Seit sechs Monaten im Wachkoma

Am 13. März 2009 will Maximilian Mey, 27, spätabends auf seinem Balkon noch eine Zigarette rauchen - seine Freundin sieht kurze Zeit später nach ihm, da er auf Zurufe nicht reagiert. Zu ihrem Entsetzen ist Max zusammengebrochen - Minuten später stellt der herbeigerufene Notarzt einen Herz- und Atemstillstand bei ihm fest. Der junge Mann kann zwar reanimiert werden, fällt aber in ein Wachkoma - aus dem er bis heute nicht mehr aufgewacht ist.

Reinhard Mey, 66, will nicht länger über das Drama seines Sohnes schweigen. Er empfinde es als “drückende Last, nicht über ein Ereignis sprechen zu können, das die Familie in ihren Grundfesten erschüttert und das Leben von einem Tag auf den anderen auf den Kopf stellt”.

Mey spricht

Nun sprach Mey deshalb erstmals offen in der Talk-Show “Beckmann” (ARD 7. 9./ 22.47 Uhr) über die wohl schwerste Zeit seines Lebens: “Es hat sich rausgestellt, dass er eine schwere Lungenentzündung mit drei unterschiedlichen Keimen hatte.” Dies könne eine mögliche Ursache für den Zusammenbruch gewesen sein. Auch fanden sich Spuren eines Antiallergikums in Max’ Blut, zu dessen Nebenwirkungen auch Herzstillstände gehören.

Sein Sohn sei von den behandelnden Ärzten auf Herz und Nieren untersucht worden: Weder Schadstoffe, noch Drogen, noch Alkohol habe man dabei in Max’ Körper gefunden. Die Ärzte befürchten aber, dass das Gehirn durch den Herz- und Atemstillstand minutenlang nicht mit Sauerstoff versorgt worden war – schwere Hirnschäden könnten nun die Folge sein.

“Therapie, Therapie, Therapie”

Reinhard Mey und seine Frau Hella, 61, wollen die Hoffnung aber nicht aufgeben, dass ihr Sohn wieder gesund wird – auch wenn die Ärzte keine derartige Prognose über die weitere gesundheitliche Entwicklung von Maximilian Mey stellen können. “Es gibt Tage, an denen er hohes Fieber hat und eine Kontaktaufnahme nicht möglich ist. Und dann gibt es wieder Momente, wo wir inzwischen gelernt haben, an den Monitoren und Werten von Herzschlag, Sauerstoffsättigung des Blutes oder der Atemfrequenz zu merken: Da ist eine Reaktion”, erzählt der Liedermacher bei “Beckmann”.

Die ursprüngliche Hoffnung der Meys, dass ihr Sohn bald nach seinem Zusammenbruch wieder aus dem Koma erwachen würde, war mit jedem Tag, der verging, geringer geworden: “Als er aus dem ersten Koma erwacht ist und das erste Mal nach drei Tagen die Augen aufmachte, da dachten wir, jetzt geht das so weiter: Morgen wird er sich vielleicht schon bewegen können. Wir können nur unser Bestes tun. Therapie, Therapie, Therapie ? ihm alle Möglichkeiten anbieten, ihn aus diesem Dunkel wieder rauszulocken”, sagte Mey.

Dazu gehört auch, dass Mey mit seiner Gitarre am Krankenbett von Max steht, und ihm seine Lieder vorsingt. “Wir haben eine neue Aufgabe bekommen. Wir haben noch einmal, im Alter von 66 und 61 Jahren, ein Kind. Und alle Verpflichtungen, alle Kraft und allen Enthusiasmus, als er klein war.”

(seitenblicke.at/Foto:AP)

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