Segeltörn für Sehbehinderte: Sex-Übergriffe bei Massage und Begrüßung

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Schlimm zugegangen ist es auf einem Segeltörn für sehbehinderte Jugendliche, wenn die Anschuldigungen aller Beteiligter in einem Prozess am Wiener Landesgericht stimmen.

Dem blinden Obmann eines Wiener Vereins, der jährlich Urlaube für die Teenager veranstaltete, wird seitens der Mitarbeiter sexuelle Nötigung, gefährliche Drohung und Körperverletzung vorgeworfen.

Unter anderem soll der 37-Jährige einer Betreuerin zwischen die Beine und an den Busen gefasst haben. Zu einem Zwischenfall sei es bei einer Massage gekommen, die sie allen Teilnehmern angeboten habe, schilderte die junge Frau bei der Verhandlung am Dienstag. Sie sei über ihm gekniet, der Organisator habe schon nach etwa zweieinhalb Minuten versucht, ihren Intimbereich anzufassen. Trotz der Aufforderung “Hör auf” habe er dies insgesamt dreimal probiert, bis sie die Massage schließlich abgebrochen habe.

Bereits vor der Anreise sei es zu einem Übergriff gekommen, warf die Betreuerin dem Vereins-Obmann vor. Bei der überschwänglichen Begrüßung am Bahnhof durch den ihr damals noch gar nicht bekannten Angeklagten mit Bussis auf die Wangen, sei sie zurückgetreten. Dabei kamen laut der Frau dessen Hände auf ihrem Busen zu liegen, der blinde Mann habe dann “Auf-und-Abwärts”-Bewegungen gemacht und seine Arme nicht einfach weggenommen. Bei der anschließenden Busfahrt mit viel Alkohol habe er außerdem mehrere anzügliche Bemerkungen geäußert.

Im Raum stehen auch gefährliche Drohungen laut denen der 37-Jährige mehreren Personen massiv mit einem “Nachspiel” eingeschüchtert haben dürfte, sollte etwas von den Geschehnissen an die Öffentlichkeit geraten. Dabei seien Sätze wie “irgendwann kommt der oder die wieder in meine Gasse” oder “die werden dann nicht mehr aufstehen können” gefallen, berichtete die Zeugin sowie zwei weitere Betreuer.

Einer Körperverletzung soll sich der blinde Mann beim einer Rauferei mit einem zwei Köpfe größerem Betreuer schuldig gemacht haben. Ohne Grund habe der Angeklagte ihm plötzlich die Brille von der Nase geschlagen, erklärte der muskulöse Zeuge dem Richter. “Er ist völlig ausgerastet.” Der 37-Jährige habe wie ein “Dreschflegel” wild um sich geschlagen und ihm ein blaues Auge, Rippenprellungen sowie Hämatome zugefügt. Der Obmann habe ihn außerdem mit dem “Abstechen” bedroht und unflätigst beschimpft. Aufgefallen waren die Verletzungen nur einigen Zeugen, viele gaben an, sich nicht daran erinnern zu können. Laut früheren Aussagen anderer Zeugen soll dem Streit eine Kampfaufforderung des Angeklagten vorangegangen sein, die der Betreuer angenommen habe.

Der 37-Jährige bestritt die Vorfälle als “Lügenkonglomerat” der Betreuer und “Racheakt” seiner früheren Lebensgefährtin, die ebenfalls im Verein tätig war. Auch den Vorwurf sexueller Übergriffe richtete der Angeklagte gegen seine Mitarbeiter: Der Mann, dem er eine Körperverletzung zugefügt haben soll, habe ein sehbehindertes Mädchen aufgefordert sich auf seinen nackten Schoß zu setzen, erklärte er. Der Teenager sei die ganze Fahrt über “sehr zutraulich” gewesen, er habe das allerdings eher als “Vaterrolle” aufgefasst, erklärte der beschuldigte Betreuer dem Richter. Sie habe sich gegen seinen Wunsch für zwei Minuten auf seinen Schoß gesetzt, er habe sie daraufhin gebeten dies zu lassen.

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