Schröder entscheidet zweites TV-Duell für sich

Der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat das zweite Fernsehduell mit seinem Herausforderer Edmund Stoiber (CSU) klar für sich entscheiden.

Nach mehreren Umfragen unmittelbar nach der Diskussion am Sonntag konnte Schröder deutlich mehr Zuseher überzeugen. Im Mittelpunkt der Debatte standen die Arbeitslosigkeit, eine möglicher Krieg gegen den Irak und die Bildungspolitik.

Angesichts eines Kopf-an-Kopf-Rennens von SPD und Union in den Umfragen wirkten der Kanzler und sein Herausforderer zwar teilweise nervös, aber auch angriffslustiger und kämpferischer als beim ersten Duell vor zwei Wochen. Nach einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen unter 1.036 Zuschauern meinten 49 Prozent, Schröder habe sich besser geschlagen. 26 Prozent sahen Stoiber als Gewinner, 24 Prozent konnten keinen Unterschied erkennen. Bei Infratest-dimap ergab sich ein ähnliches Bild. Hier sagten 50 Prozent der befragten 750 Personen, Schröder sei kompetenter als sein Herausforderer aufgetreten. Stoiber kam nur auf 29 Prozent.

Inhaltlich warf der Herausforderer dem Kanzler vor, er beschädige im Streit um einen US-Angriff auf den Irak die deutsch-amerikanische Freundschaft. Schröder widersprach und betonte, unter seiner Führung werde es keine Beteiligung deutscher Soldaten an einem Angriff gegen den Irak geben. Stoiber forderte eine Abstimmung der Politik auf europäischer Ebene. Das „absolute Entscheidungsmonopol“ liege jedenfalls bei den Vereinten Nationen.

Stoiber warf Schröder erneut vor, sein Versprechen zur Senkung der Arbeitslosenzahl gebrochen zu haben. Der Kanzler konterte: „Es gibt keinen Grund, sich Vorwürfe zu machen.“ Die hohe Arbeitslosenzahl hänge mit der Weltkonjunktur zusammen. Stoiber meinte dagegen, die Arbeitslosigkeit sei hausgemacht.

Ausdrücklich plädierte Schröder für eine Fortsetzung der Koalition mit den Grünen. Einer Zusammenarbeit mit der PDS erteilte er erneut eine Absage. Stoiber schloss ein Bündnis mit der SPD aus: „Ich will keine große Koalition, weil sie die Lösung nicht bringt, die wir brauchen.“ Als Wahlziel formulierte er, am 22. September mehr als 40 Prozent der Stimmen zu bekommen. Auf die FDP als Koalitionspartner wollte er sich nicht festlegen.

Traditionsgemäß erklärte jede Partei ihren Kandidaten zum Sieger. SPD-Generalsekretär Franz Müntefering erklärte, die Grenzen Stoibers seien erkennbar geworden. „Die Bevölkerung will Schröder als Kanzler und wird ihn auch wählen.“ CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer sagte dagegen, Stoiber habe „die klareren Argumente auf seiner Seite“ gehabt. „Schröder war stark in der Defensive.“

In allen persönlichen Kategorien lag Schröder bei Infratest dimap vorn. So sagten 49 Prozent der Befragten, Schröder sei glaubwürdiger gewesen, 28 Prozent Stoiber. Diese Frage war nach dem ersten TV-Duell unentschieden beantwortet worden. Verständlicher war Schröder nach Meinung von 50 Prozent, Stoiber nach Meinung von 20 Prozent. 47 Prozent sagten, sie würden eher den Argumenten Schröders zustimmen, 35 Prozent Stoiber. 61 Prozent empfanden Schröder als sympathischer, 19 Prozent Stoiber. 54 Prozent sagten, Schröder sei fairer gewesen, neun Prozent Stoiber.

Vorne lag Stoiber mit 42 Prozent bei der Steuerpolitik gegenüber 31 Prozent für Schröder. Ein Patt gab es Infratest zufolge in der Bildungspolitik mit 36 Prozent für Schröder und 37 Prozent für Stoiber. In der Außenpolitik lag Schröder mit 57 Prozent klar vor Stoiber mit 28 Prozent. Auch in der Bildungpolitik punktete der Kanzler mit 47 Prozent gegenüber 25 Prozent für Stoiber. 40 Prozent der Befragten gaben an, das TV-Duell beeinflusse ihre Wahlentscheidung, 53 Prozent sagten, das sei nicht der Fall.

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