Südkorea: Artilleriefeuer nahe innerkoreanischer Grenze

Nahe der innerkoreanischen Grenze sind am Freitag erneut Artillerie-Geschoße abgefeuert worden. Einem Bericht des südkoreanischen Fernsehsenders YTN zufolge geht das Militär allerdings nicht davon aus, dass der verfeindete Süden das Ziel war. Vielmehr habe Nordkorea offenbar eine militärische Übung an der umstrittenen Seegrenze im Gelben Meer abgehalten, hieß es aus dem Verteidigungsministerium in Seoul gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.
Nordkorea feuert auf Südkorea: Nach dem Angriff
Nordkoreas Geschoße schlugen auf Südkoreanische Insel ein

Die Manöverpläne brächten die koreanische Halbinsel an den “Rand eines Krieges”, hieß es in einer Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA. “Wer mit gerne mit dem Feuer spielt, wird darin umkommen”, drohte Pjöngjang. Südkorea und die USA wollen das Manöver ab Sonntag abhalten.

Die Mitteilung wurde kurz vor dem Besuch des US-Kommandanten in Südkorea, General Walter Sharp, auf der Insel Yeonpyeong verbreitet, die nur elf Kilometer vor der nordkoreanischen Küste liegt. Vier Menschen waren dort bei dem Artillerieangriff Nordkoreas am Dienstag ums Leben gekommen. Kurz darauf drohte Pjöngjang mit weiteren Attacken, sollten seine Forderungen nicht erfüllt werden.

Der südkoreanische Präsident Lee Myung-bak ernannte unterdessen den früheren Generalstabschef Kim Kwan-jin zum neuen Verteidigungsminister. Der 61-Jährige gelte als “typischer Soldat”, der sich durch starke Führungskraft auszeichne, sagte ein Sprecher Lees. Zuvor hatte eine Meldung der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap für Verwirrung gesorgt, wonach der Präsident seinen sicherheitspolitischen Berater Lee Hee-won auf den Posten des Verteidigungsministers berufen habe. Dies wurde vom Präsidentenamt in Seoul dementiert.

Der bisherige Ressortchef Kim Tae-young war nach heftiger Kritik an der Reaktion Seouls auf den nordkoreanischen Beschuss am Donnerstag zurückgetreten. Kritiker hatten erklärt, die Insel Yeonpyeong sei nicht auf den Angriff Pjöngjangs vorbereitet gewesen und die südkoreanischen Streitkräfte hätten das Feuer zu spät erwidert.

Im Konflikt mit Nordkorea setzen die USA weiterhin auf die Unterstützung und Vermittlung Chinas. Präsident Barack Obama werde in den kommenden Tagen ein Telefonat mit seinem chinesischen Kollegen Hu Jintao führen, sagte ein US-Präsidialamtssprecher. Ein Sprecher des Außenministeriums in Peking machte am Freitag deutlich, dass im Mittelpunkt des Gesprächs die Wiederbelebung der auf Eis liegenden Sechs-Nationen-Gespräche über das nordkoreanische Atomprogramm stehen sollte. Zugleich äußerte er sich erneut besorgt über das ab Sonntag geplante Militärmanöver der USA und Südkoreas.

Die Führung in Pjöngjang hatte angegeben, mit dem Angriff am Dienstag auf einen Beschuss durch Südkorea reagiert zu haben. Nord- und Südkorea haben nach dem Ende des Korea-Krieges von 1950 bis 1953 noch keinen Friedensvertrag unterzeichnet und befinden sich formell weiter im Kriegszustand. Zudem erkennt Nordkorea die damals einseitig festgelegte Seegrenze nicht an.

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