Schlepperlohn nicht bezahlt - Chinesin entführt

Symbolfoto &copy Bilderbox
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Illegal eingereiste Chinesin nur zwei Wochen nach der Schubhaft von Schleppern entführt - Die 20-Jährige wurde in einer Wohnung festgehalten und misshandelt - Täter verhaftet.

Eine junge Chinesin, die ihren Versuch, mit Hilfe einer Schlepperorganisation nach Europa zu kommen, gleich mit vier Monaten Schubhaft in Wien büßte, ist kaum zwei Wochen nach ihrer Entlassung von Landsleuten entführt und vier Tage in einer Wohnung festgehalten worden. Dort wurde die 20-Jährige geschlagen und bedroht, falls sie nicht dafür sorgen würde, dass ihre Familie den ausständigen Schlepperlohn zahle. Beamte der Kriminaldirektion (KD) 1, die auf Umwegen von dem Fall erfuhren, haben insgesamt acht Verdächtige festgenommen. Das gab die Wiener Polizei am Donnerstag bekannt.

Gefälschte Dokumente fielen auf

Die 20-Jährige landete von Hongkong kommend und dort mit einem Reisepass ausgestattet am 23. August in Wien. Gleich bei der Einreisekontrolle fiel das gefälschte Dokument auf, die junge Frau wurde in Schubhaft genommen, wie Dr. Hannes Scherz, der stellvertretende Leiter der KD 1, berichtete. Am 22. Dezember wurde die 20-Jährige freigelassen – eine Abschiebung war offenbar nicht möglich – und fand bei Landsleuten in Favoriten Unterschlupf. Von dort drang die Kunde, dass die Frau eine Beschäftigung suchte, nach draußen – und gleich an die Falschen.

Bei ihr meldeten sich nämlich angebliche Restaurantbetreiber, die ihr eine Stelle in dem Lokal anboten. Am 2. Jänner wurde die 20-Jährige vom „Sohn“ des Besitzers mit einem Taxi abgeholt und unter dem Vorwand, noch Tischwäsche holen zu müssen, in eine Wohnung in Hernals gelockt. Dort warteten fünf weitere Männer, die der 20-Jährigen unmissverständlich klarmachten, was sie beabsichtigten:
Sie sollte dafür sorgen, dass ihre Familie in China umgerechnet 10.000 Euro zahle. Ein knappes Fünftel dieses Betrags hatte die 20-Jährige in China schon als „Anzahlung“ für die Schleppung aufgebracht.

Besorgte Familie trieb das Geld auf

Die junge Frau wurde geschlagen und getreten, darüber hinaus kündigte ihr der Wortführer an, sie müsse mit allen in der Wohnung anwesenden Männern schlafen, würde zur Prostitution gezwungen und bekäme darüber hinaus Drogen eingeflößt, sollte sie das Geld nicht auftreiben. Als sie ihren Vater in China anrief, wurde sie wieder misshandelt, so dass ihre Familie ihre verzweifelte Situation praktisch live miterlebte. Nach tagelangen Verhandlungen wurden in China tatsächlich rund 6.500 Euro an die Schlepperorganisation überwiesen. Am 6. Jänner wurde die Frau freigelassen.

Sechs Verdächtige plus Freundin inhaftiert

Ermittler der KD 1 (Gruppe Pripfl, Major Gerhard Winkler) hatten am Vortag vage und auf Umwegen von einer angeblichen Entführung erfahren, das Opfer musste aber erst ausgeforscht werden. Die Chinesin wollte nach ihrer Freilassung zunächst nicht mit der Polizei reden, lieferte dann aber doch den entscheidenden Hinweis, indem sie die Adresse der Wohnung in Hernals nennen konnte. Sie hatte dort nämlich einen Brief mit der entsprechenden Anschrift gesehen. Das Haus in der Schultheßgasse wurde observiert, nach und nach wurden sechs Männer sowie die Freundin eines der Verdächtigen beim Betreten oder Verlassen des Hauses festgenommen. Der mutmaßliche Haupttäter wurde später in der Innenstadt gefasst, wo er – von Beruf angeblich Chauffeur – mit seinem BMW unterwegs war.

Bei ihm handelt es sich um den 37 Jahre alten Zhuhe L., Spitzname „Lai Xi Fu“, der wegen Schlepperei zweifach vorbestraft ist und in St. Pölten und Korneuburg zu insgesamt zwei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden war. Er ist laut Hannes Scherz prinzipiell geständig, machte aber keine Angaben zu eventuellen Hintermännern. Verhaftet wurden auch Tang Xiong Ch., 28, genannt „Laoshu“ (Die Ratte) und Xiao Feng W., 21, genannt A-Feng. Die Ermittler schließen nicht aus, dass die Verdächtigen weitere Straftaten im Bereich Schlepperei begangen haben, von denen die Polizei bisher nichts weiß.

Polizei bittet um Mithilfe

Hinweise dazu an die KD1 unter der Telefonnummer 01/31-310/33-800 DW (Journaldienst) oder DW 33-150 (Gruppe Pripfl).

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