Schule in Mürzzuschlag kämpft um eigenen Direktor

Bildungsministerin Heinisch-Hosek
Bildungsministerin Heinisch-Hosek
Eine Schule im steirischen Mürzzuschlag kämpft für den Verbleib ihres Direktors. Trotz eines Votums im Haus für den bisherigen provisorischen Leiter des Gymnasiums soll das Ministerium einer weiblichen Kandidatin den Vorzug geben. Unterstützung für den Direktor gibt es vom Team Stronach, dessen Bildungssprecher Robert Lugar sprach bei einer Pressekonferenz am Mittwoch von "politischer Willkür".


Seit knapp drei Jahren ist Heimo Hirschmann vorläufiger Direktor des Herta-Reich-Gymnasiums. “Mit unglaublicher Tatkraft” sei der Pädagoge, der nach einem Hearing bestellt worden war, im Haus vorgegangen, berichtete Gudrun Ehrenfeldner, seit 24 Jahren Lehrerin am Haus und Personalvertreterin. Die Schule habe sich nach außen geöffnet. “Die Ära Hirschmann hat mir gezeigt, wie viel in kurzer Zeit weitergehen kann”, stellte sich auch Eva Leitgeb, die ebenfalls am Haus unterrichtet, vor den derzeitigen Schulleiter.

Auch Abstimmungen im Haus würden klar für den Verbleib Hirschmanns sprechen, berichteten die Lehrerinnen: Das Votum der Eltern sei 23:1 ausgegangen, die Schüler hätten 21:3 für den derzeitigen Direktor gestimmt. Knapper, aber dennoch für Hirschmann sei es bei den Lehrern mit 34:23 ausgegangen. Der Fachausschuss auf Landesebene sowie das Kollegium des Landesschulrates hätten sich ebenfalls für Hirschmann ausgesprochen, die Empfehlung des Landesschulinspektors sei hingegen für die weibliche Kandidatin erfolgt.

Hirschmanns Konkurrentin wandte sich an die Gleichbehandlungskommission mit dem Ergebnis, dass diese eine Empfehlung für sie aussprach. Hatte Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) zuerst noch für Hirschmann plädiert, soll diese von einem Tag auf den anderen ihre Meinung geändert haben, berichteten die beiden Lehrerinnen. Sie wolle bei gleicher Qualifikation der Frau den Vorzug geben, soll sich diese in der Fragestunde des Nationalrats auf das Gutachten der Gleichbehandlungskommission berufen haben. Die Schule selbst soll die Entscheidung aus der Zeitung erfahren haben.

In der Schule sei die Entscheidung Heinisch-Hoseks mit “Fassungslosigkeit” aufgenommen worden, so Ehrenfeldner. Nun liege die Entscheidung bei Bundespräsident Heinz Fischer, der die Besetzung erst besiegeln muss. Dieser habe dem ersten Ersuchen der Ministerin noch nicht zugestimmt, sondern sich zusätzliche Unterlagen kommen lassen, berichtete das Team Stronach. Für Lugar ist Heinisch-Hosek eine “fehlgeleitete Ministerin, die aus rein politischen Überlegungen viel Porzellan zerschlägt”. Konkret vermutet der Abgeordnete, dass es um die Verbesserung der Frauenquote im Bildungsbereich gehe.

Hirschmann wolle sich auch an die Volksanwaltschaft wenden, kündigten seine beiden Lehrer-Kolleginnen an. Nicht nur an der Schule, in ganz Mürzzuschlag herrsche “Unverständnis” über die Entscheidung. Leitgeb wundert sich nicht, dass die Politikverdrossenheit größer werde: “Die Politik ist absolut unglaubwürdig, wenn sie den Schülern vorlegt, dass Leistung eh nicht zählt.”

Heinisch-Hosek verwies am Mittwoch im Fall der Direktorenbesetzung auf das laufende Verfahren und schloss sich dem Gutachten der Gleichbehandlungskommission an. Diese habe den Fall genau geprüft und sei zum Entschluss gekommen, dass die Frau zum Zug kommen müsse, hieß es aus ihrem Büro gegenüber der APA.

Indes wandte sich das Team Stronach bezüglich der Direktorenbesetzung in offenen Briefen an Bundespräsident Fischer sowie an das Bildungsministerium. Darin wird vor der Entscheidung gewarnt: “Eine Umbesetzung hätte sehr negative Auswirkungen auf die Schule, die Lehrer und vor allem die Kinder an diesem Gymnasium”, heißt es in dem Schreiben an den Bundespräsidenten.

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