Schulen, Islam und ein paar Jahrzehnte Verspätung

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Gastkommentar von Andreas Unterberger: Ein bekanntes Oberstufengymnasium in der Wiener Innenstadt. Mathematikstunde. Plötzlich stürmt ein an diesem Tag gar nicht in der Schule diensthabender Lehrer in die Klasse, es ist jener für den islamischen Religionsunterricht.

Ohne den Mathematiklehrer auch nur zu beachten, beschimpft er die im Unterricht sitzenden Moslems: Denn es ist ein islamischer Feiertag und da hätten die moslemischen Schüler nach Ansicht des Islamlehrers gar nicht zum Unterricht kommen dürfen.Der restliche Lehrkörper reagierte zwar fassungslos. Dennoch gab es kein Disziplinarverfahren für den Mann. Sonst wäre man ja vielleicht als islamophob oder ausländerfeindlich bezeichnet worden.

Ein kleines Blitzlicht auf die heutige Realität in Wiens Schulen. Feigheit und Opportunismus versus fanatischem Fundamentalismus.

Ein islamischer(!) Diplomat hat einmal gesammelt, was ihm da türkische Eltern so aus dem Religionsunterricht erzählen. Dass man einer Frau prinzipiell nicht die Hand gibt. Dass man von einer Frau – auch von einer Lehrerin – keine Anweisungen entgegenzunehmen hat. Und dass islamische Schülerinnen ein Kopftuch zu tragen hätten.

Die österreichische Schulverwaltung schaute all dem jahrzehntelang zu. Hatte sie doch selbst in den 80er Jahren eine Verordnung erlassen, dass „islamisches Straf- und Zivilrecht“ Teil des Islamunterrichts zu sein hat. Das aber ist nichts anderes als eine deutsche Übersetzung für „Scharia“. Niemand fiel dabei auf, dass ansonsten in den Schulen natürlich kein katholisches, protestantisches, orthodoxes, jüdisches Straf- und Zivilrecht verbreitet wird, sondern dass es für alle anderen nur das österreichische Straf- und Zivilrecht gibt.

Umdenken im Stadtschulrat

Erst jetzt – Jahrzehnte zu spät – setzt im Unterrichtsministerium und im Stadtschulrat ein Umdenken ein. Auslöser dafür ist die Tatsache, dass aus Österreich schon mehrere Hundert Jugendliche nach Syrien zur Unterstützung der Schlächterbande „Islamischer Staat“ aufgebrochen sind oder hier als terrorverdächtig gelten.

Jetzt gibt es erstmals Veranstaltungen, in denen Wiener Schuldirektoren informiert werden, wie man überhaupt erkennt, dass ein Schüler gefährdet ist, sich in irgendeiner Form dem Dschihad anzuschließen. Der – sehr gute und rechtsstaatlich orientierte – islamische Religionspädagoge Aslan und der Wiener Verfassungsschutz-Chef werden nun zur Aufklärung herangezogen. Viel Glück dabei. Immerhin kann man erfreut festhalten, dass sich nun nicht einmal mehr linksextreme Wiener Grünen über den versuchten Schulterschluss zwischen Verfassungsschutz und Schulen aufregen.

Freilich sind viele Jugendliche gar nicht durch den islamischen Religionsunterricht in die Radikalisierung getrieben worden. Viel effizienter sind da oft Facebook, Internet-Blogs, extremistische Hinterhof-Moscheen oder Freundeskreise Gleichaltriger. Sehr wirksam ist auch die Ausstrahlung, die siegreiche Angriffskriege und totalitäre Schwarz-Weiß-Erklärungsmuster für alles und jedes in der Geschichte immer schon ausgeübt haben. Es ist für schlicht gestrickte Menschen regelmäßig faszinierend, wenn ihnen vorgegaukelt wird, dass man das angeblich Böse durch einen blutigen Schwerthieb mit Putz und Stingel ausrotten kann. Man denke an die einstige Fanatisierung vor allem junger Menschen durch Nationalsozialismus oder Kommunismus, die beide ja auch behauptet haben, alle Probleme und Unerfreulichkeiten der real existierenden Welt durch einen revolutionären Umbruch und eine totale Kontrolle aller Menschen bis hin zu den privatesten Lebensbereichen beseitigen zu können. Zweifellos war und ist auch die Waffen- und Rauflust vor allem junger Burschen relevant.

Schulen sind ein wichtiger Faktor

Dennoch sind auch die Schulen ein wichtiger Faktor. Einerseits kommt es oft nur in der Schule zu einem Kontakt zwischen dem österreichischen Staat und Problemjugendlichen. Andererseits ist trotz allem auch für so manche Schüler die Indoktrination durch den Islamunterricht die Basis einer fundamentalistischen Entwicklung.

Freilich sollte man auch klar festhalten: Die Mehrheit der moslemischen Kinder geht gar nicht in den Religionsunterricht. Weil ihre Familien nicht religiös sind oder liberal denken – oder weil ihnen die Richtung des Unterrichts nicht gefällt. Es hat ja nur der österreichische Gesetzgeber geglaubt, dass es einen einheitlichen Islam gebe (Offenbar hat er keine Ahnung von den vielen Kriegen zwischen Sunniten, Schiiten oder Alewiten).

Und zweifellos agiert ein guter Teil der in den Schulen aktiven Religionslehrer völlig problemlos. Zweifellos haben auch schon bisher einige Direktoren aus eigener Initiative Missstände abzubauen versucht.

Aber das alles befreit Stadtschulrat und Unterrichtsministerium nicht von der Schuld, viel zu lange weggeschaut zu haben. Oder sich gar wie die jetzige Unterrichtsministerin statt dessen für Sexualunterricht schon im Kindergarten stark gemacht zu haben.

Über Andras Unterberger

Der Autor war 14 Jahre Chefredakteur von „Presse“ bzw. „Wiener Zeitung“. Er schreibt unter www.andreas-unterberger.at sein „nicht ganz unpolitisches Tagebuch“, das heute Österreichs meistgelesener Internet-Blog ist.

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