Schweizer Regierung plant Atomausstieg

Die Schweiz soll nach dem Willen der Regierung aus der Atomenergie aussteigen. Sie hat sich dafür ausgesprochen, dass die bestehenden Atomkraftwerke am Ende ihrer Betriebsdauer nicht ersetzt werden.
Alle Schweizer AKWs müssen nachgebessert werden
Hitze setzt Schweizer AKW zu
Die fünf Schweizer AKW

Die Schweizer Regierung (Bundesrat) will bis zum Jahr 2034 aus der Atomkraft aussteigen. Der Bundesrat sprach sich am Mittwoch in einer Empfehlung an das Parlament dafür aus, die fünf bestehenden Atomreaktoren nach Ablauf ihrer Betriebsdauer nicht zu ersetzen. Die sieben Kabinettsmitglieder zeigten sich überzeugt, dass “ein schrittweiser Ausstieg technisch möglich und auch wirtschaftlich tragbar” sei.

Entscheidung Mitte des Monats

Der Bundesrat wünsche, weiterhin eine sichere Energieversorgung in der Schweiz zu garantieren, erklärte die Regierung. Mittelfristig solle dies jedoch ohne Atomkraft gehen. Die Abgeordneten sollen vom 8. Juni an über den Atomausstieg beraten. Mit einer Entscheidung wird Mitte des Monats gerechnet. Das Parlament folgt üblicherweise den Entscheidungen der Regierung. In der Schweizer Bevölkerung ist der Widerstand gegen die Atomkraft seit der Katastrophe im japanischen Atomkraftwerk von Fukushima deutlich gestiegen.

Fünf AKWs in der Schweiz

Die Schweiz verfügt über fünf Atomreaktoren an vier Standorten, die alle im deutschsprachigen Teil des Landes liegen. Die Regierung sieht für die Reaktoren eine Betriebsdauer von 50 Jahren vor. Entsprechend seines Baujahrs soll der Reaktor Beznau I im Jahr 2019 als erster vom Netz gehen. Beznau II und Mühlberg sollen 2022 und Gösgen 2029 folgen. Als letzter Atomreaktor soll Leibstadt im Jahr 2034 stillgelegt werden.

Erneuerbare Energien

Die Regierung will auf den Ausbau der Wasserkraft und anderer erneuerbarer Energien sowie notfalls auf den Import von Strom setzen, um den Wegfall der Atomkraftwerke auszugleichen. In ihrer Erklärung forderte sie die Städte und Kommunen auf, ein Beispiel zu setzen, indem sie einen größtmöglichen Teil ihres Strom- und Wärmebedarfs aus erneuerbaren Quellen deckten. Die Regierung appellierte auch an die Industrie, ihren Energieverbrauch zu reduzieren.

Die Regierung zeigte sich überzeugt, dass der Atomausstieg Firmen im Bereich der Umwelttechnologien stärken und damit Arbeitsplätze schaffen werde. Sie rechnet für den Bau neuer Kraftwerke und für Maßnahmen zur Stromeinsparung mit jährlichen Kosten in Höhe von 0,4 bis 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Atomausstieg auch Thema in Deutschland

In Deutschland will die Bundesregierung am 6. Juni den Atomausstieg beschließen. Die CSU hatte sich am Wochenende für eine Abschaltung der AKW bis 2022 ausgesprochen. Opposition und Umweltverbände treten für einen schnelleren Ausstieg ein. Widerstand gegen die von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) angekündigte Festlegung eines konkreten Datums für den Atomausstieg gibt es aus Industrie und FDP. (APA)

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