Schwache Beteiligung bei der heutigen Europa-Wahl

Eu-Wahl in Wien
Eu-Wahl in Wien ©APA
Die EU-Wahl ist am Sonntag eher schleppend angelaufen. Aus fast allen Bundesländern wurde bis Mittag eine geringere Beteiligung als vor fünf Jahren gemeldet. Immerhin: In Wien war die Teilnahme bis 14:00 Uhr etwas stärker als 2004.

Erwartet wird bei der Wahl ein Kopf-an-Kopf-Rennen um Platz eins zwischen SPÖ und ÖVP. Während sich der sozialdemokratische Spitzenkandidat Hannes Swoboda bei der Stimmabgabe eher skeptisch gab, strahlte VP-Spitzenmann Ernst Strasser Zuversicht aus.

Wiener Wahlbeteiligung stärker

Die Beteiligung bei der heutigen EU-Wahl lag in Wien am Nachmittag sogar leicht höher als 2004: Wie die Leiterin der Landeswahlbehörde, Stadträtin Sandra Frauenberger (S), bekanntgab, lag die Wahlbeteiligung um 14.00 Uhr bei 26,80 Prozent (2004: 26,04 Prozent). Insgesamt hatte die Wahlbeteiligung beim Urnengang vor fünf Jahren 36,88 Prozent betragen.

Die Wahllokale in der Bundeshauptstadt – in der am Sonntag trotz Wolken und Wind angenehme Frühlingstemperaturen herrschten – schließen einheitlich um 17.00 Uhr. Erste Bezirksergebnisse werden gegen 18.00 Uhr erwartet.

Strasser oder Svoboda?

Der ehemalige Innenminister ging mit mit Lebensgefährtin Elisabeth Kaiser an der Seite in Grafenwörth zur Wahl. Die Chance sei da, Nummer eins zu werden, frohlockte Strasser, der zur Ertüchtigung bereits in den Morgenstunden einen Lauf und einen Sprung in einen Badesee hingelegt hatte. Auch der Listenzweite Othmar Karas, der sich erhofft, durch seinen Vorzugsstimmenwahlkampf noch die Nummer eins bei den Schwarzen zu werden, zeigte sich hoffnungsfroh. Er erwarte sich ein “sehr gutes Ergebnis”. Die Vorzugsstimme gab sich Karas, der gemeinsam mit Wissenschaftsminister Johannes Hahn (V) im Wahllokal erschien, natürlich selbst.

Bei den Sozialdemokraten, die 2004 noch Platz eins errungen hatten, war der Optimismus deutlich geringer ausgeprägt. “Ich bin Realist”, gab sich Spitzenkandidat Swoboda auf die Frage nach dem Wahlausgang zurückhaltend: “Man muss kämpfen. Manchmal wird man Erster, manchmal wird man Zweiter.” 2004 sei die SPÖ trotz des starken Einbruchs der damaligen Regierungspartei FPÖ nur knapp vor der ÖVP gelegen. Diesmal sei die FPÖ in Opposition. Das sei eine andere Ausgangsposition.

Platz drei vor allem gegen die FPÖ zu verteidigen hat Hans-Peter Martin. Während sich direkt nebenan Hobby-Sportlerinnen beim Frauenlauf durch den Prater quälten, schlenderte der unabhängige EU-Rebell mit Ehefrau Heike gemächlich in sein Wahllokal im Zweiten Wiener Gemeindebezirk, legte sich ein wenig – wenngleich mehr scherzhaft – mit der roten Wahlbeisitzerin an und gab sich in seiner Zielsetzung bescheiden. Für ihn wäre schon das Erreichen eines Mandats persönlich ein Erfolg. Beim letzten Mal hatte seine Liste noch zwei Sitze geholt.

Mindestens zwei Mandate peilen die Freiheitlichen an, die mit Martin in den Umfragen in etwa gleichauf liegen. Spitzenkandidat Andreas Mölzer schritt siegesbewusst am Ossiachersee zur Wahl: “Wir können nur gewinnen, das weiß eh ein jeder”, meinte der freiheitliche EU-Vertreter angesichts eines Ausgangswertes von nur 6,3 Prozent. Bei seiner Zielsetzung gab sich Mölzer im Vergleich zu den Umfragedaten bescheiden. Eine Verdoppelung der Stimmen wäre sein Ziel.

Hart zu kämpfen hatten die Grünen im Wahlkampf, unter anderem durch eine rasante Medienkampagne des gekränkten, nicht mehr berücksichtigten früheren Spitzenmannes Johannes Voggenhuber. Das zweite Mandat wackelt laut Umfragen. Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek, die ihren Sitz noch zusätzlich durch eine Vorzugsstimmenkampagne der Listenzweiten Eva Lichtenberger bedroht sieht, bleibt unverdrossen optimistisch: “Wir werden beide Mandate erhalten.” Ob sie allenfalls auf ihres bei einer Wahlschlappe verzichten könnte, ließ Lunacek offen.

Bangen muss das BZÖ, ob es angesichts der reduzierten Mandatszahl für Österreich – 17 statt 18 – bei der erstmaligen Kandidatur überhaupt den Einzug ins Europaparlament schafft. Spitzenkandidat Ewald Stadler hat da keine Zweifel. Sechs Prozent oder mehr müssten zu erreichen sein, meinte der orange Europäer, als er früh des Morgens mit Ehefrau und dem jüngsten seiner sechs Kinder in Tracht die Wahl in seinem Wohnort Etsdorf antrat.

Wahlschluss in Österreich ist um 17 Uhr. Dann werden auch die ersten offiziellen Hochrechnungen vorliegen. Bis zum vorläufigen Endergebnis wird es bis etwa 19.30 Uhr dauern. Eine erste Zwischenauszählung der Briefwahlstimmen ist für Dienstag geplant, am 15. Juni sollte das Endergebnis vorliegen.

Einige Fragen werden am Wahlabend keinesfalls zu klären sein, so etwa ob bei den Grünen Lichtenberger Spitzenkandidatin Lunacek überholt oder beim BZÖ der Kärntner Jörg Freunschlag den Listenersten Stadler. In beiden Fällen könnten die Listenzweiten auf Platz eins klettern, wenn sieben Prozent der Parteistimmen für sie als Vorzugsstimmen abgegeben werden. Dritter spannender Vorzugsstimmenkampf ist der bei der ÖVP, wo beinahe alle Kandidaten eine entsprechende Kampagne geführt haben.

Zur Erinnerung das Ergebnis vom 13. Juni 2004: Die SPÖ kam auf 33,3 Prozent (7 Mandate), die ÖVP auf 32,7 Prozent (6 Mandate), die Liste Martin auf 14 Prozent (2 Mandate), die Grünen erreichten 12,9 Prozent (2 Mandate) und die FPÖ 6,3 Prozent (1 Mandat).

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