Schneyder erhält Wiener Verdienstzeichen

Werner Schneyder |&copy APA
Werner Schneyder |&copy APA
Der Kabarettist, „Moralist“, Regisseur und Schriftsteller Werner Schneyder erhielt am Donnerstag aus den Händen von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny das „Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien“.

Der Ausgezeichnete bedankte sich postwendend und verlieh der Stadt das imaginäre goldene Verdienstzeichen des Werner Schneyder. „Du hast es nicht trockenen Fußes durch den prasselnden österreichischen Ordensregen geschafft“, meinte Burgtheaterdirektor a.D., Achim Benning, als Laudator amüsiert.

Benning – nach eigenen Angaben Schneyders „Freund 2. Grades“ – hob dessen „schöpferische Wut“ als moderner Hofnarr hervor, der an Veränderungen im System glaube und nicht an den Elfenbeinturm. Sein Mut sei nicht Kalkül, sondern „gewöhnlicher Alltagsmut“, um den er kein großes Aufhebens mache.

Die Frage, welcher Profession der Vielbegabte nun hauptsächlich nachgehe, sei irrelevant. „Du bist von Beruf Werner Schneyder“, meinte Benning. Deshalb glaube er nicht daran, dass Kunstfertigkeit das Hilfsmittel der Fantasielosen sei und erhalte zwar in der „Zeit“ keine Buchbesprechung, nun aber das Goldene Verdienstzeichen. Dabei sei eines klar: „Du musst dich einfach freuen, weil auch Goethe sich über den Titel Geheimrat gefreut hat.“

Mit Tränen in den Augen dankte Schneyder im Anschluss Wien für viele Dinge in seinem Leben, wie seinen Vater, seine Frau oder „für die Sehnsucht, die ich als in der Provinz Aufwachsender hatte“ – Schneyder wurde am 25. Jänner 1937 in Graz geboren. Auch dankte er dafür, dass es in der Bundeshauptstadt bei seiner Ankunft nichts Interessantes für ihn zu arbeiten gab – so habe er hier nicht zum Platzhirsch werden müssen.

Mailath-Pokorny (S) berichtete noch von seiner ersten Begegnung mit dem Kabarettisten, die beinahe „letal verlaufen wäre“, da er im Millstätter See als Schwimmer mit einem Schneyder zusammentraf, der Motorboot fuhr. Seither verstehe er dessen Aphorimus: „Freundschaft ist, wenn dich jemand fürs gute Schwimmen lobt, nachdem du beim Segeln gekentert bist“.

Außerdem sei er dem Ausgezeichneten für einen wertvollen Tipp dankbar, wie man als Kulturstadtrat auch bei Premieren und Vernissagen reüssieren könnte, deren Qualität man eigentlich in Zweifel ziehe und dennoch lobende Worte finden müsse. Es gebe einen Satz, den er immer verwenden könne, ohne zu lügen, habe ihm Schneyder gesagt: „Man hat das nicht besser machen können.“

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