Sechs Jahre Haft für erpresserische Entführung

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Rascher als erwartet ist der Prozess um die erpresserische Entführung einer 20-jährigen Chinesin zu Ende gegangen - Zhuhe L. (38), der Kopf einer sieben Personen umfassenden Gruppierung, wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt.

Vier seiner allesamt aus China stammenden Mittäter wurden ebenfalls der erpresserischen Entführung schuldig erkannt und zu Haftstrafen zwischen 14 Monaten und drei Jahren verurteilt. Zwei Jugendliche kamen wegen ihrer untergeordneter Beteiligung mit bedingten Freiheitsstrafen von sechs bzw. acht Monaten davon. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.

Tagelang festgehalten und eingeschüchtert

Zhuhe L. (38) hatte am 2. Jänner mit einer List seine 20-jährige Landsfrau in eine Wohnung in Wien-Hernals gebracht, wo sie tagelang festgehalten und eingeschüchtert wurde. Erst als ihre Eltern umgerechnet 6.500 Euro bezahlten, wurde sie am Dreikönigstag frei gelassen.

12.000 Euro für Schlepperorganisation

Die junge Frau hatte in ihrer Heimat einer Schlepperorganisation fast 12.000 Euro überlassen und dafür versprochen bekommen, man werde sie von China nach Spanien bringen. Die Reise ging allerdings in Österreich vorzeitig zu Ende, die 20-Jährige strandete in Wien und fand bei einem Landsmann Unterschlupf.

In dessen Wohnung lernte sie Zhuhe L. kennen, der in einem China-Restaurant beschäftigt war. Er erfuhr ihre Geschichte, und ihm kam auch zu Ohren, dass die Schlepperorganisation nur einen Teil der vereinbarten Summe erhalten hatte. Daraus versuchte er Kapital zu schlagen.

Jüngste Helfer erst 16 Jahre alt

Unter der Vorspiegelung, er könne ihr einen Job als Barkeeperin verschaffen, lockte er sie in die fremde Wohnung. Dort wurde die junge Frau gleich ein Mal geohrfeigt und getreten. Man drohte ihr mit dem Verabreichen gefährlicher Drogen, hinderte sie am Verlassen des Raumes, bewachte sie rund um die Uhr. Der jüngste Helfer des Haupttäters war erst 16 Jahre alt. Man zwang das Opfer schließlich, ihre Eltern in China anzurufen. Zhuhe L. gab vor, er sei Mitglied der Schlepperbande und verlangte die noch ausständige Summe. Dass er sich dabei an der Bekleidung der 20-Jährigen zu schaffen machte und die Eltern am Telefon ihre Schreie zu hören bekamen, dürfte die geforderte Überweisung von 70.000 chinesischen Yuan Renminbi auf ein Konto einer chinesischen Bank beschleunigt haben. Nach Zahlungseingang wurde die 20-Jährige am 6. Jänner frei gelassen.

Sie hätte den Vorfall von sich aus vermutlich niemals angezeigt. Einer ihrer Bekannten erzählte davon allerdings seiner Ziehmutter, die mit einem Beamten des Bundeskriminalamts befreundet ist. Der Sache wurde nachgegangen, nach und nach klickten für sämtliche an der Entführung Beteiligten die Handschellen.

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