Schweden ohne taktisches Geplänkel

Schweden reicht am Mittwoch in Innsbruck im "Finale" der EURO-2008-Gruppe-D gegen Russland ein Remis zum Einzug ins Viertelfinale.

Trotz der Last-Minute-Niederlage gegen Spanien (1:2) blickte Teamchef Lars Lagerbäck dem Match um 20.45 Uhr im Tivoli Neu optimistisch entgegen. “Das Team hat genug Charakter, um die bittere Niederlage wegzustecken. Wir haben unser Schicksal noch immer in den eigenen Händen.”

Die Taktik, von Anpfiff weg auf ein Unentschieden aus zu sein, lehnte Lagerbäck strikt ab. “Aufs Feld zu gehen und auf ein Remis zu spielen ist sehr schwierig. Wir werden auf unsere Stärken bauen und auf Sieg spielen. Mit der selben Konzentration wie gegen Griechenland und Spanien sollten gegen Russland drei Punkte möglich sein”, erklärte der 59-Jährige. Schwedens Goalie Andreas Isaksson sieht die Ausgangslage als “leichten Vorteil” für sein Team. “Aber es wird sehr hart werden, es steht viel auf dem Spiel”, meinte der Manchester-City-Schlussmann, der wie sein Teamchef ausschloss, dass die Schweden von Anfang an auf ein Remis spielen werden.

Lagerbäck sieht es als Vorteil, dass seine Truppe schon bei den jüngsten Turniereinsätzen derartige Schicksalsspiele zu absolvieren hatte. “Daraus kann man lernen und profitieren. Das sollte ein Vorteil für uns sein.” Bei der WM 2006 schafften die Schweden durch ein 2:2 im finalen Gruppenmatch gegen England den Aufstieg ins Achtelfinale, bei der EM 2004 war es ebenfalls ein 2:2 am letzten Gruppenspieltag gegen Dänemark, das den Einzug ins Viertelfinale brachte. Und bei der WM 2002 schnappte man sich mit einem 1:1 im entscheidenden Gruppenmatch gegen Argentinien das Achtelfinalticket. Ein Remis würde ja auch diesmal gegen die Russen reichen.

Auch die Statistik der direkten Duelle spricht für die Schweden, die Skandinavier haben gegen die Russen – die Zeit der Sowjetunion nicht berücksichtigt – noch nie verloren. In fünf Partien gab es drei Siege und zwei Unentschieden.

Lagerbäcks kampfkräftiges und routiniertes, aber oft ein wenig ideenlos wirkendes Team scheint in der Offensive mehr denn je von den Genieblitzen des Inter-Torjägers Zlatan Ibrahimovic abhängig zu sein. “Ibrahimovic ist ein Weltklassestürmer. Wenn er auf dem Platz steht, steigen unsere Chancen”, weiß Lagerbäck über die Wertigkeit seines Stürmerstars, der zwei der drei bisherigen Turniertreffer der Skandinavier erzielt hat.

Schwedens Teamarzt Magnus Forssblad hofft, dass “Ibracadabra”, der gegen Spanien zur Sicherheit nach 45 Minuten ausgetauscht wurde, trotz seiner hartnäckigen Probleme im linken Knie auch gegen Russland auf dem Platz stehen wird. Lagerbäck geht davon aus, dass der Italien-Legionär von Beginn an dabei sein kann. “Ob es für 90 Minuten reicht, weiß ich allerdings nicht”, betonte Lagerbäck, der gegen die Russen wohl auch wieder auf den verletzt gewesenen Niclas Alexandersson zurückgreifen kann.

Die Moral der Truppe scheint nach dem Rückschlag gegen Spanien, der allerdings an der Ausgangslage fürs Russland-Match nichts geändert hat, längst wieder intakt zu sein. “Die letzten Sekunden des Spanien-Spiels werden uns noch lange verfolgen. Aber der schwedische Traum lebt, die Russen sind nicht so stark wie die Spanier”, stellte Innenverteidiger Peter Hansson klar. Johan Elmander fordert von sich und seinen Kollegen “90 Minuten Feuer und Charakter und einen Sieg”.

  • VIENNA.AT
  • Fussball-EM
  • Schweden ohne taktisches Geplänkel
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen