Schwarzecker: Habe erst 2001 Verluste erkannt

Der frühere BAWAG-Vorstand Josef Schwarzecker hat nach eigenen Angaben erst zu Jahresbeginn 2001 die großen Verluste für die Bank durch die Geschäfte mit Wolfgang Flöttl erkannt.

Damals habe er das Gespräch mit dem Wirtschaftsprüfer der Bank, Robert Reiter, gesucht. Differenzen zwischen den an Flöttl erteilten Krediten und den Vorstandsgenehmigungen sowie zwischen dem Flöttl-Vermögen und den von Flöttl verursachten Verlusten seien ihm aufgefallen, schilderte er Montagnachmittag im BAWAG-Prozess: „Ich war der Meinung, da kann irgendetwas nicht stimmen“.

Aufsichtsratspräsident Günter Weninger habe er damals sogar angeboten, seinen Job zurückzulegen, sagte Schwarzecker heute. „Warum sind Sie dann nicht zurückgetreten?“, fragte Richterin Claudia Bandion-Ortner. Nach dem Kauf der P.S.K. durch die BAWAG sei er gebeten worden zu bleiben, um den großen technischen Aufwand zu bewältigen, so der für IT-Angelegenheiten zuständige ehemalige Bank-Vorstand. Der Wirtschaftsprüfer habe ja die Bilanz testiert, der Eigentümer ÖGB sei mit einer Garantie voll hinter der Bank gestanden.

Die Richterin las Teile aus einem Schreiben Schwarzeckers, das dieser offenbar im Jahr 2005 nach dem BAWAG-Blitzkredit an Refco verfasst hatte. „Das Geld ist nie weg, es hat nur wer anderer“, zitierte sie und „Ich lasse mich nicht abschlachten wenn ich unschuldig bin“. Er sei damals trotz seiner Vorstandsfunktion „informationsmäßig total kaltgestellt worden“, beklagte Schwarzecker. Im Jahr 2001 sei ihm erstmals bewusstgeworden, dass die an ihn übermittelten Informationen nicht mit den Fakten übereinstimmten. Er habe darauf gedrängt, dass die Firmen und Geschäfte mit Flöttl zusammengezählt werden, „man hatte ja damals keinen Überblick“, ortet er Unwissen über die Flöttl-Geschäfte im Vorstand.

Der frühere BAWAG-Wirtschaftsprüfer Robert Reiter von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG sah aus seiner Sicht im Dezember 2000 keine Bestandsgefährdung der Bank. Weninger habe versichert, dass der ÖGB voll hinter der Bank stehe. Da sei für ihn klar gewesen, dass er weder seine Redepflicht noch seine Anzeigepflicht ausüben müsse, so Reiter heute bei seiner Befragung.

Der Sachverständige Thomas Keppert wollte von den Vorständen wissen, ob sie bei der Unterschrift unter den Jahresabschluss der BAWAG 1999 nach den Verwertungserlösen der Bilder gefragt hätten. Er habe im Glauben, dass die Werte der Bilder existieren, den Jahresabschluss unterschrieben, erläuterte Christian Büttner. Die Bilanz sei von Johann Zwettler erläutert worden, berichtete Schwarzecker, außerdem seien die im Jahr 1998 nicht realisierten Gewinne aus dem Verkauf der Anteile des Handynetzbetreibers max.mobil dann 1999 in die Bücher geflossen.

Offiziell meldete die BAWAG für 1999 Rekordprofite: Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) legte um 38,7 Prozent auf 1,744 Mrd. Schilling (126,7 Mill. Euro) zu. Die Dividende blieb unverändert bei 12 Prozent.

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