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Schwangere abgewiesen: Behörde stellt AKH-Entscheidung infrage

Außenansicht des Wiener Allgemeinen Krankenhauses (AKH).
Außenansicht des Wiener Allgemeinen Krankenhauses (AKH). ©APA
Nach dem Bekanntwerden, dass eine Schwangere trotz Blutungen in zwei Wiener Spitälern nicht aufgenommen worden war und schließlich auch ihr Kind verlor, untersucht nun die Behörde den Fall.
Blutende Schwangere wurde abgewiesen
Krankenhaus Göttlicher Heiland wehrt sich

Die MA 40 (Sozial- und Gesundheitsrecht), prüft, ob mit den Abweisungen gegen das Gesetz verstoßen worden ist. Bei den zwei Spitälern handelt es sich um den Göttlichen Heiland und das AKH. “Auf den ersten Blick denke ich, dass die Entscheidung des AKH nicht richtig war”, erklärte Renate Christ, Leiterin der MA 40, am Donnerstag im APA-Gespräch.

Keine vorschnelle Verurteilung

Die MA 40-Leiterin betonte jedoch auch: “Ich will niemanden vorschnell verurteilen.” Sie kenne bisher nur die Geschichte der Betroffenen aus Medienberichten: “Ich habe noch keinen runden Sachverhalt.” Die beiden Anstalten AKH und Göttlicher Heiland seien von der MA 40 aufgefordert worden, ihre Sichtweise darzulegen.

MA 40 will Stellungnahmen

So will die MA 40 vom Göttlichen Heiland etwa wissen, ob die Frau untersucht wurde, wie lange die Untersuchung dauerte und was die Grundlage für die Entscheidung gewesen sei, sie nicht stationär aufzunehmen. Vom AKH verlangt die Behörde Informationen, ob die Schwangere untersucht und warum sie abgewiesen worden sei, sowie warum man sie nicht an ein anderes Spital verwiesen habe. Außerdem wurde erfragt, wie im Allgemeinen Krankenhaus grundsätzlich damit umgegangen werde, wenn Schwangere mit Blutungen um Hilfe ansuchen. Auch von der Rudolfstiftung, welche die Frau schließlich aufgenommen hat, wird ein Bericht angefordert: Hier will die MA 40 die Motive für eine Aufnahme wissen.

Im APA-Gespräch verwies Christ auf zwei Gesetze, die bei der Untersuchung herangezogen werden. Im Paragraf 36 (4) des Krankenanstaltengesetzes wird etwa definiert, welche Personen unabweisbar sind – das heißt, welche Personen aufgenommen werden müssen. Dabei handle es sich zum Beispiel um eine Person, bei der aufgrund ihres körperlichen Zustandes Lebensgefahr bzw. eine Gefahr der schweren Gesundheitsschädigung bestehen könnte, erklärte Christ. Es seien jedenfalls Frauen aufzunehmen, bei denen die Entbindung unmittelbar bevor stehe.

Auf den ersten Blick: AKH-Entscheidung falsch

“Auf den ersten Blick denke ich, dass die Entscheidung des AKH nicht richtig war”, sagte Christ. Sie erklärte ihre Sichtweise: “Wenn dort wirklich eine schwangere Frau mit starken Blutungen steht, dann würde ich sie grundsätzlich als unabweisbar einstufen.” Laut “Kurier” wurde der Frau in der AKH-Schwangerenambulanz gesagt, dass man für sie keinen Platz und keine Zeit habe. Sie wurde nach Hause geschickt.

Die Ärzte im Göttlichen Heiland, dem ersten Spital, in dem die Frau Hilfe suchten, sei diese “zumindest” untersucht worden. Die ärztliche Entscheidung, die Schwangere nach Hause zu schicken, beruhe dort zumindest auf einer Untersuchung.

Verwaltungsstrafe von 2.100 Euro droht

Jetzt müsse jedenfalls erst einmal der Sachverhalt geklärt werden: “Sollte bei unserer Sachverhaltsermittlung herauskommen, dass die Dame unabweisbar war, dann werden wir einen entsprechenden Strafantrag einbringen.” Dabei könnte beiden Krankenanstalten eine Verwaltungsstrafe von bis zu 2.100 Euro drohen.

Auch das Ärztegesetz wird bei der Untersuchung herangezogen. Denn Ärzte dürfen diesem zufolge im Falle drohender Lebensgefahr die Erste Hilfe nicht verweigern. Sollte dies der Fall gewesen sein, dann würden die Ärzte, die die Frau weggeschickt haben, zu Verantwortung gezogen werden. Bei einem Vergehen würde eine Geldstrafe verhängt werden. Bei der behördlichen Untersuchung soll außerdem die Frage geklärt werden, ob das Kind auch gestorben wäre, wenn die Frau gleich aufgenommen worden wäre.

Ein Ergebnis soll es schon bald geben: “Ich hoffe, dass wir es in allerspätestens zwei Wochen aufgeklärt haben”, kündigte Christ an. (APA)

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