Schlepper-Unfall auf der A6 bei Kittsee: Drei Tote

Dieses Schlepperfahrzeug überschlug sich Samstagvormittag auf der Nordostautobahn (A6) bei Kittsee. Drei Menschen wurden dabei getötet.
Dieses Schlepperfahrzeug überschlug sich Samstagvormittag auf der Nordostautobahn (A6) bei Kittsee. Drei Menschen wurden dabei getötet. ©APA/THOMAS LENGER/MONATSREVUE
Am Samstagvormittag kam es auf der Nordostautobahn (A6) beim Grenzübergang Kittsee (Bezirk Neusiedl am See) zu einem Unfall mit einem überfüllten Fahrzeug eines Schleppers. Drei Menschen kamen ums Leben.

Beim Versuch, einer Polizeikontrolle auf der Nordostautobahn (A6) beim Grenzübergang Kittsee (Bezirk Neusiedl am See) zu entkommen, hat sich am Samstag ein Schlepper mit seinem überfüllten Fahrzeug überschlagen. Bei dem Unfall starben laut Polizei drei Menschen - zwei Männer und eine Frau. Sieben Personen wurden laut Landessicherheitszentrale Burgenland mit schweren Verletzungen in Krankenhäuser geflogen. Auch Kinder waren betroffen. Der Schlepper wurde festgenommen.

In dem Kastenwagen befanden sich neben dem Schlepper 20 Migranten, sagte Polizeisprecher Helmut Marban zur APA. Angaben zur Herkunft der Migranten konnte die Polizei am Samstagnachmittag noch nicht machen. Der Schlepper wurde festgenommen und noch einvernommen. Es dürfte sich laut Marban um einen russischen Staatsbürger handeln.

Drei Tote bei Unfall mit Schlepperauto auf A6 bei Kittsee

Der Lenker des weißen Kastenwagens hatte am frühen Vormittag vor einer Polizeikontrolle am Grenzübergang Kittsee - Jarovce über die A6 flüchten wollen. Das Schlepperfahrzeug bog dann bei der ersten Abfahrt von der Autobahn ab. Aufgrund der überhöhten Geschwindigkeit überschlug sich der Kastenwagen.

Fünf Notarzthubschrauber aus Wien, Niederösterreich und dem Burgenland standen im Einsatz: Neben dem Intensivtransporthubschrauber (ITH) auch Christophorus 2, 3, 9 und 16. Weiters waren 15 Rettungsfahrzeuge an der Unfallstelle. Die Verletzten wurden nach Angaben der Landessicherheitszentrale in Krankenhäuser in vier Bundesländern transportiert: Nach Wien, nach Wiener Neustadt, St. Pölten und Hainburg (Bezirk Bruck a.d. Leitha) in Niederösterreich, in die Spitäler Eisenstadt und Kittsee im Burgenland sowie nach Graz.

Auch Kinder waren bei dem Unfall unter den Schwerverletzten

Vier Feuerwehren mit 13 Fahrzeugen rückten aus. Der Berge- und Aufräumeinsatz wurde kurz nach 14.00 Uhr beendet, teilte die Landessicherheitszentrale auf APA-Anfrage mit. Der Autobahngrenzübergang Kittsee war in Fahrtrichtung Österreich während des Feuerwehreinsatzes gesperrt.

Vier Feuerwehren mit 13 Fahrzeugen waren im Einsatz

Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) sprach sich angesichts des Unfalls erneut für konsequente Maßnahmen gegen Schlepperkriminalität, unter anderem die Auslagerung von Asylverfahren in Drittstaaten aus. "Wie der heutige Vorfall einmal mehr zeigt, zählt das Leben von Menschen für die Schleppermafia nichts - ihr Tod wird einfach in Kauf genommen." "Ein entschlossenes Vorgehen gegen Schlepper und illegale Migration heißt Menschenleben zu schützen", betonte der Minister in einer Aussendung.

Verfahrenszentren außerhalb Europas als Lösung für Asylpolitik angedacht

Auch der burgenländische SPÖ-Sicherheitssprecher Ewald Schnecker hält in einer Aussendung Verfahrenszentren außerhalb Europas für eine Lösung, diese müssten "schnellstens" errichtet werden. Er forderte den Innenminister auf, "einen Krisengipfel gegen diese unmenschliche kriminelle Schlepperkriminalität einzuberufen, um endlich Nägel mit Köpfen zu machen".

71 Leichen von Flüchtlingen 2015 in Kühl-Lkw entdeckt

Das Burgenland ist schon einmal Schauplatz einer Flüchtlingstragödie gewesen. Am 27. August 2015 hatte ein Mitarbeiter der Asfinag auf der Ostautobahn (A4) bei Parndorf einen etwa 7,5 Tonnen schweren Kühl-Lkw entdeckt, der in einer Pannenbucht abgestellt war. In dem Lastwagen befanden sich die Leichen von 71 Flüchtlingen. Die drei Haupttäter wurden inzwischen zu lebenslangen Haftstraßen verurteilt.

Den Ermittlern, die den Lkw öffneten, bot sich ein grauenhaftes Bild. 71 Menschen aus Afghanistan, Syrien, dem Irak und dem Iran hatten auf engstem Raum in dem luftdicht abgeschlossenen Lastwagen um ihr Leben gekämpft. Unter ihnen befanden sich drei Familien mit mehreren Kindern. Die burgenländische Justiz bezifferte den Zeithorizont, in dem die Flüchtlinge in dem Lastwagen hätten überleben können, mit nicht mehr als drei Stunden. Es dauerte Tage, die Leichen aus dem Schwerfahrzeug zu holen. Monate vergingen, bis sie identifiziert waren.

Sachverhalt um tote Flüchtlinge 2015 in Ungarn abgehandelt

Auch wenn das Drama in Österreich entdeckt worden ist, wurde der Sachverhalt in Ungarn gerichtlich abgehandelt. Die Flüchtlinge, die an der ungarisch-serbischen Grenze übernommen und in den Lastwagen gepfercht worden waren, sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch auf ungarischem Staatsgebiet gestorben. Folgerichtig übernahmen die dortigen Behörden das Verfahren, zuständig war die Staatsanwaltschaft Kecskemet, wo der Lkw gestartet sein dürfte.

Drei Hauptverdächtige im Schlepper-Fall im Jahr 2015

Die drei Hauptverdächtigen wurden inzwischen in Ungarn zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Das Gericht betonte in der Urteilsbegründung, die Angeklagten seien sich darüber im Klaren gewesen, dass die Menschen im hermetisch abgeschlossenen Kühl-Lkw ersticken könnten. Sie wussten weiter, dass der Laderaum von innen nicht zu öffnen war. Der Tod der Flüchtlinge habe sich ereignet, da den Schleppern ihr eigenes Untertauchen wichtiger gewesen sei als das Leben der 71 Menschen.

Nach bekanntwerden des Dramas begann die große Flüchtlingswelle

Der Fall löste national wie international große Betroffenheit aus und hatte weitreichende politische Folgen. Nur wenige Tage nach dem Bekanntwerden des Dramas begann die große Flüchtlingswelle. Zehntausende hatten sich auf den Weg gemacht und reisten über den Balkan und Österreich weiter in Richtung Deutschland.

(APA/Red)

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