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"Schnarchfad" und "ohne Witz": Profi-Kritik am FPÖ-Comic

Der blaue Planet
Der blaue Planet
Für durchgehend sehr emotionale, dabei sehr unterschiedliche Reaktionen sorgt der von der FPÖ produzierte Comic "Der blaue Planet" bei heimischen Karikaturisten und Zeichnern. Vorbericht: FP wirbt mit ComicPunkt-Magazin: Comics können auch Tiefgang haben

Die APA ersuchte Comic- und Karikatur-Experten um qualitative Einschätzung des Heftes. Während es Tex Rubinowitz als “versiert gezeichnet” bezeichnet, aber glaubt, dass es an Jungwählern “vorüber gehen” wird, sieht Harald Havas “keinen sehr guten Comic” und empfindet ihn “in vieler Hinsicht als Frechheit”. “Belanglose bunte Bildchen mit dummem Inhalt” nennt der Zeichner Leopold Maurer das Heft. Für Nicolas Mahler ist es ein “Lehrbuch, warum rechter Humor nicht funktionieren kann”. Jutta Pichler, Direktorin des Karikaturmuseums Krems, kritisiert die künstlerische Gesamtausführung.

“Gehässig”, “humorfrei”, “schnarchfad”

“Unwohlsein” ruft das Heft “sowohl inhaltlich wie gestalterisch” bei Nicolas Mahler hervor. “Lesefluss ergibt sich keiner, die Texte sind abwechselnd humorfrei belehrend und/oder gehässig. Witz sucht man vergeblich”, so der Zeichner gegenüber der APA. Die Comicform sei hier gewählt worden, um sich an jüngere Wähler anzubiedern. Die Idee dahinter scheine zu sein, Begriffe wie “Umvolkung” auch im Sprachgebrauch junger Leser zu verankern und als “cool” rüberzubringen. “Allerdings ist das Heft schnarchfad, es wird also kein Jugendlicher zu Ende lesen, da geh ich jede Wette ein.” Eigentlich sei es ein Lehrbuch, warum rechter Humor nicht funktionieren könne. Zeichnerisch bezeichnet Mahler das Heft “bemüht, aber inkompetent”. “Die Kolorierung entspricht in ihrer Geschmacklosigkeit dem Inhalt des Heftes. Es spricht für sich, dass sich der Zeichner anscheinend so schämt, dass nirgendwo eine Signatur zu sehen ist.” Überhaupt fehle ein Impressum, was den Eindruck eines Werks stärke, hinter dem nicht einmal die Verfasser stünden. Laut der Tageszeitung “Der Standard” handelt es sich dabei um den Zeichner Horst Grimm.

Fachliche Kritik übt auch Jutta Pichler, Direktorin des Karikaturmuseums Krems. Die politischen Inhalte in der “Mischung aus Superhelden-, Science-Fiction- und Fantasy-Comic”, das im stark vereinfachten Funny-Zeichenstil ausgeführt wurde, seien “in eine ereignislose Geschichte verpackt. Auch in Bezug auf die künstlerische Gesamtausführung, den Erzählablauf und die Text-Bild-Kombinationen kann nicht von Qualität gesprochen werden”, so Pichler. Man habe den Eindruck, “dass hier das Medium Comic lediglich benutzt wird, um politische Inhalte einem jungen Publikum sehr platt und plakativ näher zu bringen und das ohne jeglichen Anspruch auf Qualität.”

“Der von der FP herausgegebene Comic-Band ist nicht nur in vieler Hinsicht eine Frechheit – so wird anfangs behauptet es ginge um Aufklärung und nicht um Parteipropaganda, um dann durchgehend nur Parteipropaganda und Hetze gegen andere zu betreiben”, so der Autor Havas in einem der APA übermittelten Statement. “Der Band ist, wenn auch schön knallbunt, kein sehr guter Comic: eckige Sprechblasen, gesetzter Text, ein brutaler Stilmix aus kopierten Elementen (die Fahrzeuge) und Figuren schwankender zeichnerischer Qualität.” Das alles erinnere an “die tiefsten 70er Jahre und hat mit Comics, wie sie heute produziert – und gelesen! – werden, nicht viel zu tun.” Leider könnte er nach seiner Einschätzung doch Wirkung zeigen, “denn Comics sind ein sehr potentes und hierzulande leider immer wieder unterschätztes Medium. Die – fast geschlossen andersdenkende – österreichische Comic-Szene behält sich vor, noch ihr eigene Maßnahmen gegen das Pamphlet und den aktuellen unerträglichen Rechtsruck zu setzen.”

“Es ist ja versiert gezeichnet, nur glaube ich, dass es eher Kinder fasziniert, und vielleicht ist das auch so gedacht, dass man eine spätere Wählergeneration ansprechen will”, reagierte Rubinowitz gegenüber der APA. “An Jungwählern, glaube ich, wird das vorüber gehen, die lassen sich von der rüpelhaften Art des physischen Vorsitzenden beeindrucken, etwas, was mit den Inhalten, Werten und Zielen, um die es gerade beim komplexen Thema EU Wahl geht, nicht zu erreichen ist, und da nützt auch die Bildergeschichte nicht, oder nur, dass man Schlagworte mitnimmt, wenn man mal drüberliest”, so der Zeichner. “Die (Jugendlichen, Anm.) wählen Strache, weil er anders ist, sie können wahrscheinlich nicht einmal erklären, warum. Ich kann das auch nicht erklären, aber er spricht sie mehr an, als beispielsweise ein staubtrockener Faymann. Dieser Comic ist Teil der Munition des HC Strache.”

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