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Schuljahr 2020/2021: Ethikunterricht startet an AHS-Oberstufen und Polytechnischen Schulen

Strache, Kurz und Faßmann schauten heute in einer Schule in Wien-Favoriten vorbei, wo der Ethikunterricht bereits stattfindet.
Strache, Kurz und Faßmann schauten heute in einer Schule in Wien-Favoriten vorbei, wo der Ethikunterricht bereits stattfindet. ©APA/Roland Schlager
Mit dem Schuljahr 2020/21 wird der Ethikunterricht regulär gestartet. Vorerst wird er aber nur an AHS-Oberstufen und an Polytechnischen Schulen eingeführt.

Mit dem Schuljahr 2020/21 wird der Schulversuch Ethik an AHS-Oberstufen und an Polytechnischen Schulen zum regulären Unterrichtsfach. Ein Jahr später sollen die berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) folgen. Die Finanzierung sei fix, so Kanzler Sebastian Kurz am Dienstag bei einem Schulbesuch mit Bildungsminister Heinz Faßmann (beide ÖVP) und FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache.

“Sport für den Geist” startet 2020 an AHS-Oberstufen

Das Fach Ethik soll dabei nur für jene Schüler verpflichtend sein, die nicht den Religionsunterricht besuchen – entweder weil sie keiner Konfession angehören oder sich vom Reli-Unterricht abgemeldet haben. Derzeit wird Ethik in dieser Form an 211 AHS und BMHS als Schulversuch angeboten. Als “Strafunterricht” für jene, die bisher statt Religion eine Freistunde hatten, will Faßmann das Fach nicht verstehen. In einer religiös pluralistischen Gesellschaft, in der die Rolle der Kirche abnimmt, “braucht es ein gemeinsames ethisches Verständnis”, so Faßmann. Ethik sei quasi “Sport und Bewegung für den Geist”.

Faßmann: Längerfristig wird eigenes Lehramtstudium für Ethik entstehen müssen

Die für die Einführung notwendigen Vorarbeiten sind laut Faßmann “einigermaßen gut geklärt”: Insgesamt müssten für die Ausrollung an der Oberstufe 1.300 Lehrer für das Fach weiterqualifiziert werden. Mit Herbst soll die 30 ECTS (ein Semester) umfassende Fortbildung an den Pädagogischen Hochschulen (PH) starten, weitere 30 ECTS sollen berufsbegleitend absolviert werden müssen. Die Weiterbildung können Religionslehrer ebenso machen wie Pädagogen aller anderen Fächer. Außerdem sollen für das Fach in den nächsten ein bis eineinhalb Jahren Schulbücher auf Basis eines eigenen Lehrplans entstehen.

“Längerfristig” will Faßmann ein eigenes Lehramtsstudium für Ethik an den Unis etablieren. Außerdem soll der Ethikunterricht auf längere Sicht auf alle Schulstufen ausgedehnt werden, hatte der Minister bereits vor längerem angekündigt.

Ethikunterricht: Diese Themen werden besprochen

Strache hob hervor, dass der Ethikunterricht nicht auf Kosten des konfessionellen Religionsunterrichts eingeführt werde und die Schüler nun zwischen den beiden Angeboten wählen können. Seinen Dank an Faßmann für die Umsetzung verband Strache auch gleich mit der Ankündigung, dass er in seiner Eigenschaft als Sportminister wegen der täglichen Turnstunde auf ihn zukommen werde.

Inhalt des Ethikunterrichts ist laut Faßmann respektvoller und toleranter Umgang und gewaltfreie Konfliktlösung, das Verhältnis der Schüler zur Welt (nachhaltiger Konsum, Gerechtigkeit in der Welt, Bedeutung von Technologien für unser Leben) und ein Überblick über das Verbindende und Trennende der Weltreligionen sowie philosophische Strömungen und Menschenbilder.

