Schröder: Alle blicken nach Ohio ...

... und keiner weiß etwas. In Washington ist es inzwischen eine Stunde nach Mitternacht (07.00 Uhr europäischer Zeit) und der Name des künftigen US-Präsidenten steht immer noch nicht fest. Peter W. Schroeder, Washington

Im Bundesstaat Ohio sollten die Wahllokale schon vor vier Stunden geschlossen sein, aber in einigen Wahlbezirken wird wegen des großen Andrangs immer noch gewählt.

Für Bush werden gegenwärtig 246 Wahlmännerstimmen prognostiziert und für Kerry 207. Die Wahlexperten im Fernsehen rechneten aus: „Wenn Kerry in Ohio verliert, ist er geliefert und Bush bleibt Präsident”. Denn dann müsste er in allen noch nicht ausgezählten Bundesstaaten gewinnen, was aber nicht einmal die größten Optimisten im Kerry-Lager zu träumen wagen. Denn dass beispielsweise das den Republikanern traditionell Zweidrittelmehrheiten bescherende Alaska ins Demokraten-Lager umfällt, glaubt nun wirklich niemand.

Aber wenn Kerry die Mehrheit in Ohio erreicht, hat er bessere Chancen als Bush, der nächste Präsident zu sein. Und hat nicht alle Welt eine Wahl auf Messers Schneide vorausgesagt? Das Kandidaten und dem Beobachtervolk den Schlaf raubend ist aber die Ankündigung des Innenministers von Ohio, dass mit verlässlichen Ergebnissen aus seinem Bundesstaat nicht vor 09.00 oder 10.00 Uhr europäischer Zeit zu rechnen sei.

Bei den Parlamentswahlen hat sich auch etwas getan: Die bereits vorliegenden Ergebnisse lassen erwarten, dass Bushs Republikaner ihre bisherigen knappen Mehrheiten in beiden Häusern des Washingtoner Parlaments ausbauen konnten. Das wäre für Bush im Fall seines Wahlsieges äußerst erfreulich, weil er dann ziemlich ungehindert von aufmüpfigen Parlamentariern regieren könnte. Und Fall eines Wahlsieges von Kerry müsste sich der Demokraten-Präsident darauf einstellen, dass die republikanische Parlamentsmehrheit dauernd auf der Bremse steht.

Das eine wie das andere wäre nicht gerade ein politischer Idealzustand, aber die Wähler wollen es wohl so. Aber noch geht es darum, ob es in den nächsten vier Jahren Bush-Vollgas oder Kerry-Ausbremsen geben wird. Die Nacht ist ja noch jung und vielleicht werden wir es in einigen Stunden wissen.

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