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Schlepperbande aus dem Kosovo bei Operation "Limax" gefasst

Auch die österreichische Polizei war an den Ermittlungen beteiligt.
Auch die österreichische Polizei war an den Ermittlungen beteiligt. ©APA
10.000 Menschen soll eine Schlepperbande aus dem Kosovo nach Westeuropa gebracht haben. Im Zuge der Operation "Limax" hat die Polizei 77 Verdächtige festgenommen. Einer der Flüchtlinge war zwei Wochen in einem Keller in Wien eingesperrt, weil er den Schleppern nicht das vereinbarte Honorar von 2.800 Euro zahlen konnte, heißt es.

Der Direktor des Bundeskriminalamtes (BK), Franz Lang, sagte am Mittwoch bei einer Pressekonferenz in Wien, dass sich seit dem Herbst des Vorjahres rund 50.000 Bürger aus dem Kosovo auf den Weg nach Westeuropa gemacht hatten. “Wir haben gefühlt, dass da ein sehr effizientes Netzwerk dahinterstecken muss”, schilderte der BK-Chef den Ausgangspunkt der Ermittlungen. Neben einer diplomatischen Offensive, in deren Rahmen Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) im Februar den Kosovo besucht und dabei die Bürger davor gewarnt hatte, den Versprechungen von Schleppern Glauben zu schenken, setzten sich die Ermittler auf die Spur der Täter.

Transporte führten durch Österreich

Die Kriminalisten merkten bald, dass ein Gutteil der Menschentransporte über Kärnten lief. Die Kärntner Landespolizeidirektorin Michaela Kohlweiß berichtete, dass man bei einem gestoppten Transport den Beweis bekommen hatte, dass ein Schleppernetzwerk für einen Gutteil des Flüchtlingsstroms aus dem Kosovo verantwortlich war. Insgesamt stoppten die Kärntner Ermittler 55 Schleusungen seit Oktober 2014.

50.000 Euro Bargeld sichergestellt

Ermittlungen der Landeskriminalämter Kärnten und Wien sowie des Bundeskriminalamtes, international unterstützt und koordiniert von Europol und Eurojust, führten am Dienstag zur Kulmination der Operation “Limax”. In Tschechien wurden 16 Personen, in Frankreich zwölf, in Österreich acht, in Ungarn vier – darunter der mutmaßliche “Mastermind” des Netzwerks -, im Kosovo drei, in der Slowakei zwei und in Deutschland ein Verdächtiger festgenommen. Die österreichischen Ermittler stellten bei Hausdurchsuchungen neben Unterlagen, Handys und Kfz rund 50.000 Euro Bargeld sicher.

Hautverdächtiger wurde festgenommen

Als Hauptverdächtiger des Netzwerks gilt ein 53-jähriger Bosnier, der in Ungarn erwischt wurde und seine praktisch ausschließlich aus dem Kosovo stammenden Mitarbeiter via Mobiltelefon dirigiert hatte. Die Route verlief vom Kosovo über den serbischen Grenzort Subotica, Ungarn und Österreich. Die Geschleppten wurden bis zum Weitertransport in Bunkerwohnungen und Billighotels untergebracht. Zielländer waren Frankreich, Deutschland und die Benelux-Staaten.

Flüchtling in Wiener Keller eingesperrt

Die Schlepper verlangten 2.800 Euro pro Person oder 7.000 Euro für eine Familie, die etappenweise bezahlt werden mussten, wie Oberst Gerald Tatzgern,Leiter des Büros für Menschenhandel und Schlepperei im BK, schilderte. Konnte man nicht zahlen, griffen die Täter zu rigorosen Mitteln: “Wir wissen, dass ein kosovarischer Flüchtling zwei Wochen in einem Keller in Wien eingesperrt wurde, weil er den Schlepperlohn nicht zahlen konnte”, schilderte Tatzgern. Eine Familie sei in einer Kleinstwohnung festgehalten worden, bis sie das Geld für die Weiterfahrt aufgetrieben hatte.

Viele Geschleppte sind wieder in der Heimat

Die Ausreisewilligen rekrutierten die Schlepper zum Teil bei Werbefahrten im Kosovo, bei denen sie ihnen mit sagenhaften Gewinnversprechungen die Fahrt nach Westeuropa schmackhaft machten. Viele der Migranten stammten laut Tatzgern nicht aus den ärmsten Bevölkerungsschichten des Landes. Sie verkauften in zahlreichen Fällen Gründe und anderen Besitz, um den Transport zu finanzieren. Die meisten der Geschleppten sind mittlerweile freiwillig zurückgekehrt, haben aber nahezu alles verloren.

Schlepper auch für Einbrüche verantwortlich

Die Mitglieder des Schleppernetzwerks dürften sich auch andere Geschäftsfelder gesucht haben. So werden laut der Kärntner Landespolizeidirektorin Michaela Kohlweiß Einbrüche in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland der Gruppe zugerechnet. In Kärnten sollen sie Zielobjekte ausgespäht haben. Dazu ein Detail: Ein Verdächtiger wurde laut Gerald Tatzgern vom Bundeskriminalamt (BK) während eines Einbruchs von einem Schlepperkomplizen angerufen und befragt, wie denn jetzt bei einem Transport weiter vorzugehen sei. Auf der Telefonüberwachung war zu hören, wie der Einbrecher seinem Kompagnon mitteilte, dass er gerade anderweitig beschäftigt sei. “Wegen der Schleppung machen wir uns das dann aus”, sagte der Täter laut Tatzgern am Handy.

Ein weiterer Geschäftszweig war die Herstellung verfälschter Dokumente aus Slowenien, die sie für die Transporte benötigten. Bei Transporten wurden slowenische ID-Karten und Führerscheine des Landes gefunden, alle verfälscht.

Verdächtige prahlten auf Facebook mit Geld

Die Mitglieder des Schleppernetzwerks hatten übrigens einen ausgeprägten Hang zur Selbstdarstellung. Auf Facebook prahlten sie mit den verdienten Geldsummen. Sie posteten Fotos von 500-Euro-Bündeln, zu denen sie eine auffallend breite Kette mit dem kosovarischen Doppeladler gelegt hatten. (APA)

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