Lob für den Schulversuch Ethik kam von Direktorin Margit Wochesländer beim Schulbesuch der Regierungsmitglieder im BG/BRG Pichelmayergasse in Wien-Favoriten. Dort wurde der seit insgesamt 20 Jahren laufende Schulversuch vor fünf Jahren eingeführt, nachdem sich immer mehr Schüler vom Religionsunterricht abgemeldet hatten. Heute besuchen dort 70 Prozent der Oberstufenschüler Religion, der Rest den Ethikunterricht. Dort könnten die Schüler laut Wochesländer nun nicht nur Themen behandeln, für die sonst im Unterricht kaum Zeit bleibe. Das Üben von Argumentieren, Diskutieren und der Transfer zwischen einzelnen Fächer komme ihnen auch mit Blick auf die Vorwissenschaftliche Arbeit zugute.

Ethikunterricht: Forderung nach Ausweitung, Kritik an “Sowjet-Manier”

Die angekündigte Einführung von Ethik als Alternativ-Pflichtfach für jene, die keinen Religionsunterricht besuchen, geht SPÖ, Liste JETZT und Industriellenvereinigung (IV) nicht weit genug. Sie fordern eine Ausweitung auf alle Schüler. Die Initiative Religion ist Privatsache kritisiert zudem, dass die Regierung “Werbung für diskriminierenden Ethikunterricht in bester Sowjet-Manier” mache.SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid begrüßt in einer Aussendung zwar, dass das Finanzministerium die Einführung von Ethik als reguläres Unterrichtsfach nicht mehr “blockiert”. Sie fordert allerdings eine Einführung für alle Schüler und das bereits ab zehn Jahren, damit sich auch jene, die etwa eine Lehre machen, mit ethischen Fragen des Zusammenlebens auseinandersetzen können.

Auch die Liste Jetzt (früher Liste Pilz) tritt dafür ein, dass alle Schüler Ethikunterricht erhalten sollen und nicht nur jene, die keiner Konfession angehören oder sich aus anderen Gründen vom Fach Religion abgemeldet haben. Dieselbe Forderung stellt auch IV-Generalsekretär Christoph Neumayer: “Andernfalls laufen wir Gefahr, dass ein Parallelprogramm mit Religionsunterricht für die einen und Ethikunterricht für die anderen gefahren wird – ohne inhaltliche Überschneidungen und Anknüpfungspunkte.”

“ethikfueralle.at” setzt sich für Ethikunterricht für alle Schüler ein

Als diskriminierend bezeichnet die Initiative Religion ist Privatsache die Konstruktion von Ethik als Alternativ-Pflichtfach. Mit der Plattform “ethikfueralle.at” will sie sich für einen Ethikunterricht für alle Schüler ab der ersten Schulstufe starkmachen. Zu den Unterstützern der Plattform zählen etwa der Religionspädagoge Anton Bucher, Verfassungsjurist Heinz Mayer, Philosoph Peter Kampits, die ehemalige AHS-Direktorin Heidi Schrodt, der Wiener Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ), NEOS Wien-Chef Christoph Wiederkehr, der Grüne Bildungssprecher und niederösterreichische Landtagsabgeordnete Georg Ecker.

Der Obmann der Christlichen Lehrerschaft Österreich (CLÖ), Fritz Enzenhofer, begrüßt dagegen die geplante Einführung eines verpflichtenden Ethikunterrichts für vom Religionsunterrichts abgemeldete bzw. konfessionslose Schüler. “Alle Schüler ab einem gewissen Alter sollten sich mit ethischen, moralischen und Wertefragen auseinandersetzen”, so der ehemalige Präsident des oberösterreichischen Landesschulrats (heute: Bildungsdirektion) zur APA. Im Religionsunterricht würde diese Wertevermittlung jetzt schon erfolgen, künftig könne man sich auch durch Abmeldung nicht mehr “davon dispensieren lassen”.

Lob kam außerdem von der Arbeitsgemeinschaft Katholischer Verbände (AKV).

(APA/Red)

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