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Schnellschätzung: Inflation stieg im März in Österreich auf 6,8 Prozent

Ein Plus gibt es bei der Inflation in Österreich.
Ein Plus gibt es bei der Inflation in Österreich. ©APA/Barbara Gindl (Symbolbild)
Die Verbraucherpreise gehen nach oben. Die Inflation hat im März 2022 in Österreich einer Schnellschätzung der Statistik Austria zufolge wohl 6,8 Prozent im Vergleich zum März 2021 erreicht.
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Das ist der höchste Wert seit November 1981. Gegenüber dem Vormonat Februar erhöhte sich der Verbraucherpreisindex (VPI) voraussichtlich um 2,0 Prozent. Haupttreiber sind weiterhin die Energiepreise. Im Februar hatte die Inflationsrate noch 5,9 Prozent betragen.

Inflation ging in Österreich im März nach oben

"Neuerliche Anstiege bei Treibstoff- und Energiepreisen heizten die Inflation weiter an", erklärte Statistik-Austria-Generaldirektor Tobias Thomas am Freitag in einer Aussendung. Der Indexstand des VPI und detaillierte Ergebnisse für März werden am 21. April bekanntgegeben.

Die für Eurozonen-Vergleiche ermittelte harmonisierte Inflationsrate (HVPI) für Österreich lag im März 2022 im Vergleich zum Vorjahresmonat bei 6,7 Prozent, geht aus den Berechnungen der Statistik Austria zur Schnellschätzung hervor. Gegenüber dem Vormonat Februar betrug die Teuerung laut dieser ersten Erhebung zufolge 2,3 Prozent. Für die Eurozone wurde vom EU-Statistikamt Eurostat für Feber eine Inflation von voraussichtlich 7,5 Prozent ermittelt; noch nie seit Einführung der Gemeinschaftswährung im Jahr 1999 war die Teuerung im Euroraum so hoch gewesen.

SPÖ wettert gegen Mietrichtwert-Anhebung

SPÖ-Vizeklubchef Jörg Leichtfried wetterte angesichts der hohen Teuerung erneut gegen die Mietrichtwert-Anhebung mit April. Auch für andere Bereiche der Teuerung lägen rasch umsetzbare, wirksame Vorschläge wie Preis-Obergrenzen und Steuersenkungen längst auf dem Tisch, so Leichtfried in einer Aussendung. Dass der Finanzminister in einem Interview den Verzicht auf ordentliche Lohnabschlüsse und damit Reallohnkürzungen fordere, sei ein Skandal.

FPÖ-Vorwurf: Inflationsbefeuerung durch Festhalten an CO2-Bepreisung

FPÖ-Obmann Herbert Kickl warf der SPÖ vor, sie sei "der nächste Teuerungsbock", der sich "als Gärtner aufspielt". Die Kritik sei "ein doppelbödiges und leicht durchschaubares Schauspiel", die SPÖ sei immer vorne mit dabei, wenn es darum gehe, die Preise in unserem Land in die Höhe zu treiben. FPÖ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch warf ÖVP und Grünen vor, sie würden durch das Festhalten an der CO2-Bepreisung die Inflation zusätzlich befeuern.

"Hausgemachter" Teil von Inflation

Das gewerkschaftsnahe Momentum-Institut verwies darauf, dass über Jahre knapp die Hälfte des "hausgemachten" Teils der Inflation durch die Unternehmensgewinne verursacht worden sei. Der inländische Preisauftrieb der vergangenen 25 Jahre (+45,5 Prozent) gehe zur Hälfte auf Gewinnsteigerungen (+21,5 Prozentpunkte) und zur Hälfte auf Lohnsteigerungen (+22,2 Prozentpunkte) zurück. Auch im Vorjahr (2021) hätten Löhne (+0,7 Prozentpunkte) und Gewinne (+0,6 Prozentpunkte) annähernd gleich viel zum gesamten inländischen Preisauftrieb von 1,8 Prozent beigetragen.

Pensionistenvertreter erfreut über Anti-Teuerungs-Maßnahmen

Österreichs Pensionistenvertreter sind zwar recht erfreut über die bisherigen Maßnahmen gegen die Teuerung, wollen aber mehr. So forderte die Spitze des überparteilichen Seniorenrats am Freitag die Regierung auf, nicht nur einkommensschwache ältere Menschen zu unterstützen. Geschehen könnte dies durch die Erhöhung der Pensionistenabsetzbeträge, schlug Ingrid Korosec (ÖVP) in einer Pressekonferenz vor. Peter Kostelka (SPÖ) denkt wiederum an eine Zwischenerhöhung der Pensionen.

Noch bis vor kurzem hatte der Seniorenrat etwa durch eine Demonstration kräftig Wind gemacht, um die Regierung zu Maßnahmen gegen die - vor allem durch den Ukraine Krieg angeheizte - starke Inflation zu bewegen. Nach einem Gespräch mit Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) wurden Gesetzespakete gegen die Teuerung präsentiert, die sich vor allem an einkommensschwache Personen, wie Mindestpensionisten, wenden.

Anti-Inflations-Maßnahmen "notwendig"

"Wir sind überzeugt, dass weitere Maßnahmen notwendig sind, um der hohen Inflation entgegenzuwirken", forderte Korosec nun. Man erlebe die höchste Teuerungsrate seit 40 Jahren, gerade im Bereich der Energiekosten sei es besonders wild. Eine laut Seniorenrat einfache Möglichkeit: Die Pensionistenabsetzbeträge von 825 Euro sollten sofort erhöht werden, schlagend könnte die Maßnahme bereits im kommenden Monat werden.

Sorgen macht sich auch Kostelka: Die Kaufkraft sacke deutlich ab, "Pensionisten laufen Gefahr, unter die Räder der Teuerungswelle zu kommen", schilderte er die Dramatik. Während die Inflation durch drohende Lieferstopps etwa bei Erdgas zweistellig werden könnte, stehe Pensionisten und Pensionistinnen ein "kärglicher Betrag" von 1,8 Prozent bei der Pensionserhöhung zur Verfügung. Nicht einmal die maximale Erhöhung von drei Prozent könne die Inflation zur Hälfte abdecken. Kostelka will nun sichergestellt sehen, dass die Teuerungswelle nicht "in einer ganz dramatischen Art und Weise zu einer Armutswelle führt".

Pensionserhöhung als Einmalbetrag für Kostelka vorstellbar

Kostelka kann sich daher eine Pensionserhöhung als Einmalbetrag oder sogar ein früheres Anheben der Pensionen vorstellen. Dass die Vorschläge einander widersprechen, glauben beide Seniorenvertreter an der Spitze nicht. Wichtig sei, dass überhaupt etwas geschehe. "Das Ziel ist, dass die Senioren und Seniorinnen entlastet werden", meinte Korosec. Und Kostelka: "Wir sind der Meinung, es muss ein Batzen Geld her."

Forderungen erhebt der Seniorenrat nicht nur bei Maßnahmen gegen die Teuerung, sondern auch beim stets akuten Thema Pflege. Dabei schließt sich Kostelka der Forderung von Caritas-Präsident Michael Landau nach einem eigenen Staatssekretariat an. Korosec sieht das ein wenig anders, schon jetzt gebe es "ganz tolle Sektionschefs", widersprach sie ein wenig ihrem SPÖ-Pendant.

(APA/Red)

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