Screeningprogramm als großer Fortschritt

Viele Jahre lang forderten österreichische Fachleute ein organisiertes Brustkrebs-Screeningprogramm für Frauen. Brustgesundheits-Doyen und Gynäkologe Ernst Kubista sprach wegen der lange Zeit nicht erfolgten Umsetzung der Pläne gar von "Schande". Jetzt startet das Projekt mit Jänner 2014. Hier die Details:


– In Österreich erkranken pro Jahr rund 5.000 Frauen an einem Mammakarzinom, es gibt etwa 1.600 Todesfälle durch diese Erkrankung. Sinnvoll wäre das Erkennen im Frühstadium, wenn noch keine Lymphknoten befallen oder Metastasen aufgetreten sind und die Krankheit damit unheilbar geworden ist. Gleichzeitig kann eine frühe Diagnose die Rate brusterhaltender Operationen erhöhen.

– Im Rahmen des Programms werden alle Frauen zwischen dem 45 und dem 69 Jahren alle zwei Jahre eine persönliche Einladung zur Mammografie (Frauen zwischen 40 und 44 sowie zwischen 70 und 74 Jahren können eine Einladung telefonisch anfordern). Die Untersuchung ist kostenlos. Die Einladung genügt zum Vorlegen beim Radiologen. Die ersten Einladungen gibt es ab 7. Jänner 2014.

– Für alle Untersuchungen gilt das Vier-Augen-Prinzip (unabhängige Begutachtung durch jeweils zwei Radiologen, die von den Aussagen ihres Kollegen nichts wissen).

– Rund 570 österreichische Radiologen an 190 Stellen haben sich über ein rigoroses Ausbildungsprogramm für die Früherkennungs-Mammografie im Rahmen des Projektes zertifizieren lassen. Jeder von ihnen muss jährlich mindestens 2.000 Befundungen durchführen, sonst wird er automatisch gesperrt.

– Alle Untersuchungen werden unter Wahrung des Datenschutzes gespeichert. Es gibt ein begleitendes Evaluierungsprogramm, um auf eventuelle Probleme reagieren zu können.

– Wenn bei der Mammografie Hinweise auf ein besonders dichtes Brustgewebe auftauchen oder eine Auffälligkeit festgestellt wird, kann sofort nach der Mammografie eine ergänzende Ultraschalluntersuchung erfolgen. Das erhöht die Sicherheit.

– Die Auswahl der für das Früherkennungsprogramm infrage kommenden Altersgruppen orientiert sich an der ab 45 Jahren ansteigenden Häufigkeit von Mammakarzinom-Erkrankungen. Der Gipfel der Neuerkrankungen wird in der Altersgruppe über 50 Jahren verzeichnet.

– Da es sich um Röntgenuntersuchungen mit geringer, aber doch vorhandener Strahlenbelastung bei gesunden Frauen ohne entsprechende Diagnose handelt, müssen Nutzen und Risiko besonders gut austariert werden. Deshalb wird beispielsweise nicht jährlich eingeladen werden. Allerdings, bei Veränderungen, die beobachtet werden sollen, wird es im Rahmen des Programms auch Intervalle von sechs und zwölf Monaten geben. Für Frauen mit einem erblich bedingt erhöhtem Risiko etc. wird es die Untersuchungen zu jeder Zeit geben.

– Die Aufklärung über den Befund erfolgt zunächst beim Radiologen. Selbstverständlich kann vor und nach der Früherkennungsmammografie auch jeder andere Vertrauensarzt (Hausarzt, Gynäkologe) konsultiert werden.

– Bei einem auffälligen Befund wird die Betroffene direkt zu ergänzenden Untersuchungen (Magnetresonanztomografie, Biopsie) weitergeleitet.

– Würde es sonst keine Früherkennungsmammografie geben, sollte eine Beteiligung von 70 Prozent der infrage kommenden Frauen zu einer Reduktion der Brustkrebs-Sterblichkeit um rund ein Drittel führen. Diese hohe Beteiligungsrate dürfte allerdings auch in Österreich erst in einigen Jahren zu realisieren sein. Das Programm muss erst etabliert und akzeptiert sein.

– Ein Problem: Bei in der Mammografie festgestelltem Mammakarzinomverdacht mit nachfolgender Biopsie handelt es sich zu einem gewissen Prozentsatz um falsch positive Befunde. Dieser Anteil könnte am Beginn bei etwa sieben Prozent der Verdachtsfälle liegen. Hier gibt es aber bei solchen Programmen eine Lernkurve, welche die Situation verbessert. Die Schwierigkeit liegt darin, dass einerseits ein Screeningprogramm ausreichend genau sein und oft genug “ausschlagen” muss, andererseits aber die Rate der falsch positiven Befunde wegen Übergenauigkeit auch nicht zu hoch sein soll.

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