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Schriftstellerin Sontag gestorben

Die US-Schriftstellerin Susan Sontag ist am Dienstag gestorben. Die streitbare New Yorker Autorin sei im Alter von 71 Jahren verstorben, teilte das Krebs-Zentrum Memorial Sloan Kettering mit.

Jahr für Jahr stand ihr Name auf der Liste möglicher Nobelpreis-Kandidaten. Susan Sontag (71) war die Grande Dame der zeitgenössischen amerikanischen Literatur – und ihr Enfant terrible zugleich. Die Autorin, die seit den sechziger Jahren vier Romane sowie zahlreiche Kurzgeschichten, Theaterstücke und politische Essays geschrieben hat, hat nie ein Blatt vor den Mund genommen.

Obwohl als unabhängige Intellektuelle von Amerikas Liberalen geschätzt, betrachtete Sontag sich selbst mehr als Romanautorin. Ihr Erstling, „The Benefactor“, erschien 1963, gefolgt von „Death Kit“ 1967, „The Vulcano Lover“ (Der Liebhaber des Vulkans) 25 Jahre später und zuletzt ihr Epos über Polens Theaterdiva Helena Modrzejewska und das Einwanderland USA, „In America“.

Die letzten beiden Romane seien ihr besser gelungen als alle Essays zusammen, glaubte sie – im Gegensatz zu vielen ihrer Kritiker. Diese sehen in Essaybänden wie „Against Interpretation“ (1966), „Styles of Radical Will“ (1969) oder auch „Krankheit als Metapher“ (1978) ihre größte Stärke.

Für ihren letzten Roman, „In Amerika“, wurde sie im Jahr 2000 mit dem höchsten Buchpreis der USA ausgezeichnet, dem National Book Award. Wenig später, nach Sontags Reaktion auf die Ereignisse des 11. September, stellte der „New Republic“ die provokative Frage „Was haben Osama bin Laden, Saddam Hussein und Susan Sontag gemeinsam?“, und lieferte die Antwort mit: „Alle drei wollen Amerika zerstören.“

Sontag, die in einem Penthouse in Chelsea – ganz in der Nähe des zerstörten World Trade Center – wohnte, hatte die Terrorangriffe in einem Berliner Hotel am Fernseher mitverfolgt, wie sie später schilderte. Aufgewühlt von einer “Überdosis CNN“ griff sie zur Feder und polemisierte gegen die Politik der US-Regierung und die Kriegstreiberrhetorik der Medien. Ihr Essay erschien unter anderem im renommierten „New Yorker“ und handelte ihr prompt den Vorwurf des Landesverrates ein.

Als Susan Rosenblatt 1933 in New York geboren, wird das mit Schönheit und Selbstbewusstsein gesegnete Mädchen anfänglich von seinen Großeltern aufgezogen, während die Eltern in China sind. Nach dem Tod des Vaters zieht die Mutter mit Susan und der jüngeren Schwester nach Kalifornien. Bald verschlingt sie Enzyklopädien, liest Edgar Allan Poe und geht mit 16 Jahren an die Universität von Chicago, wo sie Philosophie, Französisch und Literatur studiert. Schon ein Jahr später heiratet sie und wird Mutter. Ihr Sohn David ist inzwischen selbst Autor mehrerer Bücher.

Danach zieht es die bildhübsche Studentin an die Universitäten Oxford, Berkeley und Harvard. In Harvard schreibt sie ihre Promotionsarbeit in Philosophie bei Paul Tillich und geht dann nach Paris, um sich mit dem französischen Existenzialismus zu beschäftigen. Bald darauf lässt sie sich scheiden, geht nach New York, unterrichtet an der renommierten Columbia-Universität und schreibt das erste große Werk. Nebenbei las sie wenigstens ein Buch am Tag. Zu ihren eigenen Lieblingsschriftstellern gehören der in relativ jungen Jahren verunglückte Deutsche W.G. Sebald, Emile Michel Cioran und Joseph Brodsky, mit dem sie befreundet war.


Zitate der US-Schriftstellerin Susan Sontag

Die amerikanische Schriftstellerin Susan Sontag ist am Dienstag im Alter von 71 Jahren in New York gestorben. Im Folgenden einige Zitate der engagierten Autorin, die als „moralisches Gewissen Amerikas“ galt:

„Und wenn man das Wort ’feige’ in den Mund nimmt, dann sollte es besser auf jene angewandt werden, die Vergeltungsschläge aus dem Himmel ausführen, und nicht auf jene, die bereit sind, selbst zu sterben, um andere zu töten.“ (aus einem Essay zum Terroranschlag am 11. September 2001 in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom 15.09.2001)

„Die Vereinigten Staaten sind ein merkwürdiges Land. Die Leute haben einen deutlich anarchischen Zug und gleichzeitig einen geradezu abergläubischen Respekt vor dem Gesetz. Sie beten unmoralischen Erfolg an und haben ausgeprägte moralische Vorstellungen von Richtig und Falsch.“ (aus einem Essay über den 11. September 2001 in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom 11.10.2001)

„Das ’Wir’, das Bush und die anderen benutzen, ist das königliche ’Wir’, nicht das ’Wir’ der Verfassung, das ’Wir, das Volk’.“ (zur amerikanischen Irak-Politik aus einem Interview mit dem Spiegel vom 01.03.2003)

“(Es) … wird weiterhin große Unterschiede zwischen Europa und Amerika geben. … Inzwischen wollen die Amerikaner ja gar nicht mehr gemocht werden. Es ist ihnen egal, was man von ihnen hält – in Europa und anderswo.“ (zur amerikanischen Irak-Politik aus einem Gespräch mit dpa vom 23.06.2003)

„Amerika ist ein Land voll religiösem Irrsinn“ (zur amerikanischen Irak-Politik aus einem Interview mit dem Spiegel am 24.6.2003)

„Ich wünschte, es gäbe kein dominierendes Land. Nicht einmal mein Heimatland.“ (aus der Rede als Preisträgerin des Prinz-von-Asturien- Preises für Geisteswissenschaft 2003)

„Wie Waffen und Autos sind auch Kameras ’Spielzeuge’, die süchtig machen.“ (aus „On Photography“, 1977)

„Die Fotografie brachte den Menschen ein neues und im Wesentlichen rührendes Selbstverständnis; über ihre physische Erscheinung, das Älterwerden und ihre eigene Sterblichkeit.“ (aus einem Interview in der Boston Review, Juni 1975)

„Aids zwingt die Menschen zu realisieren, dass Sex als grausamste Konsequenz Selbstmord oder Mord in sich birgt.“ (aus „Aids and Its Metaphors“, 1989)

„Die Vorstellung von einem sanften, einfachen Tod (…) ist Teil einer Mythologie über Krankheiten, die nicht erbärmlich, demütigend oder schmerzlich sind.“ (aus „Aids and Its Metaphors“, 1989)

„Literatur ist im Grunde eine kosmopolitische Unternehmung.“ (aus der Rede als Preisträgerin des Prinz-von-Asturien-Preises für Geisteswissenschaft 2003)

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