Schüssel ließ sich von BAWAG einladen

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Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) hat sich laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins „profil“ im März 2003 von der BAWAG zu einer Reise in die bulgarische Hauptstadt Sofia einladen lassen.

Gastgeber seien der damalige BAWAG-Generaldirektor Helmut Elsner, dessen langjähriger Geschäftspartner Martin Schlaff und der ehemalige ÖVP-Parteiobmann Josef Taus gewesen, schreibt „profil“. In einem Interview mit dem Magazin weist Investmentbanker Wolfgang Flöttl die Aussagen von Franz Vranitzky (S) erneut zurück, der Alt-Kanzler habe ihn bei der Euro-Umstellung beraten.

Die Reise nach Bulgarien erfolgte laut „profil“ in einem von der BAWAG finanzierten Challenger-604-Privatjet, der zu diesem Zeitpunkt PLO-Chef Yasser Arafat gehörte. Mit an Bord der Maschine seien damals auch Casinos-Austria-Chef Leo Wallner sowie Staatsoperndirektor Ioan Hollender gewesen. Auf dem Programm standen demnach ein Besuch der Oper Sofia und ein anschließendes Galadinner.

Wie „profil“ weiter berichtet, musste sich Unternehmer Martin Schlaff, der mit der BAWAG sowohl am „Oasis“-Casino in Jericho beteiligt war, als auch am bulgarischen Mobilfunkbetreiber Mobiltel, bereits am 13. September 2006 einer mehrstündigen Einvernahme durch Staatsanwalt Georg Krakow stellen. Ein Ermittler gegenüber „profil“: „Herr Schlaff hat Auskunft über seine Geschäftsbeziehungen zur BAWAG gegeben, er ist Zeuge, kein Verdächtiger.“

In einem Interview mit dem Magazin bekräftigt der in die BAWAG-Affäre verwickelte Banker Flöttl erneut, von Vranitzky „keine Leistung“ erhalten zu haben. Der Alt-Kanzler behauptet zehntausende Euro für Beratertätigkeiten bekommen zu haben. Flöttl schildert im „profil“ zudem eine Auseinandersetzung mit einem BAWAG-Vorstandsmitglied im Jahr 2005 in Zusammenhang mit seiner Weigerung, Geld an eine Stiftung in Zypern zu überweisen. „Daraufhin wurde mir von einem Vorstandsmitglied mitgeteilt, dass die Bank eine politische Funktion habe, es langjährige Vereinbarungen gebe und dass ich das Geld gefälligst dorthin schicken soll. Am nächsten Tag habe ich ein Fax erhalten, auf dem die Währung geändert worden und statt Zypern Wien als Adresse angegeben war“, so Flöttl. Daraufhin habe er das Geld überwiesen.

Hinsichtlich der politischen Folgen seiner Aussagen meint Flöttl, er wolle „niemandem schaden, auch nicht der SP֓. Er selbst sei „als junger Mann“ Mitglied der SPÖ gewesen, nach seiner Übersiedelung nach Amerika allerdings aus der Partei ausgetreten.

Unterdessen ist eine Liste mit dem 343.000 Euro teuren Interieur aus dem Penthouse von Elsner, das von der BAWAG bezahlt worden sein soll, veröffentlicht worden. Laut „Salzburger Nachrichten“ (Samstagsausgabe) kostete unter anderem die Satellitenanlage 32.350 Euro, das TV-Gerät 9.265 Euro und die Telefonanlage von Siemens 5.160 Euro. Ein Nischeneinbauschrank aus Zedernholz im Schrankraum soll 4.000 Euro gekostet haben und ein beidseitig begehbarer Schrank 4.350 Euro. Die Ausstattung der Wohnung mit Sitzmöbeln kam demnach auf 32.260 Euro, allein zwei Fauteuils „Art-Deco restauriert“ sollen fast 11.000 Euro gekostet haben.

Eine Dampfbadkabine kam laut „SN“ auf 17.600 Euro, zwei Teppiche auf 12.700 Euro. „Für Sichtschutz wurden 25.000 Euro ausgelegt, darunter waren diverse Vorhänge um 13.400 Euro sowie Kassettenrollos, Holzjalousien und ein Plisseerollo in der Garderobe. Eine Markise mit Motorbedienung schlug mit 1.500 Euro zu Buche. Für den Swimmingpool wurden zwei ’Delta Liegen Geflecht natur’ um 2.900 Euro angeschafft, dazu ein Alegno Tisch Teak massiv (950 Euro) und ein Sonnensegel Sun Square (9.730 Euro)“, berichtet die Zeitung.

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