke von Bazina ging Murawski unmotiviert mit der Hand zum Ball, den vom zypriotischen Schiedsrichter Kapitanis dafür verhängten Elfer verwandelte Acimovic sicher.

Danach schien die Austria das Resultat relativ sicher über die Zeit zu bringen und geriet zunächst nur einmal in große Bedrängnis. In der 64. Minute klärte Standfest nach einem Lewandowski-Kopfball auf der Linie, den darauffolgenden Eckball beförderte Arboleda per Kopf knapp über die Querlatte.

Als schon alles auf einen Aufstieg der “Violetten” hindeutete, gelang den Polen doch noch der zweite Treffer. Eine Flanke von Arboleda verlängerte Lewandowski per Kopf auf Peszko, der aus kurzer Distanz einschoss (85.). Schon eine Minute später hätte die Partie noch in der regulären Spielzeit entschieden sein können, doch Safar war bei einem Flachschuss von Rengifo auf dem Posten. In der 93. Minute stand der Austria bei einem Lewandowski-Kopfball, der nur knapp das Ziel verfehlte, noch einmal das Glück zur Seite.

In der Verlängerung schlug sich Fortuna aber wieder auf die Seite der Polen, denn Lewandowski brachte die Gastgeber mit einem Schuss aus 20 Metern, der von zwei Austrianern leicht abgefälscht wurde, mit 3:1 in Führung. Die Wiener hatten jedoch postwendend die passende Antwort parat – Hattenberger versenkte eine optimale Flanke von Standfest per Hechtkopfball.

Die Polen versuchten es nach Gelb-Rot für Schiemer (106.) in den letzten Minuten mit der Brechstange und haderten zunächst mit dem Referee, der ihre Elfer-Reklamationen nach einem Trikot-Zupfer von Madl an Reiss (110.) und einem Zweikampf zwischen Madl und Peszko (117.) nicht erhörte. Schließlich hatten sie aber doch noch das glückliche Ende für sich, weil die Austria den Ball nicht aus der Gefahrenzone brachte und Murawski in der letzten Aktion des Spiels mit einem Schuss innerhalb des Strafraums traf.


Karl Daxbacher (Austria-Trainer): “Mir fällt nicht ein, was ich dazu sagen soll. Ich habe das Tor nicht genau gesehen. Wir haben den Ball, glaube ich, zweimal nicht wegschlagen können. Wir haben viel Lauffreudigkeit und Einsatz gezeigt und auch versucht, das Spiel zu drehen. Aber am Ende waren wir nicht die Glücklichen. Immer wenn wir in der Aufstiegssituation waren, hat Lech zugelegt, und auch umgekehrt. Lech hat am Ende alles riskiert. Gelb-Rot für Schiemer war bitter, aber wir sind hinten trotzdem gut gestanden und haben den Aufstieg nur um wenige Sekunden verpasst.”

Thomas Parits (Austria-Vorstand): “Es haben 30 Sekunden gefehlt, aber so ist es im Fußball. Wir waren in Ballbesitz und dann passiert so etwas. Wir haben aber alles gegeben.”

Markus Kraetschmer (Austria-Vorstand): “Wir haben jetzt schon einiges im Europacup erlebt, aber so knapp und bitter sind wir noch nie ausgeschieden. Es war ein Fehler zu viel. Jetzt müssen wir uns auf die Meisterschaft und den Cup konzentrieren. Mir tut die Mannschaft leid, ein toller Kampf ist nicht belohnt worden.”

Matthias Hattenberger (Austria-Mittelfeldspieler): “Ich habe den Ball vor dem dritten Gegentor nicht richtig getroffen. Jetzt kann man nichts mehr machen. Wir waren ein Mann weniger, haben leider vorne die Bälle nicht mehr gehalten und waren unter Dauerdruck. So kurz nach dem Spiel fehlen mir ein bisschen die Worte.”

Jocelyn Blanchard (Austria-Kapitän): “Wenn das Spiel zehn Sekunden kürzer dauert und wir steigen auf, dann sagt keiner mehr etwas. So nahe liegen Glück und Pech zusammen. Lech war nicht besser als wir.”


Lech Posen – FK Austria Wien Endstand 4:2 nach Verlängerung (2:1,1:0)
Miejski-Stadion, 24.000, SR Costas Kapitanis (CYP).
Hinspiel 1:2 – Lech Posen mit einem Gesamtscore von 5:4 in der UEFA-Cup-Gruppenphase (Auslosung am 7. Oktober in Nyon, Spiele vom 23. Oktober bis 17./18. Dezember).

Torfolge: 1:0 (10.) Rengifo
1:1 (61.) Acimovic (Elfmeter)
2:1 (85.) Peszko
3:1 (98.) Lewandowski
3:2 (100.) Hattenberger
4:2 (121.) Murawski

Lech: Kotorowski – Wojtkowiak, Tanevski (112. Djurdjevic), Arboleda, Wilk – Murawski, Injac (84. Reiss) – Peszko, Stilic, Lewandowski – Rengifo

Austria: Safar – Standfest, Bak, Schiemer, Majstorovic – Sulimani (69. Krammer), Blanchard, Hattenberger, Acimovic – Bazina (107. Madl) – Okotie (102. Diabang)

Gelb-Rot: Schiemer (106./wiederholtes Foulspiel)
Gelbe Karten: Tanevski, Arboleda, Peszko, Kotorowski, Stilic, Reiss bzw. Hattenberger, Acimovic, Majstorovic, Bak

Die Besten: Murawski, Peszko, Arboleda, Lewandowski bzw. Acimovic, Schiemer, Okotie, Safar

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