Schweigeminuten in Wien

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In drei EU-weiten Schweigeminuten wurde am Mittwoch um 12.00 Uhr der Opfer der Flutkatastrophe in Asien gedacht. Die Österreichische Öffentlichkeit hielt den Gedenkakt recht unterschiedlich ein.

Wo man die öffentlichen Aufrufe akustisch verstehen konnte, zeigte sich große Betroffenheit in den Gesichtern der Menschen. Bei den Wiener Linien wurden Straßen-, U-Bahnen und Autobusse für eine Minute lang angehalten. Am Stephansplatz läutete drei Minuten lang die „Stephanus-Glocke“.

Betroffene Gesichter und betende Hände

Nur teilweise erfuhren die Passagiere am Wiener Westbahnhof, dass es sich bei der Durchsage um 12.00 Uhr um einen Aufruf zu einer Schweigeminute hielt. Der Hall verschluckte Teile der Botschaft. Für internationale Reisende gab es keine Ansage auf Englisch. Jene, die den Aufruf verstanden hatten, verharrten tatsächlich schweigend. Man sah Menschen vor den Rolltreppen abrupt stehen bleiben. Gesenkte Köpfe, betroffene Gesichter und vor dem Körper gefaltete Hände zeigten, dass die Trauer über die Katastrophe tief sitzt und die Anteilnahme ernst gemeint ist.

In der Passage zwischen U-Bahn und Westbahnhof ging das Leben auch während der Schweigeminute weiter. Man hätte keine besondere Veränderung gemerkt, meinte ein „Amnesty-Spendensammler“. Er und seine herbeigeilte Kollegin finden jedoch eine Andacht sinnvoll:
„Natürlich soll man gedenken, wenn 200.000 Leute sterben“, so der junge Mann zur APA.

“Für ein paar Minuten innehalten”

Ähnlich sahen es die Leute auf dem Stephansplatz. „Man geht ohnehin viel zu schnell zum Alltag über. Eine solche Aktion lässt uns wenigstens für ein paar Minuten inne halten“, meinte ein ältere Dame. Ihr Begleiter meinte: „Aber viel wichtiger ist es, den Betroffenen jetzt zu helfen.“

Die Wiener Linien hielten für eine Minute ihre Straßen-, U-Bahnen und Autobusse an. Ein Fahrer der Straßenbahnlinie D berichtete, in seinem Zug sei es ganz still gewesen. „Keiner hat geredet oder gefragt, warum nicht weitergefahren wird.“ Und für den Zeitplan sei es auch kein großes Problem gewesen, man sei einfach in die nächste Station eingefahren und habe gewartet. Auf den Straßen sei jedoch sonst nicht viel zu merken gewesen. An Autolenkern und Fußgängern dürften die Schweigeminuten vorbeigegangen sein.

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