Schriller, bunter und auffallender denn je

Der Aufschrei im Kampf gegen Aids ist dem Life Ball wieder einmal gelungen.

Die Opulenz der vergangenen Jahre zu übertreffen, war ein schwieriges Unterfangen. Dennoch war das Fest des Lebens, das in diesem Jahr seinen 15. Geburtstag feiert, schriller, bunter und auffallender denn je. Unter dem Motto „Märchen“ waren nicht nur die Kostüme von unglaublicher Kreativität bestückt, auch die Eröffnung toppte die vergangenen Jahre. „Es wird jedes Jahr geiler“, sagte Gery Keszler, Ballvater seit 15 Jahren.

Passend zum Thema wurden die Gäste mit einem Märchen verzaubert. Günther Tolar überzeugte als böse Hexe, Jazz Gitti brillierte als Frau Holle und Zabine zeigte, dass sie auch ganz anders kann außer jodeln und tanzen. Als böse Stiefmutter im schwarzen Rüschenkleid war sie kaum erkennbar, aber überzeugend. Sänger Andie Gabauer war von der Zunft am allermutigsten. Für den Part „Des Kaisers neue Kleider“ stolzierte er wie im Märchen nackt auf die Bühne, lediglich eine Krone hat den kleinen Kaiser versteckt.

Absoluter Höhepunkt war die Modeschau des Designer-Duos Heatherette alias Richie Rich und Traver Rains, die mit ihrer T-Shirt- und Lederkollektion bekannt wurden. Den Laufsteg eröffneten schrill wie immer die Scissor Sisters, danach ging es zu Klängen der Siebziger und Achtziger Jahre weiter. Gezeigt wurden die wildesten Mischungen von Materialien, Mustern und Formen, die Heatherette gerade so berühmt macht. Über den Laufsteg schritten neben den Models auch Streetpeople wie Schauspieler Allan Cumming, Ex-Opernball-Organisatorin Lotte Tobisch, Pornodarstellerin Jenna Jameson oder Dagmar Koller. Schwimmstar Markus Rogan durfte seinen Waschbrettbauch zeigen und Dirk Bach seinen Waschbärbauch.

Aber genau die Promis, die den diesjährigen Life Ball besuchten, machen das Fest jedes Jahr hochkarätig: Allen voran Sharon Stone, die bereits zum zweiten Mal ein bisschen Hollywoodglamour nach Wien brachte. Sie war aber hauptsächlich für eine ganz andere Rolle gekommen. Als Präsidentin der American Foundation for Aids Research (amfAR) bekommt sie Teile der Einnahmen des Life Balls. „Euer Land ist eine Inspiration für mich, euer Land ist eine Inspiration für mein Land“, sagte die Schauspielerin in ihrer Rede. Stone lobte das System in Österreich: „Euer Präsident, euer Bundeskanzler, euer Bürgermeister oder die Post, diese Leute haben sich im Kampf gegen Aids zusammengetan.“ Das sei ein unglaubliches Beispiel dafür, wozu eine Nation imstande sei. „Ich danke euch dafür, dass ihr den Leuten in Erinnerung ruft, was die Kraft der Liebe tun kann.“

Bürgermeister Michael Häupl hat sich in diesem Jahr anlässlich des Jubiläums Verstärkung für seine Rede geholt. Altbürgermeister Helmut Zilk, der vor 15 Jahren Gery Keszler das Rathaus für den ersten Life Ball überließ, begleitete ihn. „Wir haben von Anfang an gewusst, was gut ist“, sagte Zilk. „Ich hab gesagt, probieren wir es. Aber trotzdem haben wir Angst gehabt.“ Von Angst, dass der Life Ball kein Erfolg wird, kann heute nicht mehr die Rede sein. „Helmut, ich sage dir Dankeschön, dass du den Mut damals gehabt hast“, meinte Häupl. Denn das größte Charity-Event Europas nahm im vergangenen Jahr über eine Million Euro Reinerlös ein.

Seit 2005 zeichnen Aids Life und Swarovski am Ball mit dem Award „Life Ball Crystal of Hope“ eine Organisation für herausragende Projekte im Kampf gegen HIV/Aids aus. In diesem Jahr ging dieser Preis an die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung, die sich mit ihrem „Youth2Youth Project Uganda“ für die Aufklärung ugandischer Jugendlicher über die Ansteckungsrisiken einsetzt. Designerin Vivienne Westwood, die in einer königlichen Kutsche ankam, überreichte die Auszeichnung.

